Schauspieler der Mayener Burgfestspiele trafen ihre Sponsoren
Fröhlicher Abend im Zeichen des Abschieds
Mayen. Alljährlich nach Beginn der Festspielsaison mit dem Kinderstück und kurz vor der Premiere des ersten Hauptstücks laden die Stadt Mayen als Veranstalter und das Ensemble der Schauspieler ihre teilweise langjährigen Sponsoren ein. Mit einem Überraschungsprogramm, das kulinarisch in diesem Jahr vom Team Willy Wolf aus Welling bereichert wurde, wird dabei für Sach- und Geldspenden gedankt, die sich auf viele 100.000 Euro summieren. Allein mit den Eintrittsgeldern und einem von der Stadt Mayen bereitgestellten Betrag wäre die eine Million Euro nämlich nicht zu finanzieren, die jedes Jahr für die Ausrichtung der Festspiele nötig sind. Und auch für den Sponsorenempfang selbst finden sich immer wieder wohlwollende Gönner - wie in diesem Jahr das Autohaus Scherer, von dem mit Michael Lindhof, Michael Hüls und Rudi Giering die Führungsspitze anwesend war. Weitere Sponsoren des Abends waren die Rhodius Mineralquellen, die Geschäftsführer Rolf Hübner vertrat, sowie Judith Ellner und Frank Gondorf, die als Inhaber ihre Halle 129 mit dem gesamten Equipment wieder kostenlos zur Verfügung stellten. Unter den Gästen fanden sich zahlreiche prominente Namen und auch Landrat Dr. Alexander Saftig mit seiner Lebensgefährtin, wohl eher nicht als derzeitiger Wahlkämpfer.
Die Burgfestspiele haben die Stadt Mayen weit über die Großregion hinaus bekannt gemacht und mittlerweile sogar zu einem Aushängeschild für das Land Rheinland-Pfalz, zu dessen größten kulturfördernden Veranstaltungen die Spiele zählen und das als größter Einzelsponsor auftritt. Das Geld fließt in vier- bis sechsfacher Höhe jährlich durch die Gäste in die städtische Gastronomie sowie den Einzelhandel als Kaufkraft zurück. Das ist ein unschätzbarer Werbeeffekt für die Stadt, deren Eigenanteil seit vielen Jahren konstant bei 200.000 Euro liegt. In einem informierenden Vorgespräch des Abends sprach Oberbürgermeister Wolfgang Treis von „einem ganz besonderen Jahr der Festspiele“. Intendant Peter Nüesch zog die Stirn kraus, weil dies auf seinen Abschied nach zehn Jahren als Intendant gemünzt war. Nüesch beabsichtigt dennoch, die beste Spielzeit der vergangenen Jahre hinzulegen und sich dabei „etwas zu trauen, was sich noch niemand getraut hat“. In diesem Zusammenhang ging der Dank des Intendanten an den städtischen Kulturausschuss, der dies mitgetragen hat. Beim Stück Honigmond für die kleine Bühne werde derzeit mit Hochdruck an einer Zusatzvorstellung gearbeitet, weil die geplanten Vorstellungen bereits seit Wochen ausverkauft sind. Auch Dramaturgin Petra Schumacher, die in diesem Jahr auch in einer Bühnenrolle zu sehen sein wird, sprach von begeisternden Stücken. Zum besonders lustigen Kinderstück mit vielen bunten Kostümen hat sich Pinocchio entwickelt. Wie blind Liebe macht und welches Risiko eingegangen wird, wenn jemand einen ganz großen Traum hat, zeigt das Stück M. Butterfly mit seinem realen Hintergrund. Einen Riesenspaß verspricht Schumacher bei „Ewig jung“, weil eine Pointe die andere jage und viele bekannte Welthits gesungen werden. Vor der Begrüßung der Gäste dankte der Oberbürgermeister seinem Mitarbeiter Ralf Fuß, der die Festspiele verwaltungsseitig betreut und an diesem Abend trotz seines Geburtstags anwesend war. Zu dem obligatorischen Geburtstagsständchen hatte Treis den Schauspieler Werner Schwarz hinzugebeten, weil er selbst ja bekanntlich nicht singen kann. Vom Vorverkauf konnte Oberbürgermeister Treis nicht ganz so gute Zahlen darlegen wie im Vorjahr, was aber wohl weitgehend auf die damalige Sonderaktion der Kreissparkasse für das Kinderstück zurückzuführen ist.
Für den Zeitraum ab dem 11. Juni mit der Premiere von M. Butterfly versicherte Treis aber ausschließlich gutes Wetter, bei dem sich viele Mayener kurzfristig für einen Besuch der Festspiele entscheiden und so die magische Grenze von 30.000 Besuchern erneut geknackt werden könne. Damit und den bisher gut 305.000 Besuchern habe Nüesch eine beeindruckende Bilanz seines Wirkens aufzuweisen. Der Erfolg „fuße“ auf vielen Säulen, versicherte der Stadtchef und verwies auf die umfassenden und weit reichenden Werbemaßnamen sowie das Engagement des 50-köpfigen Ensembles vom Intendanten über die Näherin bis hin zur Einlasskontrolle.
Auch Intendant Nüesch hatte „ein bisschen was vorbereitet“, um das Geld zu erhaschen, das die Sponsoren besäßen und die Schauspieler brauchen. Obwohl er noch Intendant und bald auch wieder auf der Bühne zu bewundern sei, beklagte sich Nüesch schon über täglich bis zu zehn Leute, die sich Tränen überströmt von ihm verabschiedeten und ihn nach seinen Zukunftsabsichten fragten. Da wolle er möglicherweise den Oberbürgermeister im Rathaus ablösen und präsentierte dazu schon eine geeignete Liste von Stadtratsmitgliedern.
Der „mit heißer Leidenschaft“ als Intendant Gestartete versicherte zwar, inzwischen „nur noch warm“ zu sein, zeigte sich aber gegenüber der städtischen Politik weiterhin bissig. Weil er niemand sei, der geeignet ist, Abschiedsreden zu halten, versicherte der scheidende Intendant abschließend, dass er mit vielen Sponsoren befreundet bleiben werde.
Tiefsinnige Rede
Im Anschluss an die tiefsinnige Rede startete, gekonnt durch Theatermann Nüesch moderiert und auch schauspielerisch unterstützt, ein tolles Überraschungsprogramm des Ensembles zur Einstimmung auf die Festspielsaison. Mit einer weitgehend frei improvisierten zwanglosen Abfolge gesanglicher Beiträge sowie Sketchen und Spielszenen gestaltete das Ensemble erneut ein gemütliches Beisammensein für die Sponsoren, bevor Schumacher zum Mikrofon griff und einen Blick warf auf die vergangenen zehn Jahre. „Die Ostzone geht ja echt weit“ war Schumachers erster Eindruck, bevor sie damals Mayen erreichte und lange Zeit in der Stadt mit „Frau Nüesch“ angesprochen wurde. Dies sei für sie persönlich eine der schlimmsten Spielzeiten, „weil Peter geht“, gestand Frau Schumacher. WE
An Elke Marleen Schumacher entdeckte Intendant Peter Nüesch ganz zufällig neue künstlerische Talente. Seine Regieassistentin ist auch eine ganz ausgezeichnete Sängerin.
Der kleine Italiener Luigi alias Luna Metzroth mit seinem Schauspiel-Bunny.
Die „Ewig jung“-Männer (von links) Holger Queck, Werner Schwarz, Lorenz Schirren und Georg Lorenz glänzten mit „Born to be wild“.
Petra Schumacher verabschiedete mit bewegenden Worten ihren Mentor Peter Nüesch als Intendant bei seinem zehnten und letzten Sponsorenempfang.
