Allgemeine Berichte | 07.08.2026

„Heimat?Land!“ #012: Die Bunte Kuh bei Walporzheim

Die Bunte Kuh in Walporzheim. Foto: ROB

Manchmal braucht es nur ein wenig Fantasie. Wer im Ahrtal bei Walporzheim den Blick nach oben richtet, entdeckt hoch über der Rotweinstraße einen Felsen, der aussieht, als würde eine Kuh den Kopf in den Himmel strecken und laut muhen. Willkommen bei der Bunten Kuh, einem der bekanntesten Wahrzeichen des Ahrtals. Ja, diese Geschichte ist natürlich verlockend. Aber egal, wie sehr der geneigte Betrachter den Hals auch dreht: Diese Kuh sieht gar nicht mal so rindsmäßig aus. Aber abwarten: Milchvieh spielt hier noch eine Rolle.

Die markante Schieferformation thront an einer engen Felspassage des Tals direkt an der B267 und zieht seit Generationen die Blicke auf sich. Rund 15 Meter über der Straße ragt eine schmale, fast senkrechte Felsplatte aus dem Gestein. Ihre ungewöhnliche Form verleiht der Bunten Kuh ihren unverwechselbaren Charakter und macht sie zu einem der beliebtesten Fotomotive der Region. Woher der Name stammt, weiß heute niemand mit Sicherheit. Dafür gibt es gleich zwei schöne Geschichten. Die eine erzählt von moralisch ambivalenten Raubrittern, die an dieser Stelle ein geheimnisvolles Glöckchen hörten und ehrfürchtig niederknieten. Denn die Burschen waren grobe Halunken und überzeugte Frömmler in Personalunion. Da nirgend eine solche Glocke zu sehen war stand fest, dass nur der Herrgott allein für das liebliche Gebimmel verantwortlich sein musste. Eine himmlische Erscheinung blieb in der Legende aus, stattdessen tauchte jedoch nur eine bunt gefleckte Kuh mitsamt Glocke am Hals auf. Diese weltliche Erklärung für das Geläut mochten die Spitzbuben mal so gar nicht. Und was danach geschah, war eher unschön, und unschön war auch das Ende des armen Tiers.

Die andere Version aber nimmt es deutlich humorvoller: Französische Soldaten sollen den Ahrwein begeistert mit den Worten „C‘est bon de goût“ gelobt haben. Die Winzer verstanden daraus angeblich „Bunte Kuh“ – eine Geschichte, die mindestens so unterhaltsam ist wie ein gutes Glas Ahrwein. Ob‘s stimmt? Wer weiß! Es gilt jedoch als anzunehmen, dass sich die Franzosen vor diesem Ausruf der Wonne schon den ein oder anderen Spätburgunder hinter die Binde gekippt haben. Denn „C‘est bon de goût“ (sinngemäß: „Das ist von gutem Geschmack“) ist ein Satz, der von einem französischen Muttersprachler wohl in dieser Form eher selten bis gar nicht verwendet würde.

Ob Sage, Sprachwitz oder Zufall: Die Bunte Kuh gehört heute untrennbar zum Ahrtal. Umgeben von steilen Weinbergen, dunklen Schieferfelsen und den berühmten Rotweinlagen erzählt sie von der bewegten Geschichte der Region. Wer hier vorbeikommt, sollte ruhig einen Moment verweilen, nach oben schauen und selbst entscheiden, welche Geschichte zum Ursprung der Kuh ihm besser gefällt.

Wo gehts hin: Zur Felsformationen „Bunte Kuh“ gleich hinter Walporzheim

Wo muss ich hin: Ab Bad Neuenahr-Ahrweiler über die B267 Richtung Altenahr

Was nehme ich mit: Wie wäre es mit Hunger? Eine Gaststätte, die sich nach der Felsformation benannt hat, ist gleich um die Ecke

Über „Heimat?Land!“

In der Kolumne „Heimat?Land!“ schreibt Daniel Robbel, BLICK aktuell-Journalist und prämierter Reisebuchautor (111 Orte im Ahrtal die man gesehen haben muss, 111 Orte im Westerwald die man gesehen haben muss, 111 Orte an der Sieg die man gesehen haben muss) über die schönsten Ecken in der Region, inklusive Mittelrhein, Ahrtal, Westerwald und Siegtal.

Daniel Robbel. Foto: privat

Daniel Robbel. Foto: privat

Die Bunte Kuh in Walporzheim. Foto: ROB

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