Allgemeine Berichte | 25.08.2025

Minister Sven Teuber im Austausch mit der Lebenshilfe Mayen

„Es ist normal, verschieden zu sein“

Große Runde bei der Lebenshilfe Mayen-Koblenz, in der Mitte Minister Sven Teuber und Geschäftsführer Josef Brodam.  Foto: Lisa Hartmann

Mayen. Der Minister für Bildung und Teilhabe Sven Teuber nahm sich Zeit, die Lebenshilfe Mayen zu besuchen und die Arbeit der Einrichtung kennenzulernen. In einer Gesprächsrunde gelang es, zentrale Themen der Bildungs- und Teilhabepolitik mit Blick auf Kinder und Jugendliche aufzugreifen.

Die Runde setzte sich aus Abteilungsleitungen der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbereiche, Geschäftsführer Josef Brodam sowie dem SPD-Landtagskandidaten Nicolas Cordes zusammen. In offener Atmosphäre wurden Erfahrungen geteilt und Fragen gestellt, die weit über den Alltag der Lebenshilfe hinausreichen.

Frühkindliche Förderung ab der Feindiagnostik

Besonders eindrücklich schilderten die Verantwortlichen die Situation von Familien, die bereits ab der Feindiagnostik mit einer besonderen Entwicklung ihrer Kinder konfrontiert sind. „Ab diesem Zeitpunkt fühlen sich viele Eltern allein gelassen – wir lassen sie nicht im Stich“, betonte Gabriele Schmid Abteilungsleitung des Kinderbereichs. Die Lebenshilfe begleitet Familien von Beginn an und versteht sich als starker Partner in einer Phase, in der Unsicherheit und Fragen oft überwiegen.

„Warum ist ein zweijähriges Kind fertig?“

Mit deutlicher Kritik wurde auch auf aktuelle Regelungen in Rheinland-Pfalz hingewiesen. So gilt ein Kind ab dem zweiten Lebensjahr als „förderlich fertig“ – mit der Folge, dass weniger Personal eingesetzt werden soll. Die Frage „Warum hat Rheinland-Pfalz entschieden, dass ein zweijähriges Kind „fertig“ ist?“ stand im Mittelpunkt der Diskussion. Denn gerade im frühen Kindesalter finden entscheidende Entwicklungsschritte statt, die ohne gezielte Begleitung nicht ausreichend unterstützt werden können.

Weniger freie Träger – weniger Vielfalt

Ein weiteres Thema war die abnehmende Zahl freier Träger in Rheinland-Pfalz. Die Lebenshilfe Mayen macht deutlich, dass die Vielfalt im System von Bildung und Betreuung gefährdet ist, wenn kleinere und freie Träger, aufgrund mangelhafter Refinanzierung, aufgeben müssen. Damit ginge wertvolle Expertise verloren, die für passgenaue Angebote vor Ort unverzichtbar ist.

Die heilpädagogische Schule – ein Herzensprojekt

Besonders bewegend war die Vorstellung der heilpädagogischen Schule der Lebenshilfe. Unter dem Motto „Es ist normal, verschieden zu sein“ eröffnet sie Kindern Chancen, die andernorts als sogenannte „Systemsprenger“ gelten. In Mayen jedoch tragen sie mit Stolz einen eigenen Namen „Torpedos“, wie die Schulleiterin Birte Brodam sie liebevoll nennt, – voller Energie, Kraft und macht einem deutlich, wie sehr die Schule jedes Kind in seiner Individualität sieht und fördert.

Auf der anderen Seite erreicht die Schule Kinder, die von Misserfolgen geprägt, jede Lust auf Schule und den Glauben an die eigene Leistungsfähigkeit verloren haben. Immer sind ganze Familien betroffen, die neue Hoffnung und Zuversicht durch Schule und Jugendhilfe erleben dürfen.

Diskutiert wurde auch der jüngste Beschluss des Ministers zur Ankündigung von unangekündigten Hausaufgabenüberprüfungen. Dies steht im Zusammenhang mit stärkerer Fokussierung auf

Beziehungsarbeit an Schulen und soll unnötigen Druck vermeiden helfen. Genau das Konzept der Lebenshilfe, die jedes Kind, jeden Erwachsenen, als wertvolles Individuum wahrnimmt und annimmt.

Wertschätzung und Ausblick

Minister Sven Teuber zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Lebenshilfe und betont die Bedeutung solcher Einrichtungen für das Land: „Hier wird gelebte Inklusion sichtbar – mit Herz, mit Haltung und mit klaren Impulsen für die Politik“.

Geschäftsführer Josef Brodam fasste den Geist der Begegnung zusammen: „Wir bauen Brücken – zwischen Gesetzen und Praxis, zwischen Kindern und Eltern, zwischen Politik und Alltag. Denn jedes Kind verdient die bestmögliche Förderung und eine echte Chance auf Teilhabe.“

Der Besuch machte deutlich: Die Lebenshilfe Mayen ist ein Motor für Inklusion, für Familienunterstützung und für eine Gesellschaft, in der Verschiedenheit nicht als Problem, sondern als Bereicherung verstanden wird.

Nächstes Jahr wird die Lebenshilfe 60 Jahre! Dies wird gebührend im Festjahr gefeiert. Im Mittelpunkt steht eine große Kirmes am 16. August 2026.

Pressemitteilung

Lebenshilfe Kreisvereinigung Mayen-Koblenz

Große Runde bei der Lebenshilfe Mayen-Koblenz, in der Mitte Minister Sven Teuber und Geschäftsführer Josef Brodam. Foto: Lisa Hartmann

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