Neuen Einsatzleitwagen für die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Grafschaft
Floriansjünger bekamen glänzende Augen
126.000 Euro teures Fahrzeug wird in Bengen stationiert - Evangelischer Pfarrer nahm die offizielle Einsegnung vor
Grafschaft. Zeuge eines extrem seltenen Ereignisses wurden die Gäste der Einweihungsfeier für den neuen Einsatzleitwagen der Freiwilligen Feuerwehr Grafschaft: Der evangelische Pfarrer Thomas Rheindorf durfte diesmal die offizielle Einsegnung vornehmen. Er nutzte gleich die auch für ihn unerwartete Gelegenheit, jede Menge Weihwasser nicht nur auf das neue Fahrzeug, sondern auch auf die anwesenden Besucher zu verspritzen. Natürlich unter strenger Aufsicht des katholischen Pfarrers Alexander Burg und assistiert von „Messdienerin“ Theresa Nolden. Die Besucher nahmen es mit Humor, zumal sie vorher schon versprochen hatten, die Einsegnung als gültig anzuerkennen. So zeigte die kleine Feierstunde einmal mehr, wie gut man sich in der Grafschaft versteht und wie eng alle Beteiligten über alle parteipolitischen und konfessionellen Grenzen hinweg zum Wohle der Gemeinde zusammenarbeiten.
Vor allem die witzige Ansprache Rheindorf wird den etwa 50 Gästen dauerhaft in Erinnerung bleiben, stellte er doch fest: „Der neue Einsatzleitwagen ist ein sehr geiles Gerät – nicht nur in den Augen junger Menschen, auch die Feuerwehrleute in fortgeschrittenem Alter kriegen glänzende Augen bei seinem Anblick.“ Das sei auch gut so, denn Nachwuchskräfte für die Feuerwehr könne man auf Dauer nur gewinnen, wenn auch die Ausrüstung zeitgemäß und „sexy“ sei. Auf der anderen Seite sei das Fahrzeug aber auch ein „Höllenteil“ im ernsten Sinne, denn die Nutzer müssten im Einsatz jeden Augenblick damit rechnen, in einen schicksalhaften Abgrund zu blicken. Deshalb wünschte er, auch im Namen seines katholischen Amtskollegen Alexander Burg, dass alle Feuerwehrleute stets körperlich und seelisch unversehrt aus ihren Einsätzen zurückkehrten.
Internet und modernste Kommunikationstechnik
Der neue „ELW 1“ der Grafschafter Feuerwehr wurde anlässlich des Tags der offenen Tür der Löschgruppe Bengen eingeweiht, denn dort hat er künftig auch seinen Standort. Der 3,9 Tonnen schwere Kleintransporter bietet Platz für vier Besatzungsmitglieder, die über modernste Kommunikationstechnik verfügen können. An zwei Computerarbeitsplätzen können die Feuerwehrleute zukünftig ihre Einsätze dokumentieren und die Einsatzleitung mit allen notwendigen Informationen versorgen. Angefangen von Objektplänen größerer Gebäude über die sicheren Schnittpunkte an verunfallten Fahrzeugen bis hin zu Gefahrstoffdatenbanken reicht dabei die Palette der möglichen Informationsquellen.
„Wenn wir das alles als echte Fachbücher an Bord hätten, wäre allein damit die zulässige Zuladung überschritten“, freute sich Wehrleiter Achim Klein darüber, dass diese Daten mittlerweile digital vorliegen.
Außerdem steht in dem 126.000 Euro teuren Fahrzeug eine Internetverbindung zur Verfügung. Die werde beispielsweise genutzt, um Einsatzdaten mit der Leitstelle in Koblenz oder der Grafschafter Feuerwehreinsatzzentrale im Ringener Feuerwehrhaus auszutauschen. Diese steht der gesamten Grafschafter Feuerwehr bereits seit einigen Jahren zur Verfügung und soll auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen, insbesondere bei großflächigen Einsätzen. Durch die fortschreitende Technik könnten mit der Indienststellung des neuen Einsatzleitwagens aber auch einige Tätigkeiten direkt an die Einsatzstelle verlagert werden, wodurch die Arbeit der Einsatzleitung nochmals ein Stück effizienter werde, so Klein. Die Löschgruppen Ringen und Bengen bilden jetzt gemeinsam die „Führungsunterstützung“ der Feuerwehr Grafschaft.
Kleinere Besprechungen können im Fahrzeug abgehalten werden
Der Innenraum des Einsatzleitwagens ist so gestaltet, dass auch kleinere Besprechungen direkt im Fahrzeug abgehalten werden können. Zu diesem Zweck können die Sitze in verschiedene Richtungen gedreht werden. Trotz aller technischen Einbauten ist ein Betrieb mittels Fahrzeugbatterie über mehrere Stunden möglich, ohne dass zusätzlich Strom aus dem ebenfalls mitgeführten kleinen Stromerzeuger eingespeist werden muss. Komplettiert wird die Ausstattung durch eine Wärmebildkamera, Ausstattung zur Rettung verunfallter Atemschutzgeräteträger sowie Material zur Durchführung erweiterter Erster Hilfe, unter anderem ein mobiler Defibrillator.
Der neue Einsatzleitwagen wird wie schon sein Vorgänger bei der Löschgruppe Bengen stationiert, eingesetzt jedoch regelmäßig in der gesamten Grafschaft. Damit setzt die Grafschafter Feuerwehr das mittlerweile seit Jahrzehnten bewährte Prinzip fort, nach dem Sonderfahrzeuge und Einrichtungen, die einmalig in der Gemeinde vorzuhalten sind, dezentral auch von den Einsatzkräften der kleineren Ortschaften besetzt werden können. So lasse sich einerseits die Schlagkraft aller elf vorhandenen örtlichen Löschgruppen bündeln, andererseits werde der durch die notwendige Ausbildung und den Einsatz entstehende Zeitaufwand gut auf die ehrenamtlichen verteilt, so Klein.
Jeder Euro für die Feuerwehr ist gut angelegt
Auch Bürgermeister Achim Juchem (CDU) war der Ansicht, der neue Einsatzleitwagen sei zwar ziemlich teuer gewesen, „aber jeder Euro ist gut angelegt.“ Dem Gemeinderat sei stets daran gelegen, die Ausrüstung der Feuerwehr auf einem modernen Stand zu halten. Wie wichtig das sei, habe sich gerade vor einem Jahr bei der Starkregenkatastrophe gezeigt. Und das Geschehen habe auch verdeutlicht, dass sich die Einsatzschwerpunkte der Feuerwehr merklich verändert hätten, was Auswirkungen auf die notwendige Ausrüstung habe.
JOST
Der Innenraum des Einsatzleitwagens ist mit zwei Computerarbeitsplätzen ausgerüstet. Foto: Volker Jost
Weltpremiere in Bengen: Der evangelische Pfarrer Thomas Rheindorf segnet das neue Einsatzleiterfahrzeug ein. Foto: Volker Jost
