Projekttag der Schönstätter-Marienschule zur Erinnerung an die Reichspogromnacht
Gedenken an die jüdischen Opfer in Vallendar
Vallendar. Vor 85 Jahren zerstörten die Nationalsozialisten in ganz Deutschland die Gotteshäuser der jüdischen Bevölkerung, trieben Juden zusammen, misshandelten sie, plünderten ihre Wohnungen. Auch in Vallendar gab es kaum Widerstand gegen diese Gewalt an den Juden, die bis dahin sowohl im Vereinsleben integriert waren als auch am wirtschaftlichen Wohlstand der Stadt teilhatten. Auch im nachbarschaftlichen Sozialgefüge war bis dahin ein gutes Zusammenleben möglich.
Doch diese Gräueltaten waren nur der Anfang eines beispiellosen systematischen Mordes am jüdischen Volk, der millionenfach in den Konzentrationslagern Auschwitz, Dachau, Buchenwald, Bergen-Belsen, Treblinka, Ravensbrück, Sobibor und vielen anderen endete.
Um uns immer wieder daran zu erinnern, dass sich so etwas nicht wiederholen darf, wird jedes Jahr am Mahnmal oberhalb der Pfarrkirche der 99 ermordeten Juden gedacht, die allein in Vallendar gewaltsam ihr Leben verloren. Viele Jugendliche fragen sich heute, warum dieses Gedenken so wichtig ist, warum es jedes Jahr wiederholt wird.
Die 45 Schülerinnen der 10a und b haben sich mit dieser Frage und den Themen Antisemitismus, Pogrom, Stolpersteine, jüdische Geschichte und Kultur in Deutschland auseinandergesetzt und diese ganz konkret mit der Geschichte Vallendars verknüpft.
Nach den Gruppenarbeiten und einem Falafel-Hummus-Imbiss gingen wir gemeinsam zur ehemaligen Synagoge in der Eulergasse, wo wir mit zwei Anwohnerinnen, Frau Kukies und Frau Nowak-Ergül, sprechen konnten, deren Vater ein KZ in Polen überlebt und nur mit schweren psychischen Traumata überlebt hat. Diese Begegnung war sehr berührend, da sie den Schülerinnen Mut machte, nicht wegzuschauen, sondern für Gerechtigkeit einzutreten, wo immer die Menschenwürde mit Füßen getreten wird.
Anschließend wurde an den Stolpersteinen am Rathausplatz der ermordeten Familien gedacht und der jüdische Friedhof in der Kirchstraße besucht, wo das Kaddisch, das Totengebet, gebetet wurde. Die gemeinsame Veranstaltung der katholischen und evangelischen Kirche mit dem Oberbürgermeister und Vertretern der demokratischen Parteien und Mitbürgern der Stadt bildete den Schlusspunkt. Auch die Jugendlichen der integrativen Konrad Adenauer Realschule+ hatten sich Gedanken zu diesem besonderen Tag gemacht und trugen sie vor. Gemeinsam stellten alle die 99 brennenden Kerzen zu den Namen am Mahnmal auf.
Ein intensiver und bewegender Tag zu einem wichtigen Teil unserer Geschichte. Dieses Wissen lässt die Verbundenheit Deutschlands mit dem jüdischen Volk besser verstehen. BA
