Die römerzeitliche Grabanlage auf dem Marienköpfchen bei Oberzissen
Fundstücke aus einem Kindergrab
Ausstellung der Dauerleihgabe des Heimatforschers Gerd Otto im Niederzissener Rathaus
Niederzissen. Seit fast 50 Jahren legt der Heimatforscher Gerd Ott aus Wehr den Fokus seiner Aktivitäten auf die römische Geschichte in der Region. So veröffentlichte BLICK aktuell bereits zahlreiche, von ihm verfasste Berichte. Außerdem schrieb der fachkundige Autor ein Buch mit dem Titel: „Auf den Spuren der Römer in der Osteifel“.
Während Gerd Otto bereits einige private Funde, die er bei seinen vielen Exkursionen machte, u.a. auch der GDKE zu Ausstellungszwecken angeboten hatte, stieß er in einem Gespräch mit dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Brohltal, Johannes Bell über eine Dauerleihgabe von spektakulären Exponaten zu Ausstellungszwecken auf offene Ohren. Dabei handelt es sich um den Inhalt einer römerzeitlichen Grablege, die im Herbst 1973 auf dem Gipfel des Marienköpfchens entdeckt und geborgen worden war. Der Inhalt besteht aus einem gelbbraunen Krug, einer Schale in „Barbotinetechnik“, wenigen Nagelresten, dem Leichenbrand und einer schwarzgrauen Scherbe.
In einem weiteren Gedankenaustausch mit dem Heimatverein Oberzissen und Ortsbürgermeister Christof Bürger einigte man sich darauf, diesen ganz besonderen Fund aus dem Besitz des Wehrer Heimatforschers im Foyer des Rathauses in Niederzissen auszustellen. „Wir begrüßen es außerordentlich, dass uns diese bemerkenswerten Fundstücke von Herrn Otto als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurden und somit der Nachwelt erhalten bleiben“ sagte VG-Bürgermeister Johannes Bell kürzlich im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Foyer des Rathauses. Ortsbürgermeister Christof Bürger (Oberzissen), der gemeinsam mit seinem Beigeordneten Marcus Fronert vor Ort war, unterstrich: „Die Gemeinde Oberzissen ist geradezu überwältigt von den Grabfunden, die nunmehr hier im Niederzissener Rathaus in Augenschein genommen werden können. Nach Abklärung mit dem Grundstückseigentümer planen wir, die Fundstelle am Marienköpfchen entsprechend zu kennzeichnen. Außerdem sind wir derzeit mit der Planung von drei neuen Wanderwegen befasst, von denen einer direkt an der Fundstelle vorbei führen wird.“
Nach den Worten des Heimatforschers Gerd Otto waren um den Fundplatz herum (die Grabmulde) gewichtige Quarzitblöcke in auffälliger Weise ringförmig angeordnet. Zentral bedeckte ein relativ flacher Deckstein auf einer lehmigen Basis die Grabstelle. Nachdem die einheimischen Ausgräber Letzteren zur Seite geräumt hatten, war der Inhalt mit grobem Handwerkszeug geborgen worden, was zur erheblichen Zerstörung der gesamten Keramik führte. Seit 1973 sind u. a. durch Maßnahmen der Flurbereinigung, aber auch infolge privater Schatzgräberei bedauerliche Veränderungen in der Ortslage entstanden. „Als ein Faszinosum sei am Rand bemerkt, dass die deutlich wahrnehmbare Grabstelle seit der Römerzeit bis zu ihrer Aufdeckung 1973 ungestört erhalten geblieben war“, so Gerd Otto wörtlich. Weiter führte er aus: „Der Inhalt in seiner vorliegenden Form lässt an eine Kinderbestattung denken. Die kalzinierten Knochenreste ließen hier aber keine eindeutige Festlegung zu. Der Krug diente offensichtlich als Urne, die Schale war in der so genannten ‚Pseudosigillata‘ gefertigt worden, das heißt, hier war roter Ton mit einem glänzenden Überzug „engobiert“ worden, der zwar anteilig glatt erhalten, aber ansonsten überall abgeplatzt ist. Auffällig ist der schwarzgraue Scherben, der keinen Bezug zum restlichen Originalfund erkennen lässt. Auch aus der damaligen Anordnung der Quarzitsteine wurde die Hypothese gewagt, hier könnte es sich ursprünglich um eine zerstörte vorzeitliche Grabstelle gehandelt haben - dies muss aber leider unbewiesen bleiben. Die Nagelreste stammen möglicherweise von einer Holzkiste, in der Krug und Schale deponiert waren.“
Gerd Otto interpretierte den Fund mit den Worten: „Die Vorstellung, dass es sich hier um eine Kinderbestattung handeln könnte, wird durch gleichlautende Beispiele an anderen Orten unterstützt. Dass statt echter TS-Ware so genannte „Pseudosigillata“ vorliegt, unterstreicht der erwiesene Mangel an echter Terra sigillata bis in die dreißiger Jahre des 5. Jahrhunderts. Dies könnte somit für die Annahme sprechen, dass die Grabanlage in spätrömische Zeit zu datieren ist, möglicherweise auch eine Fertigung der Schale in Remagen (Rote Erde!), aber das muss leider auch unbewiesen bleiben.
Die in einer Glaspyramide präsentierten Fundstücke können von montags – freitags zu den üblichen Öffnungszeiten im Rathausfoyer besichtigt werden. FRE
