Thorsten Müller, Verbandsdirektor des Zweckverband SchienenPersonenNahVerkehr (SPNV), bezieht Stellung
Gelingt die Elektrifizierung der Ahrtalbahnstrecke?
Konkrete Bestrebungen für Reaktivierung der Eifelquerbahn
Altenahr. Die Fernverbindungen am und vom Bahnhof Remagen wurden innerhalb der letzten zehn Jahre, Stück für Stück, um rund 50 Prozent „ausgedünnt.“ Für den Fernverkehr trage, so Thorsten Müller, die Deutsche Bahn selber die Verantwortung. Fahrten eines weiteren Anbieters seien Ende 2019 kurzfristig wieder storniert worden. Mit dem Kauf neuer Fahrzeuge im Fernverkehr ändere sich auch im Rheintal das Zugmaterial. Seit Dezember 2019 verkehrten deswegen auch wieder mehr klassische ICE-Wagen in Remagen. „Wie sich genau der Fernverkehr für Remagen in der Zukunft entwickelt, ist Gegenstand des Deutschland-Takts und der DB Fernverkehr, und kann nicht durch den SPNV-Nord beeinflusst werden,“ so Müller hierzu abschließend.
Wie bereits bei einer früheren Anfrage bestätigt, wurde das „ServicePoint-Häuschen“ zwischen Gleis zwei und drei von der Deutschen Bahn mittlerweile wieder aufgebaut. Dieses Personal ist nicht nur wichtig für Menschen mit Beeinträchtigungen, Kinderwagen, Rollstühlen und Rollatoren. Auch für die Fahrgäste gibt es damit einen zuverlässigen Ansprechpartner, zumal die automatischen Ansagen sehr oft zu wünschen übrig lassen. Damit auch zukünftig in Remagen mehr Personal als an vergleichbaren Stationen eingesetzt werden könne, sei eine fortführende Vereinbarung mit DB Station und Service im Gespräch. „Vielleicht lässt sich so ein Modell ja auch an anderen Stationen noch realisieren,“ hofft Thorsten Müller.
DB-ReiseCenter in Remagen und Bad Neuenahr
Die beiden DB-ReiseCenter in den Bahnhöfen Remagen und Bad Neuenahr genießen einen sehr guten Ruf. Der Bestand dieser beiden Service-Stellen ist über einen Vertrag bis Dezember 2023 gesichert. Thorsten Müller: „Damit es danach auch mit ausgebildetem Fachpersonal weiter geht, hat die Verbandsversammlung des SPNV-Nord schon eine Neuausschreibung dieser Vertriebsdienstleistungen beschlossen.
Am Bahnhof Walporzheim wurden bereits vor etlichen Jahren das zweite Gleis sowie eine zugehörige Weiche entfernt. Für Taktverbesserungen auf der Ahrtalbahnstrecke wäre es daher sinnvoll, diesen Eingriff wieder rückgängig zu machen. Hierzu hatte der Kreistag Ahrweiler im Herbst 2019 einen Prüfauftrag beschlossen. Für Thorsten Müller „wäre dies eine sinnvolle Maßnahme im Zusammenhang mit dem geplanten Elektronischen Stellwerk (ESTW).“
Elektrifizierung und alternative Antriebsformen
Bedenken, insbesondere durch das Grünen-Kreistagsmitglied Wolfgang Schlagwein, dass die Ahrtalbahn auch nach 2033 auf unbestimmte Zeit noch durchs Ahrtal dieseln könnte, teilt Thorsten Müller nicht. Zum einen existiere zwar ein bestehender Verkehrsvertrag mit den bekannten Fahrzeugen. Auf der anderen Seite gebe es eine aktuelle Klima-Diskussion, die bei den SPNV-Bestellern schon zu zahlreichen Aktivitäten geführt habe. Das Land RLP, so Müller, habe die Strecke beim Bund zur Elektrifizierung angemeldet. Und auch für den Deutschland-Takt sei eine unterbrechungsfreie Fahrt von der Hauptstrecke ins Ahrtal unerlässlich. „Wenn eine Elektrifizierung funktioniert, wäre dies natürlich gut. Aber kann heute schon sichergestellt werden, dass in die fünf Tunnel hinter Dernau eine Oberleitung eingebaut werden kann?“, führt Thorsten Müller zu diesem Thema weiter aus. Ziel bleibe ein Angebot, das das Ahrtal möglichst gut an Nordrhein-Westfalen anbindet. Daraus leitet sich dann auch das geeignete Fahrzeug mit seiner Antriebstechnik ab: „Brennstoffzelle, Batteriezug oder Oberleitung?“ Im Rahmen vom Deutschland-Takt werde so zum Beispiel auch eine Verlängerung der heutigen RB 48 (Wuppertal-Oberbarmen über Bonn-Mehlem) ins Ahrtal diskutiert.
Die Fertigstellung der derzeit provisorischen Bahnsteiganlagen an den Bahnhöfen Bad Breisig und Sinzig soll im kommenden Jahr umgesetzt werden, so Thorsten Müller. Dann kann dort der RRX endlich auch alle Türen nutzen.
Bahnanschluss Grafschaft
Auch auf der Grafschaft belastet der Lkw- und Individualverkehr die Menschen stark. Eine Strecke von Rech bis Liblar über die Grafschaft wurde bereits Anfang des Jahrhunderts geplant und in weiten Teilen umgesetzt. Hiervon zeugen unter anderem noch der früher als Regierungsbunker genutzte Tunnel bei Marienthal/Ahrweiler sowie die Brückenpfeiler („Schwurfinger) oberhalb von Ahrweiler. Thorsten Müller: „Hier wurde bei der geplanten Bahn über die Grafschaft damals vorausschauend gedacht.“ Eine Umsetzung sei momentan aber sicher sehr schwierig. Gegenwärtig gäbe es hierzu vonseiten des SPNV-Nord und aus NRW keine Planungen.
Für eine Reaktivierung der „Eifelquerbahn“ Kaisersesch - Gerolstein hat sich kürzlich der Kreistag „Vulkaneifel“ ausgesprochen. Die Eifelbahn-Verkehrsgesellschaft aus Linz hat Interesse bekundet, diese Bahnverbindung zu übernehmen (SWR Aktuell 22. Januar 2020). Hierzu führt Thorsten Müller aus: „Gut, dass sich der Kreistag des am meisten betroffenen Kreises für dieses Thema ausgesprochen und ein positives Votum abgegeben hat.“ Der SPNV-Nord sei jedoch nicht zuständig für touristische Bahnen. Aus Sicht des SPNV müsste man ein gutes Angebot mit attraktiven Fahrzeiten entwickeln und das Fahrgastpotenzial prüfen. „Wenn man in einer attraktiven Zeit von Gerolstein in Andernach sein kann, habe die Strecke auch eine Zukunft,“ ist sich Müller sicher.
Weitere Barrierefreiheit
Für ein neues Bundesprogramm vom Oktober 2019 für sehr niedrige Bahnsteige würden durch die DB Station&Service die Bahnhöfe Kreuzberg, Altenahr und Dernau angemeldet, so Müller. Wenn diese drei Projekte in das Programm aufgenommen würden, wäre eine Umsetzung für 2024 möglich. Damit bliebe es jedoch in Walporzheim, Heimersheim und Bad Bodendorf, bis auf Weiteres, beim unbefriedigenden Zustand.
Nach der großen Komplett-Ausfallserie im Sommer 2019 häuften sich Fahrgast-Beschwerden wegen der störungsanfälligen Vareo-Triebwagen der RB 30 (Ahrbrück - Bonn) sowie RB 39 (Dernau - Remagen/„Dernauer Takt“). Derzeit hat sich die Situation wieder stabilisiert, wenngleich es beim Dernauer Takt immer wieder Ausfälle gibt. Dies habe man, so Thorsten Müller, mit DB Regio ausführlich besprochen. Ein Grundproblem bestand darin, „dass durch Unfälle, z.B. den Geröllrutsch in der Eifel, zu viele Fahrzeuge fehlten.“
Fahrpreise und VRM-MobilCard
Keinen Einfluss hat der SPNV Nord auf die Gestaltung und jährlich weiterhin steigenden Bus- und Bahnfahrpreise im Verkehrsverbund Rhein/Mosel (VRM) sowie im benachbarten Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS). Ebenso wenig auf die vielfach kritisierte Größe der dem Fahrentgelt zu Grunde liegenden Waben in den Verbünden. Anders, als der VRS, erkennt jedoch der VRM in seinem gesamten Verbundgebiet die BahnCard bis zu 25 Prozent auf alle Einzelfahrten an. Und dieser bietet zudem eine „VRM-MobilCard“ an: Bei einer Jahresgebühr von nur neun Euro wird auf jeden Einzelfahrschein damit ein Rabatt von 25 Prozent Rabatt gewährt. Ganz gleich, welche Preisstufe bei Bussen und Bahnen gewählt wird. Die VRM-MobilCard gilt zwölf Monate lang, und ist gültig für das komplette VRM-Verbundgebiet.
Thorsten Müller in seinem Koblenzer Büro beim SPNV Nord.
