Hat die Vereinsmeierei noch Zukunft?
Eine Kolumne von Anke Sultan - Die Menschen und der Verein
Du steckst mit beiden Ohren in Vereinsarbeit? Dann verbindet dich sicher eine Art Hassliebe zum Verein. Lebenselixier und zeitraubend zugleich. Und nicht nur deine Liebe zum Verein spiegelt sich im Vereinsalltag, auch der persönliche Charakter ist das Salz in der Vereinssuppe.
In diesem Mikrokosmos der Gesellschaft gibt es keinen Typ, der dir nicht schon über den Weg gelaufen ist. Die Typenverteilung erinnert an den Streber in der Schule, den Klassenclown oder an die Nörgler der letzten Bank! Manchmal sind mehrere Eigenschaften auf eine Person vereint, manchmal übernimmt gleich ein ganzes Rudel die Rolle der Chefposition – dann oft sehr zum Leidwesen des Vereins!
Jeder kennt den Zeigefingertyp. Er ist immer für eine Ermahnung zu haben. Nichts geht ohne Hinweis auf Recht und Gesetz. Seine Leitplanken verhindern oft rechtliche Fettnäpfchen oder schützen bei Attacken von außen.
Der Visionär ist fast ein wenig das Gegenteil. Seine Visionen sind mehr als eine Idee – ein Weg in die Zukunft. Oft der anstrengende Typus, bedeutet es doch für sein Umfeld, sich immer zu bewegen und zu arbeiten. Aber ohne den Visionär wird der Verein vom Zeitgeschehen überrollt.
Der Kreativtyp ist der kleine Bruder: Nie um eine Idee verlegen. Meistens muss die Idee angepasst und zurechtgestutzt werden, aber immerhin.
Der Engagierte ist immer zur Stelle, egal was zu tun ist. Lieber heute als Morgen. Pflichtgefühl und Einsatzbereitschaft – davon lebt der Verein.
Der Gesellige hingegen findet immer einen Grund zum Feiern. Arbeiten und Projekte sind Nebensache. Bei ihm ist man gut versorgt, keine Sitzung findet ohne Verpflegung statt.
Der Pessimist hebt gerne die Schattenseiten hervor, hat Angst bei jedem neuen Gedanken und vor Veränderungen.
Der Eilige hat zu wenig Zeit für 100%-Lösungen und wenig Geduld. Schreibt schon mal 3 Mails am Tag, um weiterzukommen.
Natürlich gibt es auch einen Selbstdarsteller. Wichtigtun hat höchste Priorität. Toller Hecht. Die Chancen sind gut, dass er gleichzeitig dadurch auch Magnet und Macher ist und nicht nur Schaum produziert. Umgekehrt ist nicht jeder Macher ein Selbstdarsteller. Manche sehen die Arbeit, packen mit an und sind dann wieder von der Bildfläche verschwunden.
Der Fürsorgliche dagegen hat zu jeder Zeit ein offenes Ohr und Verständnis – egal was für ein Thema. Aber festlegen mag er sich nicht – er vermittelt zwischen den Positionen.
Der Kritische ist eine Mischung zwischen Zeigefingertyp und Pessimist. Es ist zwar nervig, wenn in jeder Sitzung alles Mögliche hinterfragt wird, aber legitim.
Den Kneifer erkennt man am pünktlichem Wegducken, keine Verantwortung übernehmen und nur das Notwendigste tun. Nicht gerade ein Vereinsfreak. Er will nur in Ruhe dem Vereinszweck nachgehen. Nett und sozial eingestellt und so eine stabile Bausubstanz des Vereinslebens.
Der Spieler outet sich selten und lebt oft unter dem Deckmantel des Fürsorglichen. Kommt er so doch am besten an seine Informationen, die er dann geschickt einsetzt, um die Puppen tanzen zu lassen. Die geheime Macht, die viel Risiko trägt.
Und zu guter Letzt muss ein Verantwortlicher die letzte Entscheidung treffen können. Er scheut es nicht im Notfall die alleinige Verantwortung zu übernehmen, denn nicht immer ist Demokratie im Verein zielführend. Im Zweifel ihn fragen und dann läufts einfach.
Hand aufs Herz, wie oft hast du dich wiedererkannt? Jede einzelne Rolle ist für einen lebendigen Verein unverzichtbar und nur zusammen geben diese Menschen dem Verein das Gesicht!
