Escher Sommertheater begeistert mit Klassiker von Jules Verne
Freilichtbühne reist „In 80 Tagen um die Welt“
Kaisersesch. Hätte es die beliebte TV-Sendung „Wetten dass..?“ schon Ende des 19. Jahrhunderts gegeben, so wäre der Londoner Geschäftsmann Phileas Fogg mit seiner Wette in 80 Tagen um die Welt zu reisen, vermutlich zum Wettkönig gewählt worden. So wurde diese wohl berühmteste Abenteuergeschichte von Jules Verne schnell zum Bestseller und verhalf diesem auf einen Schlag zu Weltruhm. Tatsächlich basiert der Roman von 1873 auf einer wahren Begebenheit, denn dem US-Amerikaner George Francis Train gelang dieser Coup im Jahr 1870 tatsächlich, was somit zur idealen Romanvorlage für Jules Verne wurde.
Ein eigenes Script verfasst
Für das aktuelle Sommernachtstheater der Kaisersescher Freilichtbühne haben Kirsten Roscher und Stephan Hilken das berühmte Stück mit einem eigenen Script auf die Bühne gebracht und damit einmal mehr ein exzellentes Händchen für eine tolle Inszenierung bewiesen. Sie bringen ihren Phileas Fogg (Stephan Hilken) nebst seiner treuen Dienerin Jeanne Passepartout (Susanne Schubert), dem Polizeiagent Fix (Thomas Ellerich) und Madame Aouda (Simone Spies) an der Spitze von 34 weiteren Bühnenaktiven zum Einsatz, wobei sich dies einmal mehr als hervorragendes Open-Air-Spektakel mit hohem Erinnerungswert offenbart.
Der Taktstock der Regie befindet sich abermals in den bewährten Händen von Kirsten Roscher. Die geht als bereits versierte Spielleiterin das Theaterprojekt mit Ruhe und Besonnenheit an, mit dem ihr letztendlich eine überaus sehenswerte Adaption an das Original gelingt.
Die Weltreise startet in London
Analog dessen geht Phileas Fogg nebst Anhang auch in Kaisersesch vom viktorianischen London aus auf seine abenteuerliche Rundreise per Eisenbahn und Schiff, die ihn zunächst nach Paris, seiner ersten von elf weiteren Stationen führt. Von dort aus geht es über Suez und seinen Kanal Richtung Asien nach Bombay, Kholby, Kalkutta und Hongkong, wo Phileas Fogg in der ersten Halbzeit der Escher Inszenierung weiterhin begleitende Abenteuer erlebt. Die setzten sich nach der Pause fort, als sein Schiff im japanischen Yokohama anlegt. Von dort aus gilt es mit dem Ziel San Francisco die größte Strecke der abenteuerlichen Exkursion zu bewältigen, bevor es ihn quer durch den nordamerikanischen Kontinent über Medicine Bow bis nach New York verschlägt. Von hier aus führt ihn sein vorletzter Trip über die dunkelblauen Weiten des Atlantik, der ihn noch einmal kurz im englischen Liverpool stranden lässt.
Das Ziel und der Gewinn der Wette erwartet ihn abschließend in London, wo die Weltumrundung ein glückliches Ende nimmt.
Eine Weltkarte sorgt für Orientierungshilfe
Anschauliche Unterstützung erhalten die Theaterbesucher während des tollen Stücks in Form einer Weltkarte, auf der die Reiseroute von Fogg mit LEDs angezeigt wird. Überdies sehenswert und trefflich umgesetzt, der Ritt auf dem indischen Elefanten. Auch wenn die Reise an sich nicht gezeigt werden kann, sondern nur die jeweiligen Ankunfts- und Abfahrtsorte mit ihren Begebenheiten in Szene setzt, so zieht doch jeder Auftritt die Zuschauer in ihren Bann.
Trefflich auch die von den „Mittwochsmännern“ aufgebaute Kulisse im historischen Ortskern, die jeweils an den Seiten einen Bahnhof sowie einen Hafen erkennen lässt. In dessen Mitte bewegen sich die durchweg authentisch gekleideten Komparsen der beheimateten Volksgruppen und verleihen damit dem Stück zusätzlich das Flair der großen, weiten Welt.
Vorbildliches Engagement und Spielleidenschaft
Das Ganze in insgesamt 23 unterschiedlichen Spielszenen, in der sich die von vorbildlichem Engagement geprägte Spielleidenschaft der tollen Darsteller Sonderpunkte verdient. Und damit haben sie eine ganze Menge zu tun. Treten sie doch sowohl als amerikanische Ureinwohner, Ägypter, Chinesen, Japaner und indische Volksgruppen vor das begeisterte Publikum. Eine bunte Mischung von Typen und Persönlichkeiten, die in kurzweiligen Handlungen agierend, immer wieder für kleine Überraschungen sorgen. Geschuldet ist dieses tolle Erlebnis dem hervorragenden Ensemble, das Kirsten Roscher wieder vom Schulkind bis zum Senior zur Verfügung steht. Weitere Vorstellungen finden am 20., 26. und 27. Juli, jeweils um 19:30 Uhr statt. TE
