Allgemeine Berichte | 28.06.2017

150 Jahre Kolping in Meckenheim mit Festakt gefeiert

Gegen das Bedenkenträgertum

Mit einer Urkunde ehrte der Diözesanverband die Meckenheimer Kolpingsfamilie.-StF-

Meckenheim. Es wäre das Ereignis des Jahres in Meckenheim gewesen, wenn nicht gleichzeitig an diesem Wochenende auch das neue Rathaus eingeweiht worden wäre. 150 Jahre Kolpingsfamilie in Meckenheim, das war mehr als ein Grund, zurückzuschauen, aber auch in einem Festakt einen Blick in die Zukunft zu gewähren.

Gefeiert wurde zunächst in einem Festgottesdienst unter der Leitung von Bundespräses Josef Holzkotte, der Ehrenpräses Albrecht Tewes und Präses Dr. Reinhold Malcherek als Mitzelebranten am Altar begrüßen konnte. Und es war doppelter Grund zum Feiern, denn Meckenheim hatte ebenfalls das Patronizium zu feiern, war doch gleichzeitig der Gedenktag für den Namenspatron der Kirche, den Heiligen Johannes der Täufer, an diesem Sonntag.

Sehr nahe bei den Menschen zeigte sich dann Josef Holzkotte in seiner Predigt. Er arbeitete den Unterschied zwischen einem Star und einem Heiligen heraus. Der Star braucht künstliches Licht, damit er strahlen kann, während der Heilige im Licht Gottes strahlt. Und im Unterschied zu Stars sind die Heiligen keine Unterhaltungskünstler, sie zerstreuen nicht, sie konzentrieren.

In diesem Sinne sei Adolph Kolping ein wahrer Heiliger gewesen, auch als Seliger, so der Präses.

Und er forderte auf, sich als Christ aktiv in die Gemeinschaft und die Welt einzubringen, dem Netzwerk der Gewalt müsse man als Christ ein Netzwerk der Versöhnung entgegenstellen. Immer wieder ging auf das Lebenswerk Kolpings ein, der als Schumacher gearbeitet hatte, und forderte die Gläubigen auf, sich die Schuhe von Kolping anzuziehen, auch wenn das keine Siebenmeilenstiefel seien, sondern vor allem kleine Schritte bedeute.

Mehr Bannerträger gefordert

Dabei ist jeder aufgefordert, und Holzkotte spitzte den Inhalt der Predigt ganz klar zu, indem er formulierte: „Wir brauchen weniger Bedenkenträger, mehr Bannerträger.“ Das konnte zurecht auch als Appell an die eigene Bequemlichkeit gesehen werden; Kirche funktioniert nur, wenn alle mitmachen und jeder seinen Beitrag leistet.

Für das Leitungsteam der Kolpingfamilie Meckenheim gab es anschließend noch ein Ehrendiplom, womit sich auch die Diözesanleitung bei der örtlichen Kolpingfamilie bedankte. Im anschließenden Festakt im Schützenhaus lobte auch Bürgermeister Bert Spilles die Arbeit der Kolpingsfamilie. Dabei griff der Stadtchef vor allem das Engagement für Afrika auf. Wörtlich sagte Spilles: „Besonderen Zuspruch erfährt die Themenreihe ‚Meckenheimer Persönlichkeiten‘, durch die sie einen bedeutenden Anker für die gelebte Stadtgeschichte in Meckenheim werfen. Doch auch über die Stadtgrenzen hinaus bis hin nach Afrika ist die Kolpingsfamilie Meckenheim mit ihrem christlich geprägten, ehrenamtlichen Engagement aktiv und spürbar. Gerade mit Hilfsprojekten für Ghana unterstützen sie die Menschen vor Ort.“

Wie wichtig diese Hilfe der Meckenheimer ist, wurde auch im Vortrag von Dr. Markus Demele, Generalsekretär von Kolping International, unter dem Motto „Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen“ deutlich. Dass Kirche und katholisch vor allem auch viel Humor bedeuten, das machte Diakon Willibert Pauels in seinem von viel Beifall unterbrochenen Vortrag deutlich. Der ehemalige Büttenredner des Kölner Karnevals hat nichts von seinem Können verlernt, auch wenn er heute seltener auftritt. In diesem Moment war die Schützenhalle glatt der Gürzenich von Meckenheim.

Extrem viel Arbeit hatte sich Meckenheims Pfarrer Dr. Reinhold Malcherek im Vorfeld gemacht, hatte er doch die Aufgabe übernommen, über das Wirken von Kolping in und für Meckenheim zu referieren. Das bedeutete unzählige Tage im Archiv, wobei es sich lohnen sollte. Nachfolgend einige Auszüge:

Hohe Begeisterung von Anfang an

Bei der ersten feierlichen Aufnahme am 2. Februar 1868 traten 55 Gesellen und 41 Meister dem Verein bei. Am 18. Mai 1868 besuchte der Kölner Erzbischof Paulus Melchers anlässlich der Visitation den Gesellenverein in seinem Vereinslokal.

In der Zeit des Kulturkampfes von 1873 bis 1886 kam der katholische Gesellenverein infolge des Attentats auf den Reichskanzler Fürst Bismarck am 13. Juli 1873 in den Verdacht, „staatsgefährlich“ zu sein. Die Versammlungen wurden zeitweilig auch in Meckenheim polizeilich überwacht.

Das Kriegsende 1918 brachte erneut schwere Belastungen des Vereinslebens. Der Gesellenverein Meckenheim hatte zwar in den Jahren 1918 bis 1928 in Präses Vikar Stein, der auch das 60. Jubiläum gestaltete, eine kluge Leitung; aber die ungünstigen äußeren Einflüsse wirkten sich doch negativ aus.

Der Gesellenverein wusste sich in den ersten sechzig Jahren seines Bestehens ebenfalls sozialen Aufgaben verpflichtet. So gab er Hunderten von durchreisenden Kolpingbrüdern freies Nachtquartier und Verpflegung. Er kam dem bedrängten Papst Pius IX. mit einem ansehnlichen Peterspfennig zur Hilfe und unterstützte ebenso tatkräftig das Meckenheimer St.-Josefs-Krankenhaus. Zur Beschaffung neuer Glocken für die Pfarrkirche im Jahr 1920 steuerte die Kolpingfamilie 6.000 Mark bei. So erwies sich der Gesellenverein als eine tatkräftige Gemeinschaft für Pfarrgemeinde, Bürger und Stadt Meckenheim.

Nazis ließen Präses verhaften

Erstes Sturmzeichen war in dieser Zeit das jähe Ende des Internationalen Gesellentags in München 1933, an dem auch eine Meckenheimer Abordnung teilnahm. SA und SS sprengten diese Tagung. Auch die Meckenheimer kamen nur auf Umwegen wieder glücklich in ihre Heimat zurück. Es folgte das Theaterverbot für den Verein, das diesen sehr schmerzhaft traf, da die Kolpingsöhne begeisterte Anhänger des Laienspiels waren.

Ein weiterer Schlag war die Verhaftung des nächsten Präses, Vikar Dr. Molitor, durch die Gestapo, die dessen Tätigkeit in Meckenheim ein jähes Ende setzte. Vikar Siebels übernahm 1939 die Geschicke des Vereins und führte ihn zehn Jahre lang durch eine sehr schwere Zeit. Denn während der Kriegsjahre 1933 bis 1945 war alle Vereinsarbeit auf den kirchlichen Raum begrenzt. Die meisten Kolpingbrüder standen unter Waffen. Die 75-Jahr-Feier des Todestages von Adolph Kolping konnte ebenfalls nur in bescheidenem Rahmen durchgeführt werden. Das Vereinshaus wurde kurz vor Kriegsende im März 1945 vollständig durch Bomben zerstört. Der Gesellenverein Meckenheim verlor im Ersten Weltkrieg fünf Mitglieder und im Zweiten Weltkrieg 15 Mitglieder.

Von der Nachkriegszeit bis heute

Nach dem blutigen Inferno des Kriegsendes begann auch in Meckenheim der Neuaufbau und zugleich die Umbenennung in „Kolpingsfamilie“. Formell wurde sie im Dezember 1945 von den Altmitgliedern und dem Präses, Kaplan Siebels, neu gegründet.

Zur 100-Jahr-Feier war in der Zeit vom 17. bis 27. September 1967 eine Festwoche mit einem reichhaltigen Programm vorbereitet worden. Sie begann mit der Eröffnung der Handwerker- und Familienferienheime-Ausstellung, die guten Anklang fand. Es wurden etwa eintausend Besucher gezählt.

Unvergesslich bleibt neben einem Fußballspiel von Jung- gegen Altkolping das Freundschaftsspiel einer Meckenheimer Damenfußball-Mannschaft gegen den damaligen Deutschen Meister SC Bad Neuenahr. So viele Zuschauer wie an diesem Sonntag hatte man am Sportplatz wohl noch nie gesehen. Das Ergebnis (14:0) für den Deutschen Meister war zweitrangig; aber die Kolpingsfamilie hatte damit ihrer Heimatstadt und der Region ein echtes Highlight besonderer Art geboten.

Im Jahr 1974 übernahm Pfarrer Albrecht Tewes, der am 3. Februar 1974 als Pastor der Pfarrei St. Johannes der Täufer eingeführt wurde, das Amt des Präses der Kolpingsfamilie, das er – mit Unterbrechung – bis 2013 innehatte, also insgesamt 33 Jahre – ein einmaliger Rekord. „Präses Albrecht Tewes ist Schützenkönig“, so ging es im Juni 1985 durch Meckenheim. Ihm zu Ehren wurde das Kolpingbanner bei der Messe und beim Festumzug getragen.

Im Jahre 2008 konnte Altpfarrer Albrecht Tewes dafür gewonnen werden, sich erneut als Präses der Kolpingsfamilie zur Verfügung zu stellen. Wegen seiner großen Verdienste um die Kolpingsfamilie war er im Jahre 2013 von der Mitgliederversammlung offiziell zum Ehrenpräses der Kolpingsfamilie Meckenheim 1867 gewählt worden. Nach seiner Ernennung zum leitenden Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Meckenheim im Jahre 2013 übernahm Dr. Reinhold Malcherek die Präses-Funktion der Kolpingsfamilie, die er bis heute innehat.

In der Mitgliederversammlung 2014 entschied sich die Kolpingsfamilie für eine neue Leitungsstruktur. Statt eines Vorsitzenden teilt sich jetzt ein dreiköpfiges Leitungsteam die Führungsaufgaben: Karl-Heinz Koop (Sprecher), Karl-Heinz Tuschen (zugleich Schriftführer) und Manfred Rehbein (zugleich Kassierer).

Bisher ein Spendenvolumen von 30.000 Euro

An zweiter Stelle ist die Kirche auch Gemeinschaft des Handelns aus dem Glauben. Auch hier hat sich die Kolpingsfamilie Meckenheim dieser Aufgabe aktiv angeschlossen. Neben punktueller finanzieller Hilfe zum Beispiel für die Opfer des schweren Seebebens im Dezember 2005 und der Unterstützung der Pfarrcaritas in ihrem Bemühen um die Hilfe für Menschen auf der Flucht hat sich Kolping intensiv und nachhaltig für Menschen der Partnergemeinde St. Paul in Kumasi in Ghana eingesetzt. Insgesamt konnte bislang ein Spendenvolumen von etwa 30.000 Euro verzeichnet werden.

Das zeitlich begrenzte Projekt ist jetzt ausgelaufen. Sorgfältig wird eine neue Hilfsaktion ausgewählt, die ebenfalls eine große und unmittelbare Wirksamkeit für die Bevölkerung vor Ort entfalten soll. Nach derzeitigem Stand wird Kolping sich wieder auf Afrika und seine enormen Probleme fokussieren. Denn die Kolpingsfamilie Meckenheim fühlt sich dem Anliegen des Kardinals Rainer Maria Woelki verpflichtet, der beim Pfarrfest 2015 am Kolping-Stand eindringlich bat: „Vergesst mir bitte Afrika nicht!“

STF

Mit einer Urkunde ehrte der Diözesanverband die Meckenheimer Kolpingsfamilie.Fotos: -StF-

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