Wo die Show nur ein Teil des Ganzen ist: Im Bonner Varieté hat Herzlichkeit einen besonderen Stellenwert
Florian Engel: Der Gastgeber hinter dem Zauber des GOP Varieté-Theaters
Bonn. Wer Florian Engel vor einigen Jahren erzählt hätte, dass er einmal Direktor eines der renommiertesten Varieté-Theater Europas werden würde, hätte vermutlich ein ungläubiges Lächeln geerntet. „Ich habe in der Schule sicher nicht gesagt: Ich möchte Zirkusdirektor werden“, erzählt er und lacht. Sein beruflicher Weg verlief zunächst alles andere als glamourös, sondern sehr bodenständig. Engel studierte Betriebswirtschaftslehre und machte anschließend über viele Jahre Karriere in der Hotellerie. In Hotels quer durch Deutschland lernte er, worauf es wirklich ankommt: Menschen willkommen zu heißen, Gastgeber mit Herz zu sein und Teams erfolgreich zu führen. Genau diese Eigenschaften erkannte schließlich auch ein Headhunter, als er ihn 2022 für das GOP Varieté-Theater Bonn ansprach. „Mein erster Gedanke war tatsächlich: Brauchen die einen neuen Clown?“, erinnert sich Engel schmunzelnd. Nein, so war es zum Glück nicht. Gesucht wurde kein Artist, sondern ein Direktor.
Seit vier Jahren lenkt Florian Engel die Geschicke des Bonner Hauses. Sein Einstieg fiel in eine besondere Zeit: Die Corona-Pandemie war gerade überwunden, Kulturveranstaltungen konnten endlich wieder stattfinden. Für Engel war das weit mehr als ein bloßer Re-Start. „Es fühlte sich wie eine komplette Neueröffnung an.“ Mit Erfolg. Das GOP hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zweiten Wohnzimmer entwickelt, nicht nur für rund 10.000 Besucher pro Monat, sondern ebenso für die rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Allein etwa 40 Beschäftigte arbeiten im gastronomischen Bereich, zum Beispiel in der stilvollen Piano-Bar oder im renommierten Restaurant Leander. 2026 feiert das GOP Varieté-Theater Bonn seinen zehnten Geburtstag und die Zeit nach der Eröffnung im Jahr 2016 ist eine Erfolgsgeschichte. In der vergangenen Dekade hat sich das Haus im Bonner Regierungsviertel zu einer festen Größe der Kulturlandschaft entwickelt. Für Florian Engel liegt der besondere Reiz des Varietés vor allem in seiner Vielseitigkeit. „Varieté ist Artistik, Musik, Tanz, Comedy und Kabarett. Genau diese Mischung macht den Zauber aus.“
Ob junge Paare, Familien mit Kindern oder gleich mehrere Generationen gemeinsam: im GOP findet jeder sein persönliches Unterhaltungserlebnis. Das Genre steht seit jeher für leichte, unbeschwerte Unterhaltung auf höchstem Niveau. Gerade darin liegt seine besondere Stärke. Hinzu kommt die familiäre Philosophie des Unternehmens. Noch heute erinnert Engel gerne an ein Zitat des früheren GOP-Chefs Hubert Grote: „Eine Eintrittskarte zum GOP sollte immer günstiger sein als das teuerste Kinoticket der Stadt.“ Ganz so einfach lasse sich dieses Versprechen heute zwar nicht mehr umsetzen, sagt Engel mit einem Augenzwinkern. Allerdings sei ein Varieté-Abend mit seiner persönlichen Atmosphäre und dem unmittelbaren Kontakt zwischen Künstlern und Publikum mit einem klassischen Kinobesuch sowieso nicht zu vergleichen.
Europas größtes Varieté
Das Bonner Theater ist eines von sieben GOP-Häusern in Deutschland. Von einem Geheimtipp kann aber längst keine Rede mehr sein. Als größtes Varieté-Unternehmen Europas und weltweit zweitgrößter Anbieter von Varieté-Shows verfügt das GOP über ein internationales Netzwerk erstklassiger Künstler. Dieser hervorragende Ruf macht sich auch bei der Besetzung neuer Produktionen bemerkbar. „Wir können uns schon die Rosinen herauspicken“, sagt Engel.
Die neuen Showkonzepte entstehen in der Regel in einer großen GOP-Probehalle in Hannover, für das anschließend die passenden Künstler verpflichtet werden. Manchmal ist es genau umgekehrt: Besonders beeindruckende Artisten inspirieren eine komplett neue Produktion. Ist eine Show fertig, geht sie auf Tournee durch die sieben GOP-Theater in ganz Deutschland. Wer also eine Produktion besonders ins Herz geschlossen hat, kann sie auch an anderen Standorten noch einmal erleben. Besonders gerne erinnert sich Florian Engel an die preisgekrönte Show „Wet“, die weltweit mehr als eine Million Zuschauer begeisterte. Im Mittelpunkt stand dabei das faszinierende Element Wasser. 2027 wird dieses Thema mit der neuen Produktion „Flow“ wieder aufgegriffen.Erlebnisse schaffen Bei aller Internationalität bleibt das wichtigste Ziel jedoch immer dasselbe: unvergessliche Momente schaffen. „Wir wollen unsere Gäste glücklich machen“, fasst es der Direktor zusammen. Dieser Anspruch prägt das gesamte Team. Die Mitarbeiter identifizieren sich stark mit „ihrem“ Theater und sorgen Tag für Tag für die herzliche Wohlfühlatmosphäre, die viele Besucher immer wieder ins GOP zurückkehren lässt. Dass das GOP ein Familienunternehmen ist, zeigt sich auch im gesellschaftlichen Engagement.
Unvergessliche Momente für alle schaffen
Während der Sommerferien gilt erneut die beliebte Aktion „Kids für Nix“: Kinder unter 14 Jahren erhalten freien Eintritt in die Show. Ebenso wichtig ist dem Haus das Thema Inklusion. Einmal pro Spielzeit findet eine speziell angepasste Vorstellung für Menschen mit Handicap statt. Gebärdensprachdolmetscher begleiten die Handlung der Show, Begleitpersonen erhalten freien Eintritt. „Es ist uns wichtig, wirklich allen Menschen unvergessliche Momente zu ermöglichen“, betont Engel. Auch als Geschenk erfreuen sich die Eintrittskarten großer Beliebtheit. Die gibt’s als Bundle und man kann sich die Shows, die man besuchen möchte frei aussuchen. Übertragbar sind die Tickets auch auf Freunde und Verwandte – falls mal etwas dazwischenkommt.
Und wie sieht eigentlich der Alltag eines Varieté-Direktors aus? Wer glaubt, zwischen Scheinwerfern und Artistik spiele Betriebswirtschaft keine Rolle mehr, irrt gewaltig. Personalplanung, Finanzen, Marketing und Gastronomie gehören ebenso zum wie Premieren und Künstlergespräche. Seine anfängliche Vorstellung vom neuen Beruf musste Florian Engel allerdings schnell korrigieren. „Ich dachte am Anfang wirklich, ich müsste jeden Abend auf die Bühne gehen und die Gäste mit einem ,Attention, Mesdames et Messieurs‘ begrüßen“, blickt er lachend zurück. Soweit kam es dann doch nicht. Aber: Bei jeder Premiere einer neuen Show begrüßt er die Gäste trotzdem persönlich aus dem Scheinwerferlicht der GOP-Bühne. Nicht auf Französisch, dafür aber mit jeder Menge Herz.ROB
Im GOP findet jeder sein persönliches Unterhaltungserlebnis - für Direktor Florian Engel ist dies sehr wichtig. Foto: privat