Allgemeine Berichte | 20.05.2026, 14:28 Uhr

Abwasserzweckverband Untere Ahr informiert in Remagen über Bau der neuen Kläranlage

238 Millionen Euro: Neue Kläranlage ist teuerstes Einzelprojekt des Flut-Wiederaufbaus

Die Kläranlage in Sinzig wurde nach der Flut provisorisch repariert und soll ihren Dienst noch bis etwa 2032 versehen. Foto: GS
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Remagen/Sinzig. 300 Meter Luftlinie von Kripp entfernt wird auf einem Areal von sieben Hektar im südlichen Stadtgebiet von Remagen eine der modernsten und nachhaltigsten Abwasserreinigungsanlagen Europas neu gebaut. Bauherr ist der Abwasserzweckverband (AZV) Untere Ahr, dem die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die Stadt Remagen, Stadt Sinzig, Teile der Gemeinde Grafschaft sowie der Verbandsgemeinde Altenahr und die Verbandsgemeinde Bad Breisig angehören. Mit einem Investitionsvolumen von 238 Millionen Euro ist es sie größte Einzelmaßnahme im Wiederaufbau des Ahrtals. Die neue Anlage soll das alte Klärwerk in Sinzig, das bei der Flut massiv beschädigt und provisorisch repariert wurde, ersetzen. Und dies an einem neun und hochwassersicheren Standort.

Über das Projekt informierten im Foyer der Rheinhalle nach der Begrüßung durch Bürgermeister Björn Ingendahl als Verbandsvorsteher unter Moderation von Diplom-Ingenieurin Barbara Nilkens der Technische Werkleiter des AZV, Martin Hoffmann, sowie der kaufmännische Leiter des AZV, Bernd Lischwé. Und alle sind sich einig: „Die neue Anlage ist ein Leuchtturmprojekt. Wichtig ist dem AZV, „dass die Bevölkerung mit dem Neubau eine Kläranlage mit neuesten Anlagen und deutlich wirtschaftlicherem Betrieb erhält“, soll heißen: langfristig absolut wirtschaftlich und wasserwirtschaftlich deutlich hochwertiger.

„Leuchtturmprojekt“

Die Anlage ist für 175000 Einwohnerwerte (bisher 11500 Einwohnerwerte) ausgelegt. Sie reinigt künftig nicht mehr nur das Abwasser aus Remagen, Sinzig, Bad Breisig, der Kreisstadt und der Grafschaft, sondern fängt auch das Einzugsgebiet der zerstörten Kläranlage Mayschoß mit auf. Dadurch wird die Anlage deutlich größer als ihre Vorgängerin. Und da es sich dabei dann laut Hoffmann nicht nur um Wiederaufbau, sondern auch um eine Erweiterung handelt, beträgt der zu erwartende Landeszuschuss nur 80 Prozent, respektive 190 Millionen Euro. Die restlichen 48 Millionen Euro müssen dann von den Mitgliedskommunen gestemmt werden. Wie sich das auf die Gebühren auswirken könnte, konnte bei der Informationsveranstaltung noch keine Angaben gemacht werden.

Dafür gab es Infos über die Neuerungen: Als moderner Standard wird eine vierte Reinigungsstufe integriert. Diese filtert laut Hoffmann selbst feinste Schadstoffe wie Mikroplastik, Medikamentenrückstände, Viren und Chemikalien zuverlässig aus dem Wasser. Auch hat die Anlage, die Ende 2031 fertiggestellt sein soll, eine hohe Durchflussmenge: Sie ist so dimensioniert, dass sie voraussichtlich mehr als 800 Liter Abwasser pro Sekunde verarbeiten kann. Zudem ist die künftige Kläranlage Remagen nahezu energieautark: Das Großprojekt wird so konzipiert, dass es den benötigten Strom und die Wärme weitgehend selbst erzeugt. Zudem arbeitet die Anlage durch den Einsatz moderner Klärschlamm-Verwertungsanlagen und hocheffizienter Maschinentechnik klimafreundlich und energieneutral.

Zwei Jahre Planung

Zwei Jahre Planung haben sind in die Anlage gesteckt worden, zu der die AZV-Verantwortlichen unisono sagen: „Wir haben für die Zukunft und für Generationen gedacht.“ Dies ökologisch optimiert: mit Photovoltaik, Energie- und Wärmespeicher, Energierückgewinnung, Blockheizkraftwerk, Gründächern und Regenwasserversickerung sowie entsiegelten Flächen. All dies in einem parkähnlichen Umfeld mit Radweg rund um die Anlage sowie einem Löschteich, der Interessierte auch auf Bänken zum Verweilen einladen soll. Für Interessierte gibt es aber auch einen Multimediaraum, der für Schulklassen-Besuche oder auch Ingenieur-Tagungen genutzt werden kann.

Und auch der Zeitplan steht. So soll in diesem Jahr der Bau der Zufahrtsstraße vom Gewerbegebiet am Grünen Weg aus erfolgen und der Radweg entsprechend umgelegt werden. Wichtig ist Hoffmann: „Die Baustraße führt nicht durch Siedlungsgebiet.“ Danach soll die Rodung der Baufläche erfolgen und der eigentliche Baubeginn ist für 2027 terminiert. Mit der Inbetriebnahme der neuen Kläranlage Ende 2031 soll dann die Testphase beginnen. Etwa 2032 wird dann die alte Anlage in Sinzig außer Betrieb genommen und zurückgebaut. Im Anschluss erfolgt final die Renaturierung des Altstandortes. GS

Verbandsvorsteher Björn Ingendahl (links) begrüßte die interessierten Bürger zur Informationsveranstaltung im Foyer der Rheinhalle.  Fotos: GS

Verbandsvorsteher Björn Ingendahl (links) begrüßte die interessierten Bürger zur Informationsveranstaltung im Foyer der Rheinhalle. Fotos: GS

Die Kläranlage in Sinzig wurde nach der Flut provisorisch repariert und soll ihren Dienst noch bis etwa 2032 versehen. Foto: GS

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