Naturschutzgarten Niederwerth
Fünfjähriges Bestehen gefeiert
Niederwerth. Das Konzept „Naturschutzgarten Niederwerth“ gibt es seit fünf Jahren. Wer als Spaziergänger auf der Insel seine Runde Richtung Fußballplatz geht, kann den Garten, 400m hinter der Sankt Georgskirche gut erkennen. Blickdichte Röhrichtgürtel aus Chinaschilf bilden die Umrandung des Gartens und bieten seltenen Vogelarten eine willkommene Abschirmung vor menschlichem Trubel. Das Grundstück befindet sich in Privatbesitz und ist nicht öffentlich. Wer sich für die Tier- und Pflanzenwelt des Gartens interessiert, kann sich außerhalb der Brut- und Zugzeit für eine Führung durch das Grundstück unter der Mail stefan.krumme@freenet.de anmelden. Ziel des Naturschutzgartens ist es, möglichst vielen selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten mit den verschiedensten Biotoptypen einen Lebensraum zu bieten und somit einen strukturreichen Gegenpol inmitten der üblichen, eher monoton gestalteten Landbewirtschaftung zu schaffen. Die Idee von Prof. Berthold „Jedem Dorf seinen Weiher“ hat man erfolgreich mit Permakultur verbunden. Hier wird – so zu sagen „zwischendrin“ – auf teils sehr kleinräumigen Flächen (und ziemlich steinzeitmäßig) nach biologischen Grundsätzen Gemüse und Obst für den Eigenbedarf angebaut.
Naturschutz-Projekte ergeben sich aus Nachweisen besonders seltener Tiere (hohe Einstufung in der Roten Liste) und den Möglichkeiten, sie mit der praktischen Umsetzung innovativer Hilfsmaßnahmen zu fördern. Dazu gehört u.a. auch der Bau einer künstlichen Lehmwand als Brutplatz für den Eisvogel. In den Nutzpflanzungsbereichen sind Schutz- und Sicherungsvorkehrungen für die „fallenden“ Raupen des Segelfalters in eigens bereitgestellte „Puppenwiegen“ notwendig geworden. Die schon von Weitem sichtbare Randbepflanzung durch Hochgräser wurde gezielt zum Schutz der seltenen Zwergmaus angelegt. Mittlerweile hat sich hier eine eigene, das Röhricht bewohnende Artengemeinschaft gebildet. Nach wiederholter Beobachtung rastender Bekassinen im Naturschutzgarten hat man sich auch ganz speziell um diese, in Rheinland- Pfalz, als Brutvogel bereits ausgestorbene Art (!) gekümmert. Eine auch für Kinder erfahrbare Ausstellung und eine eigene Schrift zum Thema „Das Aussterben der Bekassine“ ist abrufbar. Die Schaffung vieler flacher Teiche (Pfützen) wurde schließlich zu einem überaus erfolgreichen Großprojekt.
Auch andere, teils sehr selten gewordene Tiere haben mittlerweile in diesem privaten Naturschutzgarten einen (selbstgewählten) Lebensraum und Rastplatz gefunden: die Wiesenschafsstelze, der Neuntöter, die Waldschnepfe, das vom Aussterben bedrohte Braunkehlchen, der fast ausgestorbene Wendehals, das Blaukehlchen, der Eisvogel, Hirschkäfer, der Schwalbenschwanz konnten wiederholt mit Fotos dokumentiert werden. Der vom Aussterben bedrohte Segelfalter vermehrt sich seit 2020 sehr erfolgreich bei uns. Für die seltene Wassernuss und dem Schwimmfarn existiert eine Erhaltungskultur.
Es wurde eine umfangreiche Dokumentationsmappe über die biologische Vielfalt im „Naturschutzgarten Niederwerth“ zusammengetragen. Dieses gewichtige Archiv besteht aus einer Fülle wichtiger Tierfotos, die seit 2018 im Garten aufgenommen wurden und aus selbstverfassten Zeitungstexten zu bemerkenswerten Nachweisen und Projekten.
Aus dieser hauseigenen Dokumentation wurden die besonders seltenen oder herausragenden Tierarten des Naturschutzgartens zusammengefasst und stellen sie aktuell in einer Festschrift zum 5-jährigen Bestehen vor. Für eine eigene Ausstellung zum Naturschutzgarten Niederwerth sucht der Verein für eine Präsentation aktuell öffentlich zugängliche Räumlichkeiten.BA
Und so hat der Naturschutzgarten Niederwerth noch vor 5 Jahren ausgesehen. Heute ist es auf „der Insel“ eine „Insel der Artenvielfalt“ und Herberge vieler seltener Tierarten.
Eine von 5 Hirschkäferlarven! Es wurde einfach ein abgestorbener Stamm eines Apfelbaumes von der Vallendarer Grünschnittdeponie geholt und ihn - als Insektenhotel -wieder aufrecht stehend „gepflanzt“. Zur großen Überraschung hatte wohl zuvor ein Hirschkäfer genau in diesen Stamm auch seine Eier gelegt. „Jetzt dürfen sie sich hier- nach fast 8 -jähriger Entwicklungszeit – selbst zu Riesenkäfern entwickeln!“
Eine Sensation: Eine Bekassine stochert in einem eigens für sie angelegten Flachwasserteich nach Nahrung. Bekassinen sind seit 10 Jahren in Rheinland- Pfalz als Brutvogel ausgestorben. Noch keine drei Wochen vor dieser Aufnahme hatte der Präsident der Struktur- und Genehmigungsbehörde, Uwe Hüser gegenüber dem Südwestfunk behautet „das Grundstück sei für die Bekassine nicht groß genug.“ „Die Anwesenheit dieser ornithologischen Kostbarkeit am 30. März 2021 zeigt aber eindeutig, dass sich die Behörde mit ihrer Annahme geirrt hat.“
