Allgemeine Berichte | 03.03.2022

Neuwieder Hospizverein und Ambulantes Hospiz feiern Jubiläum - Gründung 1997 und 2000

Es geht nicht darum dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben

v.l.: Die Leiterin des Ambulanten Hospizes Anita Ludwig, Schirmherrin Isabelle Fürstin zu Wied, die Bildungsbeauftragte des Ambulanten Hospizes und Hospizvereins Heidi Hahnemann und der erste Vorsitzende des Neuwieder Hospizvereins Hans-Peter Knossalla stellten das Jubiläumsprogamm vor. Fotos: Neuwieder Hospizverein

„Als sich rund 20 Männer und Frauen vor 25 Jahren für die Hospizidee stark gemacht haben, hätte keiner gedacht, dass wir einmal so viel gemeinsam mit dem Ambulanten Hospiz erreichen können,“ sagt der erste Vorsitzende des Neuwieder Hospizvereins, Hans-Peter Knossalla. Und die Leiterin des Ambulanten Hospizes, Anita Ludwig ergänzt: „Unsere ehrenamtlichen Frauen und Männer haben es in dieser Zeit erreicht, dass das Thema Endlichkeit des Lebens kein Tabuthema mehr ist.“ Im Laufe der Jahre entwickelte sich auch ein steigender Bedarf an Trauerbegleitung für Erwachsene und seit 2016 auch für Kinder. Dieser Herausforderung hat sich der Neuwieder Hospizverein gestellt und die Ausbildung von Trauerbegleiter/innen und Kindertrauerbegleiter/innen aufgenommen. „Somit haben wir ein vielfältiges Angebot zur Begleitung trauernder Menschen geschaffen“, sagt Knossalla.

Isabelle Fürstin zu Wied hat im Jubiläumsjahr die Schirmherrschaft übernommen. Sie selbst ist schon seit vielen Jahren Mitglied des Neuwieder Hospizvereins. „Es ist toll, dass wir es schaffen, kranke Menschen aufzufangen, ihnen Unterstützung zu geben und auch die Familienmitglieder nach dem Tod nicht allein lassen.“ Durch die Arbeit des Ambulanten Hospizes und des Neuwieder Hospizvereins werde jeder aufgefangen, wo er gerade sei. „Das ist etwas ganz Wunderbares. Ich bin sehr begeistert von dieser Arbeit und dankbar dafür.“

Zu Beginn war es eine kleine Gruppe von engagierten Menschen im Neuwieder Hospizverein, die sich in den ersten Jahren hauptsächlich der Öffentlichkeitsarbeit widmeten. Das Wort Hospiz kannte damals kaum jemand. Dank der vielen Menschen, die bis heute die Hospizidee weitertragen, um sterbenden Menschen, ihren Angehörigen und Trauernden zur Seite zu stehen, ist dies anders geworden. Rund 100 ehrenamtliche Hospizbegleiter/innen des Ambulanten Hospizes haben es sich bis heute zur Aufgabe gemacht, den Wunsch der meisten Menschen, nämlich zu Hause oder wie zu Hause zu sterben, zu unterstützen.

Gründungs- und Vorstandsmitglied Dr. Ingrid Stollhof erinnert sich: „Bis zum Jahr 1997 wurden sterbende Menschen oft noch schnell ins Krankenhaus gebracht, wenn der nahende Tod drohte und die Angehörigen hofften, dass in der Klinik noch etwas Entscheidendes für den Kranken getan werden kann. Zwar passiert dies auch heute immer wieder, aber durch die Hospizbegleitung ist es uns in 25 Jahren gelungen, viele schwer kranke und sterbende Mitmenschen und ihre Angehörigen durch gute Gespräche zu begleiten; zu Hause in ihrer Familie, wo auch die meisten Sterbenden ihre letzte Lebenszeit verbringen möchten“. In der Begleitung Sterbender und deren Angehörigen ist das Ambulante Hospiz, das die Ehrenamtlichen ausbildet und einsetzt, Teil eines gewachsenen Netzwerkes im Kreis Neuwied. „Sterbebegleitung ist Lebensbegleitung“, sagt Anita Ludwig.

Was dies bedeutet, beschreibt eine Angehörige, die und deren Familie im Jahr 2019 im Rahmen der hospizlichen Begleitung der Mutter Unterstützung fand: „Die Hospizbegleiterin schenkte uns ihre Zeit, als für uns die Zeit stehen blieb. Diese Zeit konnten wir nutzen, um nach durchwachten Nächten einmal eine Stunde zu schlafen, spazieren zu gehen oder sonst irgendetwas zu machen, um wieder Kraft zu tanken. Immer in der Gewissheit, dass unsere Mutter nicht allein war, dass da jemand war, der für uns an ihrem Bett wachte. Die Hospizbegleiterin brachte Ruhe in unseren aufgewühlten Alltag, ertrug unsere Tränen und hörte sich unsere Sorgen an.“ Damit solch eine Begleitung professionell gelingen kann, werden die ehrenamtlichen Männer und Frauen in ihrer Tätigkeit gut von den Hospizfachkräften des Ambulanten Hospizes unterstützt. Diese haben auch die jeweilige Situation der Sterbenden und Angehörigen immer im Blick.

Der Neuwieder Hospizverein möchte sich weiteren Herausforderungen in der Zukunft stellen: Gemeinsam mit der Marienhaus Gruppe, dem DRK Rheinland-Pfalz und den Brüdern vom Heiligen Kreuz in Hausen möchte der Verein ein stationäres Hospiz bauen.

Jubiläumsveranstaltungen:

„Sie werden lachen, es geht um den Tod“ – die Tabutanten – Freitag, 22. April, 19 Uhr, Stadthalle Linz am Rhein, Strohgasse 12, Linz /Rhein

Segelfreizeit auf dem Ijsselmeer – Donnerstag, 26. Mai bis Sonntag, 29. Mai für Erwachsene und Kinder mit einem Trauerfall in der Familie

„Die farbigen Wächter des Lebens“, Vernissage: Freitag, 1. Juli, 19 Uhr, Außengelände Kloster Ehrenstein, Kreuzbrüderweg 1, Neustadt, Ausstellung: Samstag, 2. Juli – Sonntag, 4. September, täglich 10 – 18 Uhr, Außengelände Kloster Ehrenstein, Kreuzbruderweg 1, Neustadt

Dada Peng: „Knocking on Jimmy´s Door – wie wir glücklicher leben, wenn wir zu sterben lernen“ – Montag, 11. Juli, 17 Uhr, Rhein-Wied-Gymnasium, Im Weidchen 2, Neuwied

Bartels Bühne Flammersfeld: „Ente, Tod und Tulpe“ – Freitag, 19. August, 19 Uhr, Kulturbahnhof (Alter Bahnhof) Puderbach, Bahnhofstraße 8, Puderbach

„Lichte Gedanken“ – Sonntag, 6. November, 17 Uhr, Pfarrkirche St. Bonifatius, Kurt Schumacher Str. 9, Neuwied-Niederbieber

Zu allen Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich. Infos und Anmeldung unter Telefon: 02631/ 344 214, E-Mail: verein@neuwieder-hospiz.de.

Mehr Informationen auch unter: www.neuwieder-hospiz.de und www.ambulantes-hospiz-neuwied.de

Hospizverein - Gründer und Mitglieder des 1. Vorstandes: Bruder Ulrich Schmitz (von den Franziskanern), Bruder Bernhard Leisenheimer (Kloster Ehrenstein), Rosemarie Klein, Elisabeth Adrian, Anne Peters-Rahn, Dr. Ingrid Stollhof und Catrina Schneider

Seit 2016 auch Kinder-Trauerbegleitung

- Gründung des Amb. Hospiz Neuwied am 15. Dezember 1999, Beginn der Arbeit im 1. Quartal 2000

- Gemeinsame Träger sind die St. Elisabeth GmbH Waldbreitbach und der Neuwieder Hospiz e.V. , Partner ist die AOK Rheinland-Pfalz

- Gründer der 1. Stunde: Walter Bockemühl AOK Rheinland-Pfalz), Schwester M. Basina Kloos (St. Elisabeth GmbH), Bruder Ulrich Schmitz (Neuwieder Hospiz e.V.), Rainer Kaul (Landrat des Kreises Neuwied) und Dr. Hiltrud Puff (Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Rheinland-Pfalz)

Grundlage der Arbeit sind Männer und Frauen, die ehrenamtlich sterbende und trauernde Menschen begleiten. Die Ehrenamtlichen finden in Gruppen Halt und können ihre Arbeit in der Supervision reflektieren. Regelmäßig stattfindende Befähigungskurse (Grundkurs, Praktikum, Aufbaukurs) Inhalt: Persönliche und fachliche Auseinandersetzung mit den Themen Krankheit, Sterben, Tod, Trauer und Trennung, regelmäßige Treffen in fünf regionalen Gruppen, monatliche Supervisionen, Unterstützung schwerstkranker und sterbender Menschen und deren Familien im häuslichen Umfeld.

Das Ziel ist es, den Wunsch der meisten Menschen, zu Hause oder wie zu Hause zu sterben, zu unterstützen und dem Leben sterbenskranker Menschen bis zum letzten Augenblick Würde zu geben. Kranke, Sterbende und Angehörige – ganz gleich welcher Herkunft und Religion – zu begleiten

„Wir werden alles tun, damit sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.“

Cicely Saunders,

Vorkämpferin der Hospizidee

Jedes Jahr werden für die Menschen, die vom Ambulanten Hospiz begleitet wurden, je eine Kerze angezündet.

Jedes Jahr werden für die Menschen, die vom Ambulanten Hospiz begleitet wurden, je eine Kerze angezündet.

v.l.: Die Leiterin des Ambulanten Hospizes Anita Ludwig, Schirmherrin Isabelle Fürstin zu Wied, die Bildungsbeauftragte des Ambulanten Hospizes und Hospizvereins Heidi Hahnemann und der erste Vorsitzende des Neuwieder Hospizvereins Hans-Peter Knossalla stellten das Jubiläumsprogamm vor. Fotos: Neuwieder Hospizverein

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