Allgemeine Berichte | 08.08.2017

Jubiläum für den Bendorfer Wochenmarkt

Große Feier zum dritten Geburtstag

Neues Konzept wird gut angenommen – Stadt hofft, dass die Bürger den Markt stärker mit ihrem Einkauf unterstützen

Gut gefüllt war die Markttafel zum dritten Geburtstag.

Bendorf. In der christlichen Mythologie ist die ‚Drei‘ das Zeichen für Vollkommenheit und Vollendung, für allumfassende Einheit und Harmonie. Ganz so vollkommen und vollendet ist der neue Bendorfer Wochenmarkt zwar noch nicht, aber Einheit und Harmonie waren an seinem dritten Geburtstag am vergangenen Freitag durchaus zu spüren. Und an der Vollkommenheit und Vollendung arbeitet die Verwaltung der Stadt Bendorf unermüdlich und mit immer wieder neuen Attraktionen, damit bei der Bendorfer Bevölkerung und den vielen Gästen aus Nah und Fern auch in Zukunft keine Langeweile aufkommt.

Ein „Rettungsschirm“ mit Erfolg

Mittlerweile hat sich der Markt zu einem festen Bestandteil der Stadt etabliert und ist zu einem schönen Treffpunkt nicht nur für die Bendorfer geworden. Dabei stand er im Jahre 2013 bereits kurz vor dem endgültigen Aus, ein Schreckensszenario für Bürger und Stadt. Dabei ist der Bendorfer Wochenmarkt schon über 450 Jahre alt, bereits im Jahre 1560 wurden der Stadt per kaiserlichem Dekret die Marktrechte verliehen. Damit ist Bendorf einer der ältesten „Marktflecken“ Deutschlands.

Der Charakter des Marktes wandelte sich im Laufe der Zeit von einem ursprünglichen Viehmarkt in einen Markt mit landwirtschaftlichen Produkten sowie Haushaltsgütern, blieb aber für die Bevölkerung immer ein fester Bestandteil im städtischen Geschehen.

Allerdings klagten mehr und mehr der Marktbeschicker über massive Umsatzeinbußen, sodass ein Stand nach dem anderen aus der Stadt verschwand, bis im Jahre 2013 lediglich ein einziger Anbieter die Stellung hielt. Aus Altersgründen musste dieser schließlich ebenfalls seinen Stand kündigen und der Markt stand vor dem Ende. Diese negative Entwicklung konnte natürlich der Bendorfer Stadtverwaltung nicht verborgen bleiben, dort stand man jetzt vor der Frage: Schließung des Marktes oder Entwicklung eines Konzeptes für einen Neuanfang.

Da sich niemand ein Ende der langen Markttradition in Bendorf vorstellen konnte, gab es für die Verwaltung nur den Weg, ein neues und zeitgemäßes Projekt zu entwickeln, damit der Fortbestand des traditionellen Marktes gesichert werden konnte. Zunächst wurde die Verantwortung für den Markt verwaltungsintern vom seinerzeit zuständigen Ordnungsamt in den Verantwortungsbereich der Abteilung Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing übertragen. Dies war insofern sinnvoll, als dass dort auch die Logistik für den jährlichen Weihnachtsmarkt sowie den Bauern- und Gartenmarkt in der Bendorfer Innenstadt angesiedelt sind. Abteilungsleiter Werner Prümm beauftragte Sabine Schmidt mit dem Entwicklungsprozess und hatte hierfür die richtige Mitarbeiterin gewonnen.

Frau Schmidt setzte sich in der Folge mit Herzblut für den Erhalt des Bendorfer Wochenmarktes ein und war maßgeblich an der Entstehung einer neuen Strategie für einen zukunftsfähigen Marktbetrieb beteiligt. Zunächst hatte sie die Erkenntnis gewonnen, dass der Erfolg oder Misserfolg eines Marktes mit dem angebotenen Wochentag zusammenhängt. Die früheren Märkte in Bendorf fanden jeweils donnerstags am Vormittag statt. Dies ist sicherlich kein guter Zeitpunkt für einen entspannten Marktbesuch mit der ganzen Familie. Ihre Idee, den Freitagnachmittag als Marktzeit anzubieten und damit ein breiteres Publikum zu erreichen, war ein voller Erfolg und ist ein guter Garant für das weitere Bestehen des Bendorfer Wochenmarktes.

Auch hebt sich die Auswahl der angebotenen Produkte von denen der örtlichen Supermärkte ab, sodass kein Konkurrenzdenken aufkommt, sondern ein Zugewinn für die Käufer erreicht wird. Die Besucher können auf dem Markt zusätzlich zu ihrem täglichen Einkauf auch einmal ein noch höherwertiges, höherpreisiges oder frischeres Produkt kaufen.

Kein anonymer Markt, sondern Anbieter mit Bezug zur Region

Frau Schmidt im Gespräch mit BLICK aktuell: „Ich habe mir am Anfang im Umkreis verschiedene Märkte angesehen und mit anderen zuständigen Behörden telefoniert, um mir umfassende Kenntnisse über den Komplex zu verschaffen. Dabei habe ich festgestellt, dass viele Städte den Marktbetrieb aus der Verwaltung ausgliedern und einer sogenannten Gilde – einem Berufsverband – überlassen, die dann die Standvergabe organisiert. Dieser Weg erschien mir aber zu unpersönlich und anonym, da die meisten von den Gilden angeheuerten Standbetreiber keinen Bezug zur Region und zu der Bevölkerung haben, für mich war aber Regionalität sehr wichtig. Ich habe viele örtliche Landwirte und Geschäftsbetreiber angesprochen, anfangs leider mit mäßigem Erfolg, es mangelte am Interesse oder am Personal. Ich bin dann auf Märkte in den Nachbarstädten gefahren, habe dort die Marktbeschicker mit regionalem Bezug auf unser Vorhaben aufmerksam gemacht. Es war kein einfacher Weg, vielfach musste ich immer wieder nachhaken und mich penetrant in Erinnerung bringen, bevor bei dem einen oder anderen das Interesse geweckt wurde und ich eine Zusage erhielt. So konnte ich für den Neuanfang in Bendorf 15 Standbetreiber gewinnen, davon sind bis heute noch 13 Betreiber geblieben.

Zwischendurch kommen auch immer mal spezielle Anbieter für einen begrenzten Zeitraum hinzu, wie zum Beispiel ein Messerschleifer oder saisonal bedingt ein Anbieter mit Honigprodukten oder Kürbissen.“

Kreative „Marktfrau“: Sabine Schmidt nimmt‘s persönlich

Durch ihre ständige Präsenz und ihre immer neuen Ideen ist Sabine Schmidt heute weithin als „Marktfrau“ bekannt und das Gesicht auf dem Bendorfer Wochenmarkt, kompetenter Ansprechpartner für Betreiber und Besucher. In diesem Zusammenhang erinnert sie sich: „Es ist wichtig, immer im Gespräch zu bleiben, und so kam mir die Idee, laufende Attraktionen in das wöchentliche Marktgeschehen einzubauen wie etwa ein Motto-Markt passend zu den fünf Jahreszeiten – einschließlich Karneval – oder zu einem nationalen oder regionalen Ereignis. So bleibt Bendorf, nicht zuletzt auch dank der Presse, bei den Leuten örtlich und überörtlich im Gedächtnis.“

In der Tat finden zu den monatlichen Events immer mehr Besucher aus der näheren oder weiteren Umgebung den Weg nach Bendorf. Sabine Schmidt: „Schon ein kleiner Einkauf trägt zum geschäftlichen Erfolg der Standbetreiber bei, wichtig für die Zukunft des Marktes. Es wäre schön, wenn die Menschen den Markt noch mehr auch an den Freitagen ohne Motto nutzen würde, damit wir weiterhin so ein umfangreiches Angebot anbieten können. Wir bieten zum Beispiel Vereinen, Schulen und Kindergärten an, sich mit einem gelegentlichen Stand auf dem Markt zu präsentieren, ebenfalls wollen wir Bendorfer oder regionale Künstler in das Marktgeschehen involvieren, auch musikalische Gruppen oder Alleinunterhalter sind uns willkommen.“

Gratulanten freuen sich über den erfolgreichen Neuanfang

Aus Anlass des Jubiläums gratulierte Bürgermeister Michael Kessler in einer kleinen Ansprache auf dem Kirchplatz den Organisatoren und Standbetreibern zum Geburtstag und wünschte ein weiteres gutes Gelingen für den Bendorfer Wochenmarkt für die nächsten drei Jahre. Dabei gab er seiner Hoffnung Ausdruck, bei einer anhaltend guten Frequenz der Besucher auch ein zehntes Marktjubiläum feiern zu können. Zur dritten Geburtstagsparty war auf jeden Fall die „Hütte“ voll. Im Laufe des Nachmittags drängten sich hunderte von Besuchern auf dem Markt vorbei an den Ständen mit vielfältigen kulinarischen Genüssen wie vorzüglichen Wein, herausragenden Wild- und Käsespezialitäten, frischem Gemüse und Backwaren. Für ein leckeres und buntes Geburtstagskuchenbuffet sorgten die Damen des Möhnenvereins Mülhofen und für gute musikalische Stimmung das Bendorfer Duo „Dubljus“ mit Franz-Josef Wambach und Klara Volkelt. Mit „Leo“, dem grünen Fotocaravan, gab es viel Spaß für Groß und Klein und die Markttafel lud zu einem gemütlichen Beisammensein ein.

Tolle Party, aber mäßiges Geschäft

Am Ende des Tages war die „Marktfrau“ trotz der vielen Besucher nicht ganz zufrieden: „Es ist schade, dass die meisten Besucher nur zu ihrem Vergnügen kommen und keinen Einkauf tätigen. Das ist nicht Sinn und Zweck eines gut funktionierenden Wochenmarktes und kann auf Dauer nicht gelingen. Die Marktstände sind nicht Kulisse, sondern bieten Ware zum Verkauf an, damit die Marktbeschicker existieren können. Der eigentliche Sinn eines Wochenmarktes, nämlich der Einkauf sollte im Vordergrund stehen, deshalb mein Appell an alle Besucher, die den Markt so toll finden: Ein kleiner Einkauf kommt allen zu Gute und garantiert noch viele Geburtstage und tolle Events, nicht nur an den vollen Weinständen, sondern mit allen Standbetreibern,“ so Frau Schmidt in einem abschließenden Gespräch mit BLICK aktuell.

Die Stammkundinnen an der Markttafel:Seit drei Jahren haben sie noch keinen Markttag verpasst.

Die Stammkundinnen an der Markttafel: Seit drei Jahren haben sie noch keinen Markttag verpasst.

Groß und Klein hatten Spaß mit Leo, dem Fotocaravan.

Groß und Klein hatten Spaß mit Leo, dem Fotocaravan.

Bürgermeister Michael Kessler und „Markfrau“ Sabine Schmidtfreuen sich, den dritten Geburtstags des neuen Marktes mit den Bürgern zu feiern.

Bürgermeister Michael Kessler und „Markfrau“ Sabine Schmidt freuen sich, den dritten Geburtstags des neuen Marktes mit den Bürgern zu feiern.

Auch Stadtrat Werner Dietzund seine Ehefrau besuchten den Jubiläumsmarkt.

Auch Stadtrat Werner Dietz und seine Ehefrau besuchten den Jubiläumsmarkt.

Sabine Schmidt erfand den traditionsreichen BendorferMarkt neu und traf damit genau den Nerv der Bürger.

Sabine Schmidt erfand den traditionsreichen Bendorfer Markt neu und traf damit genau den Nerv der Bürger.

Von Anfang an mit dabei war auch das Team von Bendorf Wein mit Gernot Kallweit und Betty Enchelmaier-Tietz.

Von Anfang an mit dabei war auch das Team von Bendorf Wein mit Gernot Kallweit und Betty Enchelmaier-Tietz.

Ein Stand der ersten Stunde. Von den 15 Ständen, die beim ertsen Markt dabei waren, kommen 13 immernoch.

Ein Stand der ersten Stunde. Von den 15 Ständen, die beim ertsen Markt dabei waren, kommen 13 immernoch.

Das Duo ‚Dubljus‘, Franz-Josef Wambach und Klara Volkelt,unterhielten die Marktbesucher mit ihrer Musik.

Das Duo ‚Dubljus‘, Franz-Josef Wambach und Klara Volkelt, unterhielten die Marktbesucher mit ihrer Musik.

This is where the magic happens:Sabine Schmidt schafft es immer wieder, neue tolle Aktionen zu starten.

This is where the magic happens: Sabine Schmidt schafft es immer wieder, neue tolle Aktionen zu starten.

Kaffee und Kuchen gab es reichlich bei den Mülhofener Möhnen. Fotos: -GM-

Kaffee und Kuchen gab es reichlich bei den Mülhofener Möhnen. Fotos: -GM-

Gut gefüllt war die Markttafel zum dritten Geburtstag.

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