Allgemeine Berichte | 12.07.2022

Der Ahrtaler Autor Julian Dela hat das Buch „Flutgeschichten - Schicksale aus dem Ahrtal

Geschichten gegen das Vergessen

Julian Dela.  Foto: privat

Bad Neuenahr-Ahrweiler.Der Ahrtaler Autor Julian Dela kämpft mit seinem neuen Buch „Flutgeschichten - Schicksale aus dem Ahrtal“ gegen die kollektiven, traumatisierenden Erlebnisse aus der Flutnacht.

Dela stellt in seinem Werk Geschichten über die Katastrophe von Betroffenen und Helfern zusammen. Die Geschichtensammlung ist kürzlich auf dem Buchmarkt erschienen. BLICK aktuell sprach mit Dela über seine Motivation und das Ziel, gegen das Vergessen anzuarbeiten und etwas gutes zu tun. Denn der Erlös des Buchverkaufs wird an Flutbetroffene gespendet.

BLICK aktuell: Herr Dela, zur Flut sind bereits einige Bücher entstanden. Was macht Ihr Werk besonders?

Julian Dela: Das Besondere an meinem Buch ist zum einen, dass darin 30 sehr persönliche und authentische Geschichten sowohl von Betroffenen als auch von Helfenden enthalten sind, die exemplarisch für die tausenden Schicksale des Ahrtals stehen. Zum anderen gleichen sich alle Berichte vor allem in einem: Es sind Mutmacher. Denn was auch immer die GeschichtengeberInnen Dramatisches er- und durchlebt haben, sie haben am Ende immer zur Zuversicht zurückgefunden. Damit möchte ich auch anderen Betroffenen, Helfenden, Traumatisierten Mut machen und aufzeigen, dass niemand mit seinen Sorgen und Ängsten alleine ist. Außerdem spende ich meine gesamten Gewinne aus dem Buchverkauf an gemeinnützige Projekte zum Wiederaufbau des Ahrtal.

BLICK aktuell: Woher stammt die Motivation ein Buch zur Flut zu verfassen?

Dela: In der Flutnacht habe ich mich mit meiner Frau, unserer damals zweijährigen Tochter und unserem Vermieter in Heppingen aufs Dach retten müssen, wo wir bis zum Morgen des nächsten Tages ausgeharrt haben. Wir haben Menschen schreien und sterben gehört. Und auch wir haben leider alles in den Fluten verloren. Daher kann ich erahnen, wie es vielen Flutbetroffenen geht. Während der Aufräumarbeiten in den Tagen und Wochen nach der Flut hörte ich von Nachbarn, Freunden und Bekannten die verschiedensten Eindrücke und Erlebnisse. Auch wenn manche Furchtbares erlebt haben, hatten alle Berichte eines gemeinsam: Sie endeten immer mit einem positiven Ausblick auf die Zukunft. Das hat mir gezeigt, dass viele Betroffene ihre Zuversicht, trotz ihrer teils schlimmen Erlebnisse, nicht verloren haben. Das fand ich unheimlich inspirierend und motivierend. Gleichzeitig wusste ich aber, dass viele stark traumatisiert wurden und unter ihren furchtbaren Erfahrungen vom 14. bzw. 15. Juli litten. Ich wollte denen Mut machen, die seit der Katastrophe nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch ihre Hoffnung und ihre Zuversicht verloren haben, und so war die Idee geboren sämtliche Flutgeschichten von Betroffenen, aber auch von Helfenden zu sammeln und in einem Buch zu vereinen. Es soll als Zeitzeugnis dienen, gegen das Vergessen stehen und eine Art Selbsthilfegruppe zum Lesen sein. Ich bin kein Handwerker. Ich kann bedauerlicherweise nichts Großes zum Wiederaufbau des Ahrtals beitragen. Als Drehbuchautor und Storyliner ist das Schreiben mein Handwerk, und dieses Buchprojekt soll mein kleiner Beitrag für meine Heimat sein.

BLICK aktuell: Welche Menschen werden im Buch portraitiert?

Dela: Die Geschichten im Buch kommen von Menschen wie du und ich, von Männern und Frauen jeden Alters. Sie zeigen einen sehr realistischen Durchschnitt derer, die von der Flut im Ahrtal betroffen wurden, oder die zum Helfen und Wiederaufbauen zu uns kamen. Sie alle beschreiben ihren ganz normalen Alltag, bis die Flut am 14. Juli 2021 ihr Leben für immer auf den Kopf stellte. Sie erzählen von dem Moment, als die Katastrophe ihren schlimmen Lauf nahm, von den Problemen danach beim Aufräumen, beim Wiederaufbau und von den Bildern und Eindrücken, die sie noch immer nicht loslassen und die sich in ihre Köpfe gebrannt haben– bei Betroffenen, wie auch bei Helfenden. ROB

 Quelle: privat

Quelle: privat

Julian Dela. Foto: privat

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