Allgemeine Berichte | 01.12.2022, 10:45 Uhr

Ein Projekt der Flüchtlingshilfe in Wachtberg und Swistal mit dem ADFC

Fahrräder für Geflüchtete

Fahrradabholung am 18. November in Swistal (v.r.n.l.: Barbara Gunst-Assimenios, Reiner Lanzrath, Martin Hagemann, Katja Ackermann). Foto: Katja Ackermann
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Wachtberg. Das Wetter passte so richtig gut zum Anlass. Die Sonne strahlte von einem blauen Himmel und vor den gelb leuchtenden Blättern des Kirschbaumes standen Kinderfahrräder in verschiedenen Größen und Farben. Und davor kleine Weihnachtsmänner aus Schokolade.

So war es auch vor drei Jahren, als die Freundschaft zwischen den Gemeinden Wachtberg und Swistal und auch das Projekt „Fahrräder für Geflüchtete“ begannen. Swisttal schenkte damals der Flüchtlingsarbeit der Gemeinde Wachtberg 38 gebrauchte Fahrräder, so wie jetzt wieder im November. Auch diesmal stammten die Räder von der RSAG-Mülldeponie in Miel, die dem ehrenamtlichen Helfer der Flüchtlingshilfe Swistal, Reiner Lanzrath, die beim Sperrmüll gesammelten Fahrräder zur Verfügung stellte, damit er sie aufbereiten und reparieren konnte. „Es ist ein Treffen von Freunden, wir kennen uns seit drei Jahren, sind seitdem schon mehrmals gemeinsam die Apfelroute gefahren und haben mehrfach Räder von Swisttal nach Wachtberg gebracht“ sagt Barbara Gunst-Assimenios, die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Swisttal. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Katja Ackermann, der Wachtberger Ehrenamtskoordinatorin“ ist sie die treibende Kraft hinter diesem Projekt.

Und bei einer solchen Radtour kam dann auch der ADFC ins Spiel. Zwar verbindet man mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) wohl zuallererst das Thema Verkehrspolitik. Doch auch ehrenamtliches Engagement für Geflüchtete gehört zu den vielfältigen Initiativen und Projekten der Fahrradlobby. Dies geschieht etwa in Form von Radfahrkursen über Selbsthilfewerkstätten, Fahrradverleih, Jugendarbeit und das gemeinsame Erkunden der Nachbarschaft bis zu Fahrsicherheitskursen und der Vermittlung von Verkehrsregeln.

Und so ähnlich sieht das auch in Wachtberg aus, wo die Ortsgruppe des ADFC der Einladung der Wachtberger Flüchtlingshilfe zur Zusammenarbeit gern gefolgt ist. „Radfahren bringt Menschen zusammen und leistet damit auch einen Beitrag zur Integration in die Gesellschaft“ sagt Erwin Schweisshelm, der das Projekt für den ADFC betreut.

Der Bedarf ist angesichts der wachsenden Zahl der Geflüchteten groß. Erwachsene und Jugendliche gewinnen dadurch in der Flächengemeinde Wachtberg an Mobilität und können die Umgebung erkunden. Und für die Kinder ist es ein kleines Stück Glück und Freude in einer neuen, fremden Welt. Wenn geflüchtete Kinder in Zukunft mit dem Rad zur Schule fahren, erleben sie so einen strukturierten Alltag. Und die Erwachsenen gelangen schneller und bequemer zum Einkaufen, zum Sprachkurs oder zu den Ämtern.

„Schon seit mehreren Jahren rufen wir deshalb gemeinsam mit dem ADFC zur Spende von gebrauchten Fahrrädern auf und ergänzen damit die Unterstützung aus Swistal“, so Martin Hagemann, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe. In der Regel handelt es sich um ältere Räder mit kleinen Defekten, die von mittlerweile sechs ehrenamtlichen „Schraubern“ in ihrer Freizeit repariert und verkehrssicher gemacht werden, auch gemeinsam mit Geflüchteten. Die Verteilung an die Flüchtlinge erfolgt bei den vierzehntäglich stattfindenden Samstagstreffs der Wachtberger Flüchtlingshilfe. Die Empfänger bekommen dabei für fünf Euro ein eigenes Rad, der Erlös wird für den Kauf von Ersatzteilen verwandt.

Zunächst beschränkten sich die Aufrufe auf Wachtberg, aber angesichts der wachsenden Zahl von Flüchtlingen vor allem auch aus der Ukraine wurden im Herbst diesen Jahres auch die Nachbargemeinden über die Lokalpresse einbezogen. „Die Resonanz war überwältigend, wir haben fast 100 Fahrräder angeboten bekommen, die wir zurzeit nach und nach abholen, reparieren und verteilen“, so Hagemann. Damit stehen auch für Neuankömmlinge in den nächsten Monaten Fahrräder zur Verfügung.

Nicht immer können die Räder gleich genutzt werden. „Wir erleben immer wieder, dass vor allem geflüchtete Frauen in ihrer Heimat kein Fahrradfahren gelernt haben. Dies können sie mithilfe des ADFC nachholen“, sagt Erwin Schweisshelm. Mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde haben schon mehrere Frauen bei der ADFC-Radfahrschule für Erwachsene in Meckenheim das Fahrradfahren gelernt.

Und auch die Gemeinde Wachtberg betont den vielfältigen Nutzen dieses Projekts.

„Radfahren ermöglicht den Geflüchteten nicht nur eine höhere und kostengünstige Mobilität, es macht darüber hinaus Spaß und bedeutet ein Stück Normalität nach der langen Fluchterfahrung. Und gebrauchte Fahrräder wiederzuverwenden ist nachhaltig und klimaschützend, dem fühlt sich unsere Gemeinde ebenfalls verpflichtet“ sagt Bürgermeister Jörg Schmidt.

Gemeinsame Pressemitteilung

der Flüchtlingshilfe in Swistal

und Wachtberg mit dem ADFC

Fahrradabholung am 18. November in Swistal (v.r.n.l.: Barbara Gunst-Assimenios, Reiner Lanzrath, Martin Hagemann, Katja Ackermann). Foto: Katja Ackermann

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