Internationaler Weltladentag fand in Remagen statt
Fairtrade auch in Zeiten von Corona
Remagen. Der Weltladentag hat die Forderung nach einem wirksamen Lieferkettengesetz in den Mittelpunkt gerückt. Bundesweit macht die Fair Handelsbewegung darauf aufmerksam, dass die Unternehmen Menschenrechte und Umwelt entlang globaler Lieferketten verpflichtend schützen und dafür Verantwortung übernehmen müssen. Die aktuelle Corona-Krise verschärft die Ungleichheit zwischen den Menschen noch zusätzlich und zeigt deutlich, wie wichtig ein gesetzlicher Rahmen hier ist. Der Weltladen Remagen-Sinzig nutzte den Markttag in Remagen, gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Fairtrade Stadt Remagen, auf die Initiative zum Lieferkettengesetz aufmerksam zu machen. Gleichzeitig konnten die MarktbesucherInnen leckere und schöne fair gehandelte Produkte am Marktstand entdecken und für den Muttertag kleine Geschenke erstehen.
Umsatzeinbußen bei den Weltläden
Da die Umsätze in der Corona Pandemie eingebrochen sind, ist es umso wichtiger sich mit den Menschen in den Produktionsländer solidarisch zu zeigen. „Die Umsätze der deutschen Weltläden sind in der zweiten Märzhälfte um mehr als 75 Prozent gesunken“, sagt Steffen Weber, Geschäftsführer des Weltladen-Dachverbandes. Schlimmer sieht es bei den 82 deutschen Weltläden-Lieferanten aus. Nach einer Umfrage des Weltladenverbandes sagen 24 Prozent, sie kämpften ums Überleben, 65 Prozent haben für ihre Mitarbeitenden Kurzarbeitergeld beantragt, 15 Prozent Beschäftigte entlassen.
Existenzbedrohte Lieferanten weltweit
Am härtesten trifft es aber die Hersteller von fair gehandelten Produkten, die von Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld nur träumen können. Die NGO New Sadle aus Nepal vermarktet Filz- und Baumwollprodukte, die 100 Kunsthandwerker mit Lepraerkrankung herstellen. Seit vier Wochen sind alle ProduzentInnen zu Hause, in den letzten zwei Monaten konnte New Sadle seine Mitarbeitenden nicht bezahlen. „Hinzu kommt, dass in vielen Regionen die Transportwege zusammengebrochen sind.“
Die 900 Weltläden machen in Deutschland nur einen kleinen Teil des Gesamtumsatzes mit fair gehandelten Produkten aus. Der Großteil des Umsatzes von 1,7 Milliarden Euro 2018 erzielten Discounter und Supermärkte. Die Weltläden setzten gerade mal 78 Millionen Euro um. Verzichtbar sind sie deswegen nicht. „Gerade kleinere Produzenten haben nur in Weltläden eine Chance“, sagt Weber. „Außerdem engagieren sich Menschen in den Weltläden auch dafür, das Wirtschaftssystem gerechter zu machen. Daran haben die großen Lebensmittelhändler kein Interesse.“
Fairtrade Stadt Remagen
„In diesen Zeiten ist es wichtiger denn je, dass wir in den reichen Ländern die Zusammenhänge verstehen und handeln. Genau aus diesem Grund hat die Stadt Remagen sich für die Zertifizierung zur Fairtrade Stadt beworben“, berichtet Walburga Greiner vom Weltladen. Und Karin Keelan vom Eine-Welt-Fairein ergänzt: „Sobald es wieder möglich ist, wollen wir unsere gemeinsamen Ideen zu einer bewusst fairen Stadt Remagen mit Infoveranstaltungen und anderen Aktionen voranbringen. Über weitere MitstreierInnen freuen wir uns natürlich auch jetzt schon.“
