Autorenlesung im Eichendorff-Gymnasium
Gerhard Henschel, oder: Die Rückkehr des Ehemaligen…
Autor ist am 30. September zu Gast
Koblenz. „Dann gingen wir zum Eichendorff-Gymnasium. Die Zeremonie zur Begrüßung der Sextaner fand in der Aula statt. Da waren die Fensterscheiben lange nicht geputzt worden. Der Direx hielt eine Rede. Links hatte er einen braunen Lederhandschuh an, und der Arm war steif, das war eine Prothese, wie ich später erfuhr. Ich kannte keine Sau in dem ganzen Laden, aber Papa sagte, ich würde schon noch rausbekommen, wie der Hase läuft.“ (Zitiert aus: „Kindheitsroman“, Hamburg 2004, S. 296f.)
Es sind die späten 60er und frühen 70er Jahre. Der kleine Martin Schlosser ist das zweitjüngste von vier Geschwistern und ein richtiger Rabauke. Während in Bonn Erhardt, Kiesinger und Brandt regieren, Benno Ohnsorg stirbt und die Kaufhäuser brennen, prügelt er sich auf dem Spielplatz, klebt Pril-Blumen an Küchenschränke und ärgert sich darüber, dass sein Vater Seiten des „Stern“ zusammenklebt, weil die Bilder aus Vietnam zu grausam sind. Höhepunkte seines Lebens sind Karneval, das Ostereiersuchen und die Ferien bei den Großeltern. Aber auch die „Augsburger Puppenkiste“, „Daktari“ und „Flipper“. Eben dieser Junge wird Anfang der 70er im Koblenzer Eichendorff-Gymnasium eingeschult.
Hinter der Romanfigur Martin Schlosser steckt der Autor Gerhard Henschel, geboren 1962, der heute als freier Schriftsteller in Hamburg lebt. Aus dem kleinen Sextaner, dem der Vater zutraute, rauszubekommen, „wie der Hase läuft“, wurde ein Autor, der später unter anderem bei der „Titanic“ arbeitete, der mit der Bildzeitung kämpfte und viele hochgelobte Bücher schrieb. Er veröffentlichte Satiren, Sachbücher und zahlreiche Romane. Dabei schöpfte er insbesondere aus der Biografie seiner Familie: In „Die Liebenden“ (Hamburg 2002) zeichnete er die Ehe seiner Eltern über Jahrzehnte hin nach, in „Kindheitsroman“ (Hamburg 2004) protokollierte er akribisch seine eigene Kindheit bis zur Pubertät. Der „Jugendroman“ (2009), der „Abenteuerroman“ (2012) und der „Bildungsroman“ (2014) führen Martin Schlossers Geschichte weiter.
Ein Abend der Erinnerungen
44 Jahre nach seiner Einschulung kehrt Gerhard Henschel am Freitag, 30. September um 19.30 Uhr zu einer Lesung und Diskussion in die Aula des Eichendorff Gymnasiums zurück. Die Fachschaft Deutsch lädt zu diesem besonderen Ereignis ein, bei dem es um Henschels Texte, aber sicher auch um seinen Lebensweg und seine Erinnerungen ans „Eichendorff“ gehen wird. Die abendliche Lesung richtet sich in erster Linie an Eltern, Ehemalige und Erwachsene; Schülerinnen und Schüler sind aber natürlich auch willkommen und genießen freien Eintritt. Der Schulhof (Zufahrt Casinostraße) steht als Parkplatz zur Verfügung.
Pressemitteilung
Eichendorff-Gymnasium Koblenz
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