Fortbildung des Eifelvereins auf der Wacholderheide von Arft
Arft. Auf der Wacholderheide bei Arft in der Hocheifel führte der Eifelverein eine Fortbildung für seine ausgebildeten Wanderführerinnen und Wanderführer durch. Zwischenzeitliche, dunkle Wolken behielten ihre nasse Last für sich, und die Gruppe konnte mit trockener Kleidung eine der mehrmals jährlich angebotenen Fortbildungen absolvieren. Der Geograph Winfried Sander aus Leimbach führte zum wiederholten Mal mit Wilhelm Hermsen, einem Ausbilder für Wanderführer im Eifelverein, die Gruppe auf der gut zehn Kilometer langen Strecke. Sie führte vom Wanderparkplatz am Ski-Gebiet bei Arft über den Raßberg (686 m) mit der ehemaligen amerikanischen Radio-Relaisstation durch den Menke-Park über die Höhen zur Wanderhütte von Hohenleimbach. Dann ging es bergab in das steile Schluchtental des Selbaches, der in das breitere Nettetal mündet. Das kleine Gewässer wurde in Teilen in der Antike über das Aufstauen von Wasser mit Hilfe von Wehren für kleine Schiffe zum Transport von Mühlsteinen genutzt. Vorbei an der Kleinsiedlung „Netterhöfe“ folgte abschließend der Anstieg hinauf auf die Höhen des Heidbüchel. Er ist Teil des Naturschutzgebietes mit einer Größe von insgesamt etwa 24 Hektar. Schutzzweck ist die Erhaltung der Wacholderheiden als Lebensgemeinschaft wildwachsender in ihrem Bestand bedrohter Pflanzen aus wissenschaftlichen Gründen und wegen ihrer besonderen landschaftlichen Eigenart.
Für Sander gewohnt unerlässlich war zunächst die Einführung in die Erdgeschichte der Eifel, nachweislich etwa 400 Millionen Jahre her. Das Relief der Hocheifel ist geprägt vom Vulkanismus der letzten etwa 45 Millionen Jahre wie der Hohen Acht. Nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren kamen die stark erodierenden vielen kleinen Bäche mit ihren Kerbtälern hinzu. Ab dieser Zeit begann der Mensch das Landschaftsbild durch seine Wirtschaftsweise zu prägen. So war für Sander während der Wanderung durchgehend das Thema, wie diese vielgerühmte, vermeintliche „Naturlandschaft“ in diesem Bereich gerade hier so eindrucksvoll entstehen konnte. Für viele sicher am Ende doch überraschend, dass der Mensch mit seinen Aktivitäten und damit seinen Eingriffen in Natur und Landschaft die Verantwortung trägt.
In der Antike siedelten die Römer vor allem in den tieferen Lagen der größeren Flusstäler mit günstigem Klima. Die Siedlungen aus dem Mittelalter mit Höhenlagen von oft um 500 Meter haben dagegen ein raues Klima, das eine ertragreiche Landwirtschaft bei schwach ausgeprägter Ackerkrume nicht zuließ. Einzig die so genannte „Hutewirtschaft“, also eine Haltung, bei der die Tiere sich selbst mit ihren Hütern (oft Kinder) ihr Futter im Gebüsch und im Wald suchen mussten, war eine Erwerbsquelle, die ein karges Leben ermöglichte. Da die jungen, schmackhaften Triebe der Bäume bei der Naturverjüngung von den Tieren abgefressen wurden, kam ein Wald nach unseren heutigen Maßstäben nicht zustande. Was die Tiere nicht fraßen, war die aus dem Mittelmeerraum eingewanderte Zypressenart „Wacholder“, sodass sich große Flächen mit niedrigen Heidepflanzen und hohem Wacholder als stark auf Licht angewiesene Pflanze auf den Flächen entwickeln konnten. Wo sich doch die Landwirtschaft über Wasser halten konnten, wurde „Schiffelwirtschaft“ betrieben – eine Art Brandrodungswirtschaft, bei der der Boden über die entstehende Asche beim Verbrennen von Gras und Büschen eine Zeitlang etwas gedüngt wurde.
Letztendlich gab es für die karge Landwirtschaft im 18. Jahrhundert fast kein Überleben mehr. Vielfach wanderten Bewohner nach Amerika aus, wenige blieben. Der heutige Ort Hohenleimbach hieß auf alten Karten „Wüst-Leimbach“, gleichbedeutend mit einer fast aufgegebenen Siedlung. Erst auf Antrag der Gemeinde aus dem Jahr 1916 wurde der Ort offiziell umbenannt, um sich des ungewollten Namens zu entledigen und sich vom unweit liegenden Leimbach (feucht-schlammige Lage) am Adenauer Bach abzugrenzen.
Die durch die Preußen angeordnete Anpflanzung der schnellwachsenden Fichte im 19. Jahrhundert war zunächst von der Bevölkerung in der Eifel ungewollt, wurde aber schnell zum „Brotbaum der Eifel“. Bis zum frühen 19. Jahrhundert waren weitläufige, meist kahle Heidelandschaften typisch für die Osteifel. Diese entstanden durch jahrhundertelang praktizierte Niederwald- und Schiffelwirtschaft (eine Form des Brandfeldbaus) mit Schaf- und Ziegenbeweidung, bei der der harzige, nadelbewehrte und ungenießbare Wacholder durch das Nutztiere nicht gefressen wurde. Der Wacholderbestand konnte sich dadurch ungehindert ausbreiten. Durch die Industrialisierung, spätestens aber nach dem Zweiten Weltkrieg, waren die Bewohner der Region nicht mehr vorrangig von der Landwirtschaft abhängig, stellten diese ein oder führten diese lediglich im Nebenerwerb. Zwischen den Wacholdern konnten sich Ginster, Buchen, Kiefern, Fichten, Vogel- und Mehlbeeren, Weißdorn, Wildapfel und Wildkirsche entwickeln. Da der Wacholder lediglich eine Beschattung in geringem Maße toleriert, drohte die Vernichtung. 2005 startete daher das LIFE-Projekt „Schutz und Pflege der Wacholderheiden der Osteifel“, unterstützt von der Europäischen Kommission und dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt und Forsten. Ziel des Projektes war es, neben der Erhaltung der Heideflächen, innerhalb von fünf Jahren für eine Verjüngung des alten Wacholderbestandes zu sorgen und damit die Bestandssicherung der Heideflora zu gewährleisten. Seit Projektabschluss im Jahre 2010 sind die Stiftung für Natur und Umwelt (Kreisverwaltung Mayen-Koblenz) sowie Wacholderwarte bei der Betreuung der Heidelandschaft aktiv. 2015 konnten erstmals brütende Heidelerchen im Borstgras bzw. Zwergginster der rekultivierten Heideflächen entdeckt werden. Heute finden sich auf den Höhen um Arft wieder Teile einer Heidelandschaft. Die Gebiete werden von Wildrosen-Wacholderheiden eingenommen, dazwischen mischen sich Besenginster-Heidekraut-Heiden. Die meist dichten Wacholderbestände sind heute teilweise bis zu drei Meter hoch. Die Flächen haben einen hohen ökologischen Wert, müssen aber als „Kulturlandschaft“ weiterhin regelmäßig maschinell und über Beweidung freigestellt werden, sonst droht mittelfristig das Verschwinden dieser einzigartigen Landschaft – eine der Erkenntnisse bei dieser Fortbildung für Wanderführer.
