1965 erste erfolgreiche Altenfahrt des Motorsport Club Plaidt (MSC Plaidt)
Hans Stein beendet nach 55 Jahren die Fahrten mit den -Alten Leute!
Plaidt. Neben den motorsportlichen Aktivitäten der Vereinsmitglieder, des MSC Plaidt (Motor-Sport-Club Plaidt), wollte man auch einmal für die Bevölkerung ein besonderes Zeichen setzen. Dem weitverbreiteten negativen Image: „Die rasen ja nur durch die Gegend“, sollten einmal auf eine andere Aktivitäten hingewiesen werden, die nicht nur auf die sportliche Erfolge ausgerichtet waren.
So entwickelte damals das Vorstandsmitglied Fred Doll, damals (1964) die Idee: eine Fahrt für alte Menschen anzubieten.
Der eigentliche Grund dieser Idee war der: 1.den alten Menschen die 70 Jahre und älter waren, keine Fahrerlaubnis und kein Auto besitzen, 2. in deren Familie durfte, für/in der damaligen Zeit, kein eigener PKW zur Verfügung stehen und 3. die alten Menschen durften noch nie aus ihrem Heimatort Plaidt herausgekommen sein, um diese zu einer Rundfahrt einzuladen.
Nachdem nun diese Idee 1964 im MSC-Vorstand als durchführbar erachtet und beschlossen war, folgten viele Verhandlungen. So versuchte man, weitere Befürworter für die Unterstützung einer solchen Idee, und auch die Ortsgemeinde mit ins Boot zu holen.
Doch aller Anfang war schwer!
Nach zähen Verhandlungen zwischen dem damaligen Bürgermeister Johann Michael Rollmann, Gemeinderates und Fred Doll gelang es diesem, dass die Gemeinde für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Kaffeegedeck spendierte.
Die Argumente des Bürgermeisters: „Die Gemeinde hat für eine solche Idee kein Geld“!
Dieses Argument von Bürgermeister Rollmann ließ er nicht gelten und betonte sein Gegenargument:
„Wir stellen schon die Fahrzeuge und bezahlen den Sprit“, da kann doch wohl die Gemeinde für diese alten Menschen eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen bezahlen!
So stand am Ende der Verhandlungen dann doch für „1965 die erste Fahrt der Altenleute“ an. Aber auch für die Planung der eigentlichen Fahrt nichts mehr im Wege. Spontan stellten damals die aktiven Motorsportler insgesamt 30 Fahrzeuge bereit. Als Fahrgäste fanden sich insgesamt 68 ältere Menschen, auf die die angedachte Idee zutraf zur Mitfahrt bereit. Die angedachte Fahrtroute sollte aber die Fahrgäste nicht überfordern, und die diese erfreuen.
Die jungen Motorsportler gingen nun mit dieser Idee auf die alten Leuten zu, sprachen sie persönlich an und luden über die Tagespresse einmal zu einer ersten Rundfahrt, mit ihren Fahrzeugen ein.
Für die erste Rundfahrt stellten damals die nachgenannten MSC-Mitglieder ihre PKWs zur Verfügung: Bartz Viktor, Bauer Klaus, Biesinger Gallus, Debüser Manfred, Doll Fred, Engels Josef, Ferber Heinz, Geremont Bodo, Jungbluth Leo, Kecker Alfons, Kraus Helmut, Kretzer Matthias, Maisack Willi, May Heinrich, Mosen Heinz, Müller Walter, Müller Hans, Nix Emilo, Reckert Wolfgang, Simon Dieter, Spurtzem Klaus, Stein Ewald, Stein Hans, Tiereé Josef, Urmersbach Karl, Vogt Peter, Wolff Manfred, Wilhelmy Josef und der Vater von Willi Maisack stellte noch ein 8-Sitzer zur Verfügung, damit auch alle angemeldeten „Alten Leute“ mitgenommen werden konnten.
Pünktlich um 13 Uhr setzte sich im August 1965 eine Fahrzeugkolonne von 30 PKWs von Plaidt aus in Bewegung!
Die erste Fahrt führte zum Kloster Marie Martental
Die erste Fahrt ging über die B 256 Richtung Mayen zum Kloster Maria Martental. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Wallfahrtskirche ging die Fahrt dann weiter durch das Tal der „Wilden Endert“ über die neu gebaute Umgehungsstraße nach Cochem. Auf dem Aussichts- und Rastplatz neben der damals neugebauten Panoramastraße wurde ein kurzer Stopp eingelegt, damit die Gäste einmal den Blick auf die Mosel, die Stadt Cochem, der Reichsburg und Weinberge genießen konnten.
Hier meinte eine Teilnehmerin dann: Sind wir hier schon in Italien?
Dies war für die teilnehmenden MSC-Fahrer ein Zeichen dafür, dass sie mit ihrer Idee, die dann vom Vorstand auch einstimmig so beschlossen wurde, richtig lagen.
In seiner Ansprache dankte der MSC Vorsitzende Heinrich May ganz besonders den Fahrern, die den Sonntagnachmittag geopfert, sich und ihre Fahrzeuge unentgeltlich für eine Fahrt mit den „Alten Leuten“ zur Verfügung gestellt hatten.
Sein Lob galt aber auch dem Bürgermeister Johann Michael Rollmann, von der Ortsgemeinde für die Bereitschaft letztendlich ein Kaffeegedeck auf Kosten der Gemeinde zu spendieren, denn nur durch diese Bereitschaft, sei diese Fahrt erst ermöglicht worden. Sein Lob galt aber auch dem Ideengeber, der in endloser Kleinarbeit zusammen mit Hans/Ewald Stein, Alfons Kecker und Josef Tiereé die Rundfahrt ausgearbeitet und die Fahrer dafür gewinnen konnten.
Für die „Alten Leute“ wurde es ein gelungener Tag. Hierbei stand der zum Abschluss oft geäußerte Wunsch der immer wieder zu hörende Wunsch auf Wiederholung im Vordergrund!
Zitat aus dem Chronisten von Paul Nachtsheim, er schrieb 1965 in seiner Dorfchronik: Anerkennung und viele Sympathien bei den älteren Bürgern von Plaidt, hat sich der MSC Plaidt im ADAC e.V. nach dieser gelungenen Altenfahrt erworben!
An einer anderen Stelle berichtete der Dorfchronist seiner Chronik: Die Fahrt 1973 wurde durch Viktor Bartz organisiert und es ging zum Luftkurort Bruchweiler.
So stellten ab 1969 nur noch 24 Motorsportler regelmäßig ihre Fahrzeuge für die Fahrt mit den alten Leuten bereit. Doch schon bald reichten die zur Verfügung stehenden Fahrzeuge bei weitem nicht mehr aus. Verständlich, denn man war von der „eigentlichen IDEE, der ersten Fahrten“ abgekommen und es sollte eine offene Teilnahme für Senioren ermöglicht werden.
Deshalb wich Hans Stein ab Ende der 1970er Jahre, bei Fahrten mit den alten Leuten, auf den Omnibus aus. Nur so konnte er der steigenden Anzahl an reiselustigen Senioren eine Möglichkeit zur Teilnahme zu geben.
Diese Fahrten wurden seit dieser Zeit von Hans Stein bis 2019 zur Freude der Plaidter-Senioren/Seniorinnen, zusammen mit der Ortsgemeinde durchgeführt. Hierbei wurde er bis zuletzt vom Vorsitzenden Holger und der Geschäftsführerin Jutta Hildebrand unterstützt.
Besondere Leistungen
Doch sollten auch einmal besondere Leistung hervorgehoben werden!
- So gelang es dem ehemaligen Vorsitzenden Franz Lotzen 1972, über seine Fahrzeugverleihfirma 10 VW-Bullys, für die Seniorenfahrt zu organisieren.
- Aber auch, dass es Hans Stein gelang, für die Omnibuskosten, ein Zuschuss von der Gemeinde zu erhalten, damit die Fahrten wie gewohnt fortgesetzt werden konnten.
Aber nach dem Jahr 1980 stiegen die Teilnehmerzahlen dann doch sprunghaft, bis zu 50 und 52 Teilnehmer an (es gab Wartelisten). Deshalb musste wegen des starken Zuspruchs in den folgenden Jahren auf Omnibusse zurückgegriffen werden. Ab dem Jahr 2017 verringerten sich die Zahlen der Fahrtteilnehmer auf zuletzt nur noch 29. Schweren Herzens beschloss man zukünftig die beliebten Rundfahrten wegen der geringen Beteiligung einzustellen.
Es wäre hier natürlich müßig, alle besuchten Reiseziele der 55 Jahre aufzulisten!
Wenn auch diese, für die damalige Zeit „Einmalige Idee“ nun 55 Jahre lang zurückliegt, so bleibt sie den älteren Menschen und ganz besonders den vielen Seniorinnen und Senioren aus Plaidt noch lange in Erinnerung.
Wir können heute nur all diejenigen loben, die sich bisher mit der Organisation und Durchführung der „Altenfahrten“, über all die Jahre bis heute beteiligten. Aber auch die loben, die ihre Fahrzeuge kostenlos zur Verfügung stellten und damit dem Vorwurf „Die können doch nur Rasen“ entkräfteten.
Doch der ein ganz besonderes Lob sollte man aber „Hans Stein“ aussprechen, der bis zum Ende diese Fahrten weiterhin organisierte und durchführte!
Erste Fahrt der Alte Leute - 1965.
