Autorin Barbara Beuys über die Pionierinnen der Gleichberechtigung
„Frauenspersonen“ unerwünscht
Meckenheim. Höhere Töchter-Schule, dann heiraten. Oder, wenn es denn sein musste, Lehrerin oder Gouvernante werden. Das waren die Karriereoptionen für bürgerliche Frauen in der Kaiserzeit in Deutschland. Wie unglaublich steinig der Weg in ein selbstbestimmteres Leben war, schilderte die Autorin Barbara Beuys bei einer Lesung aus ihrem Buch „Die neuen Frauen – Revolution im Kaiserreich 1910 – 1914“ in der Katholischen Öffentlichen Bücherei in Meckenheim. Mitveranstalterinnen waren die Frauen Union und das Katholische Familien-Bildungswerk. „Wo sie das Volk meinen, da zählen die Frauen nicht mit. Aber die Freiheit ist unteilbar!“ Dieses Zitat stammt von der Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters. Tatsächlich waren Frauen von den politischen Entwicklungen im Lande auch zur Zeit der Märzrevolution ausgeschlossen und durften die Versammlungen in der Frankfurter Paulskirche nicht einmal betreten. Im preußischen Vereinsgesetz von 1850 – diese Vereine waren die Vorläufer der Parteien – stand ausdrücklich: „Frauenspersonen, Schüler oder Lehrlinge“ dürften nicht mitwirken, und sollten sie sich hereinschleichen, sei die Versammlung sofort aufzulösen. Dieses Gesetz galt ab 1870 auf Reichsebene und hatte bis 1908 Bestand. An Beispielen wie Hermine Edenhuizen, der ersten weiblichen Frauenärztin in Deutschland, skizzierte Beuys, dass Frauen auch im Beruf unermüdlich Steine in den Weg gelegt wurden. Das Recht, Abitur machen zu dürfen, musste ebenso erkämpft werden wie der Zugang zur Uni, wo die Studentinnen dann von Kommilitonen angefeindet wurden. Auch Max Planck meinte, „Amazonen“ seien „naturwidrig“. Der Kampf der Arbeiterfrauen um mehr Gleichberechtigung wurde in der Lesung ebenfalls gewürdigt. Und heute? Barbara Beuys sieht derzeit einen „Backlash“, eine Rückwärtsentwicklung: weniger Frauen im Bundestag, verschwindend geringe Präsenz in den Spitzenjobs in der Wirtschaft. Warum das so ist und wie es weitergehen kann, war Thema der sehr lebhaften Diskussion im Anschluss.
