Feierstunde zum Volkstrauertag
Gedenken an die Opfer der Weltkriege
Meckenheim. Er hat eine lange Tradition, der heutige Volkstrauertag. Und diese war nicht nur rühmlich. Im Jahre 1922 wurde der Tag als Gedenktag für die Toten des Ersten Weltkrieges eingeführt und die Nazis machten ihn dann zum „Heldengedenktag“ und verlegten ihn in den März. Seit 1950 ist er ein feststehender Gedenktag zwei Wochen vor dem ersten Advent. Er ist Anlass der Kriegstoten sowie der Opfer von Gewalt zu gedenken und wird an vielen Orten entsprechend begangen.
Zurückschauen, Gedenken und Mahnen
In Meckenheim ist es gute Tradition, sich der Opfer auf dem Friedhof an der Bonner Straße zu erinnern. Bürgermeister Bert Spilles erinnerte in seiner Rede daran, dass Erinnerung oft stört, da sie das Unverständliche und auch das Böse enthält. Der Erinnerung auszuweichen wäre jedoch eine Flucht und eine Selbsttäuschung und auch die aktuellen Krisen dieser Welt lassen sich nur verstehen, wenn man sich der Ursachen in der Vergangenheit bewusst wird. Und das Gedenken ist in Meckenheim ganz konkret, denn am 3. und 5. März 1945 wurde die Stadt bombardiert und etwa 250 Menschen verloren dabei ihr Leben. Davon gehörten etwa 200 der Meckenheimer Bürgerschaft an, die übrigen waren Soldaten, Fremdarbeiter oder Kriegsgefangene. Der Friedhofswärter Johann Müller erinnerte sich, dass die geborgenen Toten am 11. März 1945 beerdigt wurden. Das Ehrengrab, an dem die jährlichen Gedenkfeier stattfindet, wurde dann 1952 eingeweiht und dient dem Zurückschauen, dem Gedenken und der Mahnung. Bert Spilles führte daher aus, dass man heute an die Opfer von Gewalt und Krieg denke. Man gedenke der Opfer, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren. Aber auch derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten oder Teil einer Minderheit waren. In das Gedenken eingeschlossen waren auch die Menschen die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Die Schüler der Theodor-Heuss-Realschule hatten bereits vor dem Gedenkakt den Friedhof mit Plakaten bestückt, die auf die universellen Menschenrechte hinwiesen. In mehreren Wortbeiträgen schilderten sie Berichte von Augenzeugen, welche den alltäglichen Gräuel der Nazis miterleben mussten. So auch die Geschichte von zwei US-Fliegern, die abstürzten und dann beerdigt werden sollten. Die örtliche Parteiführung rief dazu auf, bei der Beerdigung die Mistgabel zu benutzten und ein christliches Begräbnis sollte ihnen verweigert werden. Dem Pfarrer, der das Grab segnete, machten die Nazis Ärger und verhörten ihn. Die gleichen Nazis mussten dann Monate später Hand anlegen zur Umbestattung, da die Leichen dann in die USA transportiert wurden und zur letzten Ruhe gebettet wurden. Umrahmt vom Gospelchor „Good News“ und Rene Gentzsch auf der Trompete war der Gedenkakt eine sehr würdevolle, bewegende und nachdenklich stimmende Veranstaltung. Abgerundet wurde der Gedenkakt von der Niederlegung eines Kranzes durch Bürgermeister Bert Spilles für die Stadt Meckenheim sowie der Bundesministerin der Verteidigung, welche durch eine Ehrenformation der Reservistenvereinigung vertreten wurde.
STF
