Lesung mit Dr. Benno Willers im Melanchthonhaus
Exkurs in die Swisttaler Lokalgeschichte
Buschhoven. Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner und Gemeindearchivarin Hanna Albers begrüßten die Besucher zur Lesung mit Dr. Benno Willers im Melanchthonhaus. Zu Beginn stellte Angelika Hansen, die Vorsitzende des Evangelischen Lesekreises im Melanchthonhaus, den Lesekreis vor. Neben monatlichen Treffen werden auch gemeinsame Literaturreisen angeboten. Der Literaturkreis Sankt Katharina bietet ebenfalls Termine zu Buchbesprechungen an. Am herbstlich geschmückten Lesepult sitzend las Benno Willers aus seinem Buch „Damals in Buschhoven 1939-1948“ vor. Er erläuterte, die von ihm recherchierten Geschichten und zeigte alte Fotos und Karten. In der ersten Geschichte, die Willers vortrug, rief er seinen Zuhörern das grausame Schicksal von Anton Wujciakowski, einem polnischen Zwangsarbeiter, wieder ins Gedächtnis. Willers war dem Ereignis durch die Kindheitserinnerung eines Zeitzeugens auf die Spur gekommen. Anton Wujciakowski wurde 1941 von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in der Mieler Sandgrube in Anwesenheit weiterer sogenannten „Fremdarbeiter“ und nationalsozialistischen Gewährsleuten hingerichtet. Ihm wurde vorgeworfen, dass er Umgang mit einer deutschen Frau gehabt habe. Als Todesursache vermerkt der Standesbeamte in der Sterbeurkunde: „Durch Erhängen auf Anordnung der Staatspolizeistelle Köln, Nebenstelle in Bonn“. Erst 1959 wurde die Ermordung eines polnischen Kriegsgefangenen in Miel angezeigt und Ermittlungen durch das Landeskriminalamt aufgenommen. Im August 2014 wurde eine Gedenkstele in der Swistaue nahe Lützermiel eingeweiht, die an das Schicksal von Anton Wujciakowski erinnert. In einer weiteren Geschichte berichtet er über Buschhovener Bürger die eine Jüdin im Dorf versteckten. Ihr Mann, der deutsche Tabakhändler Waldemar Fritz fand mit ihr und seinem Sohn einen Unterschlupf bei der Familie Schlösser und deren Nachbarn, der Familie Brüssel. Zum Abschluss las er Geschichten über den Pfarrer Wilhelm Tent vor, der im Frühjahr 1945 trotz der Drohungen von Nationalsozialisten kurz vor dem Ende des Krieges eine weiße Fahne aus dem Kirchtum hängte, um die Buschhovener vor weiteren Bombenangriffen zu bewahren. Außerdem ist es dem Weitblick von Tent zu verdanken, dass das Gnadenbild der „Rosa Mystica“ gerettet wurde. Nur wenige Tage bevor die Kirche von Granaten zerstört wurde, hatte er dafür gesorgt, dass die Marienfigur und andere Heiligenfiguren im Keller des Pfarrhauses verwahrt wurden.
Der promovierte Agrarökonom Dr. Benno Willers wohnt mit seiner Familie seit 1970 in Buschhoven. Er gehörte über fünf Legislaturperioden dem Swisttaler Gemeinderat an. Benno Willers widmet sich seit vielen Jahren der Erforschung historischer Ereignisse in Buschhoven.
Pressemitteilung
Gemeinde Swisttal
Dr. Benno Willers las aus „Damals in Buschhoven 1939-1948“ vor. Foto: Privat
