Allgemeine Berichte | 14.08.2026

„Heimat?Land!“ #013 Hendrech on Jösef aus Bad Neuenahr

von Daniel Robbel

Hören gut zu und gucken genau hin: Hendrech und Jösef. Foto: ROB

Hinter der Kreuzigungsgruppe, direkt am Alter Markt im Herzen von Bad Neuenahr, sitzen am Springbrunnen zwei Herren aus Basalt, die offenbar seit Jahrzehnten ein Gespräch führen:Hendrech on Jösef. Die beiden verkörpern jene aufmerksamen Neuenahrer Bürger, die in den 1920er- und 1930er-Jahren mit offenen Augen durch den Badeort spazierten, überall ein Schwätzchen hielten und genau bemerkten, wo etwas nicht so richtig rundlief. Missstände wurden klar benannt, und Verbesserungsvorschläge gleich mitgeliefert. Gewissermaßen als Zwei-Mann-Bürgerinitiative mit Hut und Spazierstock.

Ob Hendrech und Jösef tatsächlich jemals so durch Bad Neuenahr gewandert sind, ist allerdings fraglich. Wahrscheinlich hat es sie in dieser Form nie gegeben. Aber es hätte sie unbedingt geben müssen. Deshalb setzte ihnen die Bürgergesellschaft Wadenheim e. V. im Jahr 1999, nur einen Steinwurf vom Alten Rathaus entfernt, ein Denkmal. Geschaffen wurden die beiden Figuren übrigens von den Bildhauern Johannes Netz und Gerd Hardy. Ganz neu waren die beiden damals allerdings nicht: Der Literat Philipp Bichler hatte Hendrech und Jösef bereits fast 25 Jahre lang in der Bad Neuenahrer Chronik auftreten lassen und ihnen damit bis in die 1990er-Jahre hinein ein literarisches Denkmal gesetzt.

Wer bei den beiden unwillkürlich an Tünnes und Schäl denkt, muss sich den Gedanken nicht schamvoll verkneifen. Es will ja schließlich irgendwie passen. Auch die berühmten Kölner Originale haben vermutlich nie wirklich gelebt, verkörpern aber zahlreiche liebenswerte Eigenarten ihrer Heimatstadt.

Was haben sie gemeinsam. Tünnes und Schäl sind kölsche Legenden, das ist klar. Und Hendrech und Jösef die Neuenahrer Antwort darauf. Und vermutlich würden beide Paare bei einem gemeinsamen Treffen erst einmal ausführlich besprechen, was in der jeweils anderen Stadt dringend verbessert werden müsste.

Wo gehts hin: Zu Hendrech on Jösef auf den Alter Markt in Bad Neuenahr

Wo muss ich hin: Von der Heerstraße auf die Kölner Straße, dann auf die Hauptstraße und weiter zur Ecke Jesuitenstraße

Was nehme ich mit: Ein offenes Auge und einen guten Blick für die Mitmenschen – ganz in alter Hendrech on Jösef-Manier

Über „Heimat?Land!“

In der Kolumne „Heimat?Land!“ schreibt Daniel Robbel, BLICK aktuell-Journalist und prämierter Reisebuchautor (111 Orte im Ahrtal die man gesehen haben muss, 111 Orte im Westerwald die man gesehen haben muss, 111 Orte an der Sieg die man gesehen haben muss) über die schönsten Ecken in der Region, inklusive Eifel, Mittelrhein, Ahrtal, Westerwald und Siegtal.

Daniel Robbel. Foto: privat

Daniel Robbel. Foto: privat

Hören gut zu und gucken genau hin: Hendrech und Jösef. Foto: ROB

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