Eröffnung der 3. Ahrweiler Freiheitswochen in Rolandseck: Überzeugende Preisträgerin und ein Schirmherr mit Elan
„Gemeinsam mit den Jungen in Respekt und Toleranz zu leben, ist eine Basisaufgabe“
Rolandseck. Die 3. Ahrweiler Freiheitswochen hatten schon begonnen, als sie im Arp Museum Bahnhof Rolandseck offiziell eröffnet wurden und dieser Start einen eigenen Höhepunkt präsentierte: Der einstigen Erfolgsfußballerin Celia Sasic, jung, weiblich, sozial engagiert, wurde der diesjährige Freiheiter-Preis verliehen.
Das freiheitliche Potenzial in der Bild- und Text-Ausstellung zu Hans Arp und Kurt Schwitters, Künstler, die ihre Freundschaft 1918 begründeten, bot Museumsdirektor Oliver Kornhoff den Einstieg in die Thematik. Bis heute wirken die von ihnen vertretenen Kunstbewegungen Dada und Merz nach, die auch einen politischen Antrieb aus der Ablehnung des Krieges bezogen. Kornhoff kam nicht zuletzt auf den „Freiraum Museum“ zu sprechen, ein Schutzraum für Thesen und Antithesen und ein Raum, der „die einzigartige Aura des Originals“ verfügbar hält.
Programm mit Impulsen
Zwar hob man sich die Preisverleihung bis zum Schluss auf, doch der Vorsitzende des Fördervereins Ahrweiler Freiheitswochen, Horst Gies, bezeugte schon in der Begrüßung seine Freude darüber, mit Celia Sasic eine geeignete Persönlichkeit gefunden zu haben, „die Freiheit und Toleranz in jungen Jahren lebt“. Lang war seine Begrüßungs- und Dankesliste, auf der ganz vorne Projektleiter Wolfgang Grambs stand, „ohne den es die Freiheiter nicht gäbe“. Stolz zeigte sich Gies auf den diesjährigen Schirmherrn, den ehemaligen Bremer Bürgermeister Henning Scherf und erfreut über den Laudator Theo Zwanziger, Ex- Präsident des Deutschen Fußballbundes und früherer Regierungspräsident des einstigen Regierungsbezirks Koblenz. „Die richtigen Impulse“ erkannte der Vorsitzende im 40 Beiträge umfassenden Programm der Ahrweiler Freiheitswochen 2018. Es reiche „vom Robot bis zum Kammerchor Bad Neuenahr“, verlängere die Allee von Freiheiterbäumen bei Dokumentationsstätte Regierungsbunker und schließe als neues Element ein Freiheitercamp in Altenahr ein.
Landrat Jürgen Pföhler griff die von Gies skizzierte Zielrichtung auf, „immer mehr den ganzen Kreis Ahrweiler einzubinden“. Er dankte für „in der Breite“ umgesetzte Veranstaltungen. In seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums Arp Museum rückte Pföhler den Veranstaltungsort Museum ins Bewusstsein, „wo die Idee der Freiheit praktiziert wird und das Gebäude selbst den Geist der Freiheit atmet“. „Wir fühlen uns mit den Freiheitern verbunden“, bekundete der Erste Beigeordnete Remagens Rolf Plewa mit Verweis auf die Brücke von Remagen, das Friedensmuseum in ihren Türmen und das bunte Fest, das man gegen den jährlichen Aufmarsch der Rechten setze.
Alt und Jung gemeinsam
Dem Applaus und späteren Äußerungen der Gäste nach zu urteilen, beeindruckte diese am meisten die Rede von Henning Scherf. Der 79-Jährige lebt mit seiner Frau seit 30 Jahren in einem Mehrgenerationenhaus, ist neunfacher Großvater und hat sich eine Schule mit 70 Prozent nicht muttersprachlichen Kindern ausgesucht, um sie immer wieder zu besuchen. Beglückt berichtete er, welches Vertrauen die Schüler mit teils dramatischen Biografien ihm entgegenbringen, wenn sie nicht diszipliniert und bevormundet werden. „Wir müssen das loswerden, was wir an Schrecken im Krieg und als Gefahr in der Nazizeit erlebt haben, damit sich das Schlimme nicht wiederholt“, sprach er die „Weißhaarigen“ im Publikum an. Er mahnte: „Wir dürfen nicht in die Zuschauerrolle fallen. Gemeinsam mit den Jungen in Respekt und Toleranz zu leben, das ist eine Basisaufgabe. Wenn wir das zu irgendwelchen Festveranstaltungen herunterbeten, dann geben wir das demokratische Sehnsuchtskonzept auf. Wenn wir es aber schaffen mit den Jungen zusammen, geht eine Botschaft für andere Länder aus.“ Seine optimistische Haltung verleiht dem Bremer offensichtlich die Kraft, lösungsorientierte Schritte zu unternehmen, statt, wie viele Zeitgenossen überhaupt und zumal in seiner Altersgruppe, in resignativer Passivität zu erstarren.
Scherfs sah auch eine Verantwortung für die „in schwierigsten Verhältnissen lebenden Nachbarn“. Er dehnte seine unbändige Zuversicht auf Ungarn und Polen aus, auf Amerika unter dem Präsidenten Trump und Großbritannien mit dem Brexit und hofft, dass in den Ländern fremdenfeindliche und spaltende Tendenzen überwunden werden.
Schon vor den Reden steckten Scherf, der eine rote Krawatte mit den Bremer Stadtmusikanten trug und Preisträgerin Sasic im roten Kleid die Köpfe zusammen, unterhielten sich angeregt und lachten gemeinsam. Es harmonierte also nicht allein die Optik.
Theo Zwanziger hielt die Laudatio
Was ihn für die junge Frau einnimmt, die sich unter anderem als DFB-Integrationsbotschafterin engagiert, legte Theo Zwanziger in seiner Laudatio dar. Knapp umriss er die Stationen ihrer sportlichen Laufbahn. Celia Sasic spielte von 2004 bis 2013 fast zehn Jahre lang für den SC 07 Bad Neuenahr und im Anschluss bis zu ihrem Karriereende 2015 spielte für den 1. FFC Frankfurt, bei dem sie mit dem Gewinn der UEFA Women’s Champions League 2015 und des DFB-Pokals 2014 ihre größten Erfolge auf Vereinsebene erlebte. Seit 2005 lief sie außerdem für die Nationalmannschaft auf, mit der sie zweimal Europameisterin wurde. 2012 und 2015 war sie Deutschlands Fußballerin des Jahres und 2015 wählte man sie zu Europas Fußballerin des Jahres. Zwanziger betonte, Sasic engagiere sich gegen Diskriminierung und Rassismus. Das sei keine Frage des Alters. Sie habe „viele Begabungen und einen eigenen Kopf“. Er attestierte ihr „Charakter, innere Stärke, kann mit Siegen und Niederlagen umgehen“. Dass Sasic, die Kulturwissenschaft studierte, 2015 ihre Fußballkarriere zugunsten der Familie aufgab, freute Zwanziger nicht gerade, rang ihm jedoch Respekt ab, denn, „sie hört zu, aber entscheidet selbst“. Froh und mit Dank nahm die 29-Jährige den Freiheiter-Preis entgegen, in diesem Jahr eine Klangschale des Künstlers Friedhelm Pankowski. Man darf hoffen, dass er sie in ihrem Weg bestärkt. Auf jeden Fall scheint es mehr Sinn zu machen, den Preis an einen jungen Menschen zu vergeben, statt wie in den Vorjahren an Menschen am Ende ihres Lebenswerks. Bescheiden und überzeugend erklärte die Tochter eines Kameruners und einer Französin, verheiratet mit einem Serbokroaten und Mutter der gemeinsamen Tochter: „Ich glaube, ich mache nur, was selbstverständlich ist. Es macht mir Spaß, so zu sein, einfach frei und heiter mein Leben zu führen und das aufzusaugen, was mich umgibt.“ Für musikalische Impulse sorgte bei der Eröffnung das Menino Duo mit Stephan Maria Glöckner (Gesang und Gitarre) und Winfried Schuld am Keyboard.
HG
Sie setzen das Freiheitswochenmotto „Miteinander der Generationen“ bereits um: Celia Sasic und Henning Scherf.
Der frühere Präsident des Deutschen Fußballbundes, Laudator Theo Zwanziger, nannte die Stärken und Begabungen der engagierten Preisträgerin.
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