Pfarrer Werner Zupp will die Jugend in die Pflicht nehmen
Gegen das Vergessen: 30 Jahre Städtepartnerschaft Drom Hasharon
Neuwied. „Wir müssen uns erinnern, wozu Menschen in der Lage sind, damit sich das nicht wiederholt“, sagte Dr. Moti Delgo. Der Bezirksvorsitzende der Neuwieder Partnerstadt Drom Hasharon, unterstrich dass es Aufgabe sei, die Erinnerungen wachzuhalten. Besonders jetzt, wo auch die letzten Zeitzeugen sterben. Die Gründung Israels, die sich im nächsten Jahr zum siebzigsten Mal jährt, gehe zum größten Teil auf den Holocaust zurück. Pfarrer Werner Zupp steht vor der Herausforderung, dass der Deutsch-Israelische Freundeskreis ebenfalls kleiner wird. Der Vorsitzende kündigte an, den Schüleraustausch zwischen beiden Städten intensivieren zu wollen. Die Jugend sei das Fundament für eine bessere Welt. Außerdem hofft er auf neue engagierte und begeisterungsfähige Menschen im Freundeskreis. Anlass des Besuchs der neunköpfigen Delegation in Neuwied war das 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft. Gemeinsam mit Bürgermeister Jan Einig erneuerte Dr. Moti Delgo die Partnerschaftsurkunde und trug sich in das Goldene Buch der Stadt Neuwied ein. Pfarrer Werner Zupp dankte zahlreichen Persönlichkeiten, die die Partnerschaft lebendig gehalten und mit gefühlvollen Schritten weiterentwickelt haben. Dr. Moti Delgo rechnet den Neuwiedern hoch an, dass deren Delegation 2012 trotz Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen nicht vorzeitig abreiste. „Das ist ein Zeichen der starken Allianz, die sich in 30 Jahren gebildet hat“, so der Bezirksvorsitzende. Die Festrede des Abends hielt Bürgermeister Jan Einig und irgendwie schwebte auch der Geist von Nikolaus Roth im Saal des Heimathauses. Der zukünftige Oberbürgermeister erinnerte mehrfach daran, dass Städtepartnerschaften für seinen Amtsvorgänger eine Herzensangelegenheit gewesen seien. „Er sah darin wichtige Schritte zur internationalen Verständigung. Der Dialog und Austausch zwischen den Menschen unterschiedlicher Kulturen lagen ihm am Herzen und zwar innerhalb unserer Stadt ebenso wie über Grenzen hinweg“. Zuletzt war Nikolaus Roth zusammen mit einer Neuwieder Delegation im Mai in Israel und feierte dort das 30-jährige Bestehen. Jan Einig zitierte aus der Partnerschaftsurkunde: „Im Wissen um Unterschiede bekennen wir uns zu dieser Partnerschaft. Sie soll einen wichtigen Beitrag zur Aussöhnung zwischen dem jüdischen und deutschen Volk leisten“. Der Bürgermeister zeigte sich überzeugt, dass Aussöhnung nicht auf dem Papier gelingt. Sie müsse gelebt werden. Am besten in Städtepartnerschaften, die von persönlichen Begegnungen, vom Dialog und vom Austausch leben. Für den Bürgermeister sind die Ereignisse von vor 5 Jahren ebenfalls einschneidend. „Es war ein Besuch unter schwierigen Bedingungen. Ein Besuch, bei dem unsere Delegation die kriegerischen Konfliktsituation unserer Freunde und Partner hautnah erlebte und ein Besuch, der uns die persönlichen Begegnungen besonders intensiv spüren ließ“. Den runden Geburtstag der Städtepartnerschaft nahm Jan Einig zum Anlass, auf die Entstehung zurück zu blicken. Sie fiel in eine Zeit, die Dr. Monti Delgo als eine Phase der Annäherung beider Länder bezeichnete. Während die ersten Jahre nach der Staatsgründung noch von Anspannung gezeichnet waren, sorgten mehr und mehr Städtepartnerschaften für Freundschaft und Verständigung. „Wir sind stolz, dass unsere Partnerschaft ein starkes und positives Signal der Völkerverständigung aussendet. Sie zeigt, wie durch zwischenmenschliche Beziehungen, Verständigung, Versöhnung und Frieden, gelebt werden können“. Die Neuwieder Freundschaft hat ihre Wurzeln vor 50 Jahren. Damals begegneten sich David Faran-Frankfurter und der IG Metall Bevollmächtigte und ehrenamtliche Neuwieder Bürgermeister Robert Collet. Sie vertieften ihren Kontakt und rund zehn Jahre später veranstaltete die VHS erstmals eine Deutsch-Israelische Woche. Das war sozusagen die Initialzündung. Denn schon im darauf folgenden Jahr wurde der Deutsch-Israelische Freundeskreis gegründet. Weitere drei Jahre später organisierten die VHS und der Freundeskreis den ersten Jugendaustausch. 1984 stimmte der Neuwieder Stadtrat für die Städtepartnerschaft. Drei Jahre später wurde sie in Israel besiegelt. Abschließend unterstrich Jan Einig, dass die Städtepartnerschaft angesichts eines beklagenswerten Erstarkens radikaler Kräfte in der Welt mit klar antizionistischen und antisemitischen Ausrichtungen, den Blick in die Zukunft richten muss. „Wir stellen uns Rassismus, Antisemitismus und den Feinden unserer offenen Gesellschaft entgegen“, so Jan Einig. Zum Festakt anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft waren ehemalige Stadtvorstände, Stadtratsmitglieder und natürlich alle, die sich um den Austausch verdient gemacht haben, eingeladen. Der Jazz! Chor Neuwied und Klezmore, mit jüdischer Klezmer-Musik, hatten die Ehre, die Festveranstaltung musikalisch zu umrahmen. FF
Bürgermeister Jan Einig und Bezirksvorsitzender Dr. Moti Delgo unterzeichnen die Partnerschaftsurkunde.
