Neuwieder Pfadfinder besuchen ihr soziales Projekt in Kenia
Für vier Pfadfinder ist Entwicklungshilfe kein Fremdwort mehr
Neuwied. „20 Pfadfinder aus Deutschland – so viele Besucher aus dem Ausland hatten wir noch nie an dieser Schule“, sagt Schulleiterin Eunice Atieno Owino strahlend. Sie leitet die Ragumo Primary School in Kisumu im Westen Kenias. Die zwanzig Gäste zwischen 15 und 24 Jahren, die an diesem Oktobermorgen vor den kenianischen Schülern aufgereiht sitzen, kommen vom Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP). Mit dabei waren auch vier Mitglieder vom Stamm Pilgrim Falkoni und Stamm der Piraten aus Neuwied.
Nach Madam Owinos Begrüßung sind die Schüler an der Reihe: Sie singen, tanzen, halten Reden und führen sogar eine Modenschau auf. Das alles, weil die Pfadfinder aus dem fernen Deutschland dafür sorgen, dass die Schüler jeden Tag eine warme Mahlzeit bekommen. In Kisumu ist das eine dringend benötigte Hilfe, da viele Kinder sonst die Schule schwänzen müssten, um Geld fürs Essen ihrer Familie zu verdienen.
Seit 2010 unterhält der BdP Landesverband Rheinland-Pfalz/Saar ein soziales Projekt für Menschen in Kenia. Auch die Neuwieder BdP-Stämme sammeln regelmäßig Geld, zum Beispiel mit Singen in der Fußgängerzone. „An einem Wochenende konnten wir so mehr als 1.000 Euro für die gute Sache verdienen. Von dem Geld kann in Kenia schon eine Grundschule ein ganzes Jahr lang die tägliche Schulspeisung finanzieren“, berichtet Gruppenleiterin Johanna Schäfer vom Stamm Pilgrim Falkoni über den Einsatz der Neuwieder Pfadfinder.
Die Pfadfinder arbeiten mit der kleinen kenianischen Nichtregierungsorganisation „WONESU“ zusammen. Deren Mitarbeiter investieren das Geld vor Ort in ein Landwirtschaftsprojekt – hauptsächlich jedoch in die Schulspeisungen, die jeden Tag an sechs Schulen ausgegeben werden und dort insgesamt rund 3.000 Mägen füllen.
Schulspeisung für etwa 3.000 Schüler
„Durch die Schulspeisung hat sich die Schülerzahl an den Schulen verdoppelt.“, berichtet Carla Schlenzig vom Stamm der Piraten. Pro Schüler entstehen Kosten von nur zwei Euro für ein ganzes Jahr. „Die Kosten sind für europäische Verhältnisse lächerlich gering, und gleichzeitig ist der Ertrag so hoch“, sagt Carla Schlenzig. Bei ihrem Engagement sei den Pfadfindern grundsätzlich wichtig, keine Anordnungen von Deutschland aus zu geben, sondern den kenianischen Partnern vor Ort die Verantwortung zu überlassen: “Wir haben vor Ort gesehen, wie gut das funktioniert und wie gewissenhaft und sorgfältig alle arbeiten.„
„Natürlich hat eine solche Fahrt auch touristische Elemente. Wenn man schon mal in Kenia ist, möchte man auch auf einer Safari die Naturschönheiten des Landes bewundern“, erzählt Marieke Leimpeters noch ganz begeistert. Auch ein Besuch am Grab von Robert Baden-Powell, dem Gründer internationalen Pfadfinderbewegung, in Nyeri durfte nicht fehlen. Der unumstrittene Höhepunkt war aber für alle Teilnehmer der fünftägige Besuch des sozialen Projekts in Kisumu. Ehrensache ist für die Pfadfinderinnen und Pfadfinder, dass kein Cent an Spendengeldern für die Reisekosten verwendet wurde.
Unterstützung eines Landwirtschaftsprojekts
Neben den Aktivitäten an den Schulen ist das zweite große Feld, das die Pfadfinder unterstützen, ein Landwirtschaftsprojekt. Mit der Unterstützung aus Deutschland hat die Organisation „WONESU“ ein Ziegenprojekt aufgebaut, in dem fünf Kleingruppen aus zehn bis fünfzehn Familien zusammenkommen. Insgesamt profitieren etwa 55 Familien von dem Programm. Gemeinsam züchten sie leistungsfähige Milchziegen, bauen Obst und Gemüse an. „Wir waren richtig begeistert vom riesigen Fortschritt, den wir vor Ort sehen konnten. In diesem Jahr sind Kartoffeln und Hühner neu dazugekommen, und eine Gruppe hat uns erzählt, dass sie nun auch Rinder züchten will“, berichtet Johanna Schäfer von der erfreulichen Entwicklung in Kisumu.
Was aber kann das Engagement der Pfadfinder langfristig bewirken? „Wir haben so viele arme Menschen gesehen. Da ist es schon bitter, dass wir nur so wenigen helfen können“, sagt der 19-jährige Sebastian Lück vom Stamm Pilgrim Falkoni. Um diese Fragen aufzuarbeiten, hatten sich die Pfadfinder kurz vor ihrem Rückflug in Nairobi mit einem Entwicklungshelfer der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (giz) getroffen. Am Ende stand für Sebastian Lück die Erkenntnis: „Für diejenigen, denen wir helfen können, macht unser Projekt einen riesigen Unterschied. Das motiviert uns sehr, uns noch mehr als bisher zu engagieren.“
Weitere Infos
Weitere Informationen und Reisetagebuch auf www.watoto-kabisa.de. Kontakt: Wiebke Spiess, Wiebke@watoto-kabisa.de
Spendenkonto: Förderverein Watoto Kabisa, IBAN: DE93 5405 0110 0000 5389 91, BIC: MALADE51KLS, Stadtsparkasse Kaiserslautern. Ab 50 Euro wird gerne eine Spendenquittung ausgestellt.
Vier Pfadfinder aus Neuwied haben Schulen in Kenia besucht, an denen es dank ihrer Hilfe täglich Essen gibt. Wegen der Schulspeisung besuchen die Kinder regelmäßig den Unterricht. Die Eigenverwaltung der kenianischen Partner funktioniert.
