Allgemeine Berichte | 29.11.2022

Zwischen Wachtbergring und Burg Odenhausen soll ein Mischgebiet für weitere Gewerbeansiedlungen und ein Wohngebiet für mehr als 100 Wohneinheiten entstehen

Gefährdet das geplante Wohngebiet den Bestand der Burg Odenhausen?

Planer müssen noch einmal nachbessern

Wachtberg-Berkum. Der majestätische Drache „Godart von Wachtberg“ wird von seinem Standort am Wachtberg-Kreisel voraussichtlich nicht mehr allzu lange auf die weit unter ihm liegende Burg Odenhausen blicken können. Denn zwischen den beiden Wahrzeichen des Drachenfelser Ländchens soll in absehbarer Zeit nicht nur ein Baugebiet mit mehr als 100 Wohneinheiten entstehen, sondern gleich hinter der Marktscheune auch noch ein kleines Mischgebiet mit weiteren Gewerbeansiedlungen. Wie zumindest das Wohnquartier „Brunnengarten“ aussehen könnte, stellten Projektentwicklerin Thalia Borgs von der Dornieden-Gruppe (Monheim am Rhein) und Stadtplaner Ulrich Göhre vom Planungsbüro ISR jetzt dem Wachtberger Planungsausschuss vor. Das Gremium war allerdings noch nicht gänzlich zufrieden mit dem Entwurf und bat noch einmal um eine Überarbeitung.

Einstimmig beschlossen wurde allerdings das Aufstellen eines entsprechenden Bebauungsplanes, während der Abschluss eines städtebaulichen Vertrages zwischen der Gemeinde Wachtberg und der Dornieden Gruppe als künftiger Eigentümerin des insgesamt 6,2 Hektar großen Areals von drei Ausschussmitgliedern abgelehnt wurde.

1,2 Hektar dienen als Ausgleichfläche

Bereits im vergangenen Jahr sei das Projekt angestoßen worden, erinnerte der Beigeordnete Swen Christian an die Vorgeschichte. Nach zahlreichen Abstimmungsrunden zwischen Verwaltung und Investor liege nun ein erster konkreter Planentwurf für das Quartier vor. Dabei sei nicht nur die verkehrliche Erschließung und die Verpflichtung, 20 Prozent geförderten Wohnungsbau bereitzustellen, sondern auch die Belange der benachbarten Wasserburg Odenhausen berücksichtigt worden. Etwa die Hälfte des 6,2 Hektar großen Areals sollen demnach als reines Wohngebiet entwickelt werden, auf 1,5 Hektar soll ein Mischgebiet entstehen, in dem sich weitere Gewerbebetriebe niederlassen sollen. Weitere 1,2 Hektar dienen als Ausgleichsfläche. Christian sieht den Planentwurf als guten Kompromiss, der alle Belange berücksichtige.

Das Gebiet soll von der Kreisstraße aus mit einem ovalen Ring erschlossen werden, erläuterte Stadtplaner Göhre. So werde vermieden, dass eine „Rennstrecke“ durch das Quartier entstehe. Ohnehin soll dem Fuß- und Radverkehr der Vorzug vor dem Kraftfahrzeugverkehr gegeben werden. Nicht nur deshalb, sondern auch zugunsten mehrerer Bäume, sollen ein Teil der eigentlich aufgrund der Stellplatzsatzung vorgeschriebenen Stellplätze wegfallen. Was den Ausschuss allerdings nicht wirklich überzeugte. Die Erfahrung aus anderen Wohngebieten zeige, dass ohne ausreichende Stellplätze bald das ganze Wohngebiet zugeparkt werde.

Sichtachsen sollen erhalten bleiben

Die Sichtachsen zum Siebengebirge und zur Burg Odenhausen blieben dank einer parallelen Anordnung der Häuser erhalten, ergänzte Borgs. Geplant seien acht Einfamilienhäuser, 36 Doppelhaushälften, 28 Reihenhäuser sowie zwei Mehrfamilienhäuser mit jeweils 16 Wohneinheiten, mithin insgesamt 104 Wohneinheiten. Und das auf einer durchaus abschüssigen Fläche, denn das Gefälle vom Wachtbergring zur Burg betrage über zehn Meter. Auf eine nachhaltige Energieversorgung werde Wert gelegt, deshalb soll das Quartier mit einer auf Geothermie basierenden Energiezentrale mit einem Niedrigtemperaturnetz versorgt werden.

„Wir wollen auf jeden Fall weg vom Gas“, so Borgs. Sämtliche Flachdächer sollen mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet und zudem begrünt werden, außerdem werde auch an eine Fassadenbegrünung gedacht, zumindest bei den Mehrfamilienhäusern. Die Bepflanzung werde klimaresilient sein, die Garten würden mit Zisternen bewässert und am unteren Ende des Baugebietes soll ein großes Regenrückhaltebecken Hochwasserschutz für die Unterlieger bieten.

Geteilter Meinung war der Ausschuss zu dem Projekt. In jedem Fall sollen die Pläne aber noch einmal überarbeitet werden, war die einhellige Meinung. Oliver Henkel (Grüne) betonte, eine solche einmalige Chance, alles richtig zu machen, gebe es wohl auf absehbare Zeit nicht mehr in Wachtberg. Deshalb sollen viel mehr alternative Wohnformen zum Zuge kommen, etwa für Senioren, die noch rüstig seien, sich aber hinsichtlich ihres Wohnraums verkleinern wollen. Damit würden dann wieder bezahlbare Einfamilienhäuser für junge Familien frei, hofft er.

Wassergraben der Burg könnte trocken fallen

Nur mit dem Kopf schütteln konnte hingegen Ulf Hausmanns (Unser Wachtberg), denn eigentlich dürfe auf diesem Gelände überhaupt nicht gebaut werden, weil sonst der Bestand der benachbarten Burg Odenhausen stark gefährdet sei. Deren Wassergraben würde durch Quellen und Drainagen aus dem Plangebiet gespeist, wodurch die Stabilität der Burg gewährleistet werde. Bereits 2012 habe Dr. Harald Herzog vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland in einem Gutachten die Bebauung des Areals als „höchst bedenklich“ angesehen, denn das Baudenkmal Burg Odenhausen könnte durch den Wegfall des hydraulischen Gleichgewichts in seinem Bestand gefährdet werden. Hausmanns plädierte dafür, die Planung sofort einzustellen, um nicht noch weitere Kosten für Gemeinde und Bauherrn zu verursachen, wenn am Ende herauskomme, dass dort überhaupt nicht gebaut werden dürfe.

Das sah Christian anders und erinnerte daran, dass diese Einschätzung des LVR damals schon die Aufstellung des Flächennutzungsplans nicht verhindert habe. Allerdings müssten solche und noch viele andere Fragen im Verlauf des Bebauungsplanverfahrens geklärt werden, möglicherweise notwendige Änderungen könnten dann immer noch eingearbeitet werden. Tobias Teichner (CDU) vermisste ebenfalls weitere alternative Wohnformen und plädierte zudem für eine zangenförmige Erschließung: „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen!“

JOST

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