Alter Backes in Brückrachdorf wurde wieder warm
Förderverein und Familie Lied’l belebten eine willkommene Tradition im Dorf neu
Brückrachdorf. Das Feiern auf der Straße kommt in Brückrachdorf in Mode. Nach dem sehr gut besuchten Apfel- und Weinfest Anfang Oktober in der Bergstraße und dem Erlenhang war es diesmal „die Au“, auf die der Förderverein eingeladen hatte, um ein neues Schmuckstück im Ort kennen zu lernen, nämlich den alten Backes in einem Gebäude der Familie Lied’l. Das Haus auf der Ecke zur Selterser Straße wurde von Grund auf renoviert und dabei auch der Backes in einem kleinen Nebengebäude freigeräumt. Da er sich noch als funktionstüchtig erwies, machten sich Alf Lied’l und seine handwerklich versierten Brüder Peter und Andy an die Arbeit und ließen auch den alten Backes wieder in seinem einstigen Glanz erstrahlen. Dabei orientierten sich die Brüder weitestgehend am historischen Vorbild und verwendeten auch für Details wie die Lichtschalter in dem Backeshäuschen originale Dosen und Schalter aus tiefschwarz-glänzendem Bakelit. Auch beim Verputz der Außenmauern orientierte man sich an traditionellen Materialien und Verarbeitungstechniken zum Beispiel mit einem Kalk-Zement-Putz.
,Köstlichkeiten aus dem Backes‘
Fördervereinsvorsitzende Raffaela Schroeder erklärte: „Wir haben eingeladen unter dem Motto ,Köstlichkeiten aus dem Backes‘. Die Idee hatte unser Vereinsmitglied Bernd Milad, dessen Elternhaus direkt an den Backes von Alf Lied’l angrenzt.“ Es war wohl der Duft des regelmäßig in letzter Zeit dort gebackenen Brotes, der Bernd Milad auf die neue alte Produktionsstätte aufmerksam gemacht hatte. Für das Backesfest auf der Au stellten Bernd Milad, seine Frau Katja und Bernds Eltern deren alte Milchkammer zur Verfügung, die mittlerweile zur Küche umfunktioniert wurde. Raffaela Schroeder: „Dadurch hatten wir die nötige Infrastruktur, um das Fest hier veranstalten zu können.“ Zusätzlich hatte der Förderverein noch seine hölzerne Weihnachtsbude aufgebaut, aus der heraus zum Brot passend Hausmacher Wurst, Griebenschmalz und Honig von der Imkerei Härtel-Ziegler verkauft wurde. Mitglieder des Vereins hatten verschiedene Dip-Saucen hergestellt, damit das Backesfest auch ein kulinarisches Angebot für die Vegetarier bereitstellen konnte. Jetzt will der Förderverein erst einmal die Resonanz des ersten Backesfestes analysieren und dann entscheiden, ob daraus eine regelmäßige Veranstaltung werden kann.
36 Brote wurden am Samstag im Backes gebacken, anschließend, in der geringeren Hitze, noch etliche Streuselkuchen, gefüllt mit Äpfeln, Kirchen oder Pudding. Das Mehl für die Brote kam von der Michelbacher Mühle, Dinkelvollkornmehl und ein Roggen-Weizen-Vollkorngemisch, die zu einem Sauerteig verarbeitet wurden. Den Ofen hatten Bernd Milad und Alf Lied’l bereits um sieben Uhr in der Frühe angeheizt, um die nötige Temperatur zu erreichen.
Das Haus, neben dem der Backes steht, wurde um das Jahr 1897 gebaut, der Backes selbst erst viel später, schätzt Alf Lied’l. Ein genaues Baujahr lässt sich aber bisher nicht feststellen. Vielleicht wurden beim Backesfest ja noch Erinnerungen bei älteren Mitbürgern wach, die sich an den Duft bei der ersten Inbetriebnahme des Backes in ihrer Kindheit noch erinnern konnten.
Heinz und Daniela Henritzi erfreuten die Besucher des Backesfestes mit geschmierten Stullen.
Alf Lied’l informierte die Besucher über die Historie des Backes, der lange Zeit ungenutzt vor sich hin schlummerte und jetzt zu neuem Leben erweckt wurde.
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