Allgemeine Berichte | 28.11.2023

Zum 1. Januar 2024 wird die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wieder angehoben

Große Sorgen in der Gastronomie

Wilfried Gatzweiler aus Ahrweiler baute sein Restaurant nach der Flut wieder auf. Doch die jetzigen Herausforderungen sind erdrückend.  Foto: ROB

Region. Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, Inflation: Die Liste der Probleme für Gastronomen ist lang. Ab 1. Januar 2024 droht neues Ungemach. Die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie soll wieder auf 19 Prozent angehoben werden. Während der Corona-Pandemie wurde der Steuersatz auf sieben Prozent reduziert. Sieben Prozent Mehrwertsteuer entfallen auch auf Speisen zum Außer-Haus-Geschäft, also dann, wenn Speisen ausgeliefert werden oder abgeholt werden. Trotz Ende der Pandemie-Lage wurde die Sieben-Prozent-Regelung für Speisen, die im Restaurant verzehrt werden, mehrfach verlängert. Bald soll jedoch endgültig Schluss sein. Nun ist die Angst vor einer Insolvenzwelle in der Gastronomie hoch.

„Wir haben keine Lust mehr“

Doch wie gehen die Gastronomen in der Region mit der Rücknahme der Steuersenkung um? BLICK aktuell sprach mit drei Gastgebern über die derzeitigen und kommenden Herausforderungen. Einer davon ist Wilfried Gatzweiler. Gatzweilers Restaurant „Ahr Vinum“ liegt malerisch in der Altstadt von Ahrweiler, auf der Speisekarte steht Roastbeef, Sauerbraten und Winzerplatte. Das Restaurant wurde von der Flutkatastrophe 2021 stark mitgenommen und die Schäden waren groß. Doch Gatzweiler öffnete als erster Gastronom in der Ahrweiler Altstadt seine Türen für Gäste und blieb Optimist - bis jetzt. „Die Entwicklung in den vergangenen Monaten hat dazu geführt, dass sich die Kosten für die Warenbeschaffung sich zwischen 30 und 50 Prozent erhöht haben. Die Kosten der Energieversorgung haben sich rundweg verdoppelt und die Lohnkosten sind ebenfalls gestiegen“, resümiert Gatzweiler. Außerdem sei spürbar, dass sich die Verbraucher sich zunehmend zurückhalten. Darüber hinaus mussten die Öffnungszeiten im „Ahr Vinum“ reduziert werden, um Betriebs- und Personalkosten zu sparen. Nun kommt die Erhöhung der Mehrwertsteuer obendrauf. „Wir werden die Erhöhung durch Preiserhöhungen weiter geben müssen, um nicht laufend Verluste zu erwirtschaften“, sagt Gatzweiler. Trotzdem sei eine Preiserhöhung in dieser Höhe nicht umsetzbar. Die Konsequenz sei, dass sich Gewinne und Umsatz verringern, „und somit auch die Steuereinnahmen des Staates sinken“. Für den Gastronom gibt es nur eine logische Konsequenz: „Wir werden unseren Betrieb im laufenden Jahr 2024 verkaufen, weil wir keine Lust mehr haben, höhere Risiken zu übernehmen und nur noch für staatliche Abgaben zu arbeiten, zumal kaum noch Personal zu bekommen ist, das wir dringend brauchen.“

„Man muss sich fragen, ob das alles noch Sinn macht“

Im Restaurant Anna Seibert serviert Benedikt Frechen feine regionale Küche in einem Fachwerkhaus in der Rheinbacher Altstadt. Frechen hat in einigen renommierten Restaurants in ganz Deutschland gekocht und ist in seiner Heimat Rheinbach nun Gastgeber, Küchenchef und Restaurantbetreiber in einer Person. Auf der Karte stehen exquisite Speisen, auch Catering wird angeboten. „Für meine Betriebe bedeutet die Mehrwertsteuererhöhung: Schon wieder 12 Prozent mehr Kosten“, sagt Benedikt Frechen. Hinzu kommen die Warenkosten, die mit einer Verteuerung der LKW-Maut um 85 Prozent auch wieder steigen werden, wie Frechen sagt.

Mit tollen Ideen und finanziellen Hilfen sei der Coronakrise sehr gut getrotzt worden. „Für unsere Mitarbeiter haben wir die Möglichkeit des Coronabonus genutzt und diesen an alle ausgezahlt, weiterhin zahlen wir seit November 2022 monatlich einen Inflationsausgleich für alle Mitarbeiter“, erläutert Frechen. „Damit sind die zwölf Prozent „Ersparnis“ dann schon mal mehr als weg gewesen.“

Der Rheinbacher Gastronom zählt auf: Die Löhne sind gestiegen, der Mindestlohn ist gestiegen, 35 Prozent mehr Energiekosten, 35 Prozent mehr Personalkosten und gestiegene Warenkosten. „Wenn mir früher 10 Prozent geblieben sind, sind es in diesem Jahr mit Glück noch 5 Prozent“. Im kommenden Jahr werde es dann dementsprechend noch weniger. „Irgendwann muss man sich selber fragen, ob das bei einer Arbeitswoche mit sechs Tagen und 80 Stunden dann noch Sinn ergibt.“

Auf die Frage, an welcher Stelle die zusätzlichen Kosten ausgeglichen werden können, hat Benedikt Frechen eine ernste Antwort: „Ich selber kann nichts mehr kompensieren, wo sollen wir noch kompensieren?“

Das Geschäft an sich sei sehr kurzfristig geworden. „Hatten wir früher 25 Prozent Jahresumsatz bereits im Vorjahr verkauft, sind es jetzt noch nicht einmal 10 Prozent. Die Menschen legen sich nicht mehr so sehr im Voraus fest“, sagt Frechen.

„Fast unmöglich, zu überleben“

Seit März 2022 betreibt Arber Bytici das Restaurant „Double B“ in der Innenstadt von Sinzig. Auf der Speisekarte stehen hier Burger-Variationen, Pizza und Salate. Für die Zukunft zeichnet Bytici ein düsteres Bild. Bereits heute sei die Kalkulation schlecht, wie Bytici erklärt. Schuld seien die erhöhten Kosten für Strom, Gas und Lebensmittel. „Schon jetzt ist es schon fast unmöglich, zu überleben“, erklärt der Sinziger Gastronom.

„Wir überlegen, eventuell die 19 Prozent auf die Speisen draufzuschlagen“, erklärt er. Eine andere Option wäre, das Unternehmen stärker auf den Lieferservice auszurichten. Denn bei Außer-Haus-Speisen bleiben die sieben Prozent Mehrwertsteuer. So könnte das Problem der erhöhten Mehrwertsteuer umgangen werden und Personal gespart werden. Denn auch bei den Personalkosten wird es teurer: Ab 1. Januar wird der Mindestlohn angehoben. ROB

Das Restaurant „Anna Seibert“ in Rheinbach. Inhaber Benedikt Frechen fragtt: „Wo sollen wir noch Kosten kompensieren?“  Foto: privat

Das Restaurant „Anna Seibert“ in Rheinbach. Inhaber Benedikt Frechen fragtt: „Wo sollen wir noch Kosten kompensieren?“ Foto: privat

Im Restaurant „Double B“ in Sinzig: Jetzt schon sind die Kosten für Strom, Gas und Lebensmittel sehr hoch.  Foto: privat

Im Restaurant „Double B“ in Sinzig: Jetzt schon sind die Kosten für Strom, Gas und Lebensmittel sehr hoch. Foto: privat

Wilfried Gatzweiler aus Ahrweiler baute sein Restaurant nach der Flut wieder auf. Doch die jetzigen Herausforderungen sind erdrückend. Foto: ROB

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Kommentare
29.11.202307:31 Uhr
Amir Samed

Man könnte den Wirtschaftsstandort attraktiv machen, durch eine funktionierende Infrastruktur, digital wie analog, durch verfügbare Fachkräfte und vor allem durch konkurrenzfähige Energiepreise (bei bis zu 75% Steuern und Abgaben Problemlos möglich), sowie durch eine allgemeine Absenkung von Steuern und Abgaben, dazu noch ein Abbau der überbordenten Bürokratie. Aber wir erleben das genaue Gegenteil, die Bundesregierung möchte den, von ihr vorgenommenen, Bruch der Verfassungsbruch durch erneuten Verfassungsbruch heilen, um weiterhin Unmengen an Schulden aufzunehmen, anstatt durch sinnvolles Sparen und weiterer, oben angeführten Maßnahmen, dem Niedergang antgegenzusteuern. "Wir haben keine Lust mehr" so Hr. Gatzweiler, mit dieser Meinung ist er in diesem Land schon lange nicht mehr in der Unterzahl.

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