Allgemeine Berichte | 09.04.2016

Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V.

Hochwertiger Kästner-Abend

Hans Georgi präsentierte den großen deutschen Zeitkritiker und Autor

Hans Georgi in der Rolle des von Erich Kästner erdachten Professor Bumke. privat

Niederzissen. Erich Kästner? Ach ja, den kennt doch jeder, den Autor von Geschichten wie dem „Fliegenden Klassenzimmer“, „Pünktchen und Anton“ oder „Emil und die Detektive“. Doch dass der 1899 in ärmlichen Verhältnissen bei Dresden geborene Schriftsteller viel mehr gemacht hat, als Kinderbücher zu schreiben, ist wenigen bekannt. Mit humorvollen und zugleich zeit- und gesellschaftskritischen Gedichten aus der Feder Erich Kästners führte der Kabarettist Hans Georgi jetzt einen zweistündigen Abend auf hohem Niveau in der voll besetzten ehemaligen Synagoge Niederzissen, zu dem der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins, Richard Keuler, Zuschauer begrüßte. „Die heutige kabarettistische Veranstaltung mit Lesung und Musik ist die erste dieser Art in den vier Jahren, seit wir die kulturellen Veranstaltungen hier in der Erinnerungs- und Begegnungsstätte durchführen und zeigt das breite Spektrum hochwertiger Kultur, um die wir uns bemühen."

Hans Georgi erfüllte mit seinem Programm „Die Welt ist rund – Erich Kästner für Erwachsene“ die Erwartungen der Zuhörer und zeigte virtuos die andere Seite des Schriftstellers. Geübt und pointiert trug er mal singend, mal rezitierend Kästners Lyrik vor. Wehmütig, bisweilen fast schon traurig, aber auch heiter und melancholisch begibt sich Hans Georgi mit den von ihm selbst vertonten Texten auf die Entdeckungsreise in ein Leben, das wie kein anderes von der deutschen Geschichte geprägt war. Erich Kästner erlebte zwei Weltkriege und die von Arbeitslosigkeit in der Wirtschaftskrise geprägte Weimarer Republik, was ihn zu der Aussage bewegte: „Wir sollen Kinder fabrizieren zum Löhne senken und Krieg verlieren“. Er sah persönlich das Verbrennen seiner Bücher durch die Nazis und kommentierte schließlich als Autor und Kabarettist den Aufstieg der Bundesrepublik aus dem Trümmerchaos, über das Wirtschaftswunder bis zu seinem Tod 1974.

Abwechslungsreich und aktuell

Wie abwechslungsreich sein Programm war, bewies Georgi endgültig, als er sich zwischendurch mal schnell verkleidete und in die Rolle des von Kästner geschaffenen Professor Bumke schlüpfte, der den „synthetischen Menschen“ in 14 Tagen erschaffen will oder in die Rolle eines Bankers mit Leierkasten, gekrönt mit dem Zitat „Der kann sich freuen, der die nicht kennt“. Der von ihm zwischen den Geschichten und Gedichten Kästners hergestellte Bezug zur Gegenwart zieht beklemmende Parallelen zu heute. Erich Kästner war gegenwärtig und mit ihm dabei Profalla, Seehofer, Claudia Roth und der Ohoven-Clan. Die hintergründigen Pointen sind kaum hörbar. Hans Georgi zuzuhören, bedeutet auch, zwischen den Worten zu lesen und nachzudenken. Das ist Erich Kästner pur, der sagen will: „Die Welt ist nicht besser geworden – der Mensch der Gleiche geblieben“.

Richard Keuler zeigte sich bei Hans Georgi für den hochwertigen kabarettistischen Abend erkenntlich, der jenseits der allgegenwärtigen Comedyshows zeigte, dass auch das klassische Kabarett lebt und die ehemalige Synagoge wie kein anderer Ort für Veranstaltungen dieser Art geeignet ist. Gleichzeitig wies er auf die nächsten Events hin. So wird am 7. Mai um 16 Uhr die Ausstellung „Pinsel & Linse“ mit Klothilde Ackermann und Christian Fuhrmann eröffnet, die samstags, sonntags und feiertags von 15 bis 18 Uhr geöffnet sein wird. Ein Bossa Nova Konzert, gewürzt mit prickelnden Anekdoten, unter dem Motto „Am Anfang war die Bossa Nova“, findet am Samstag, 28. Mai um 19 Uhr mit dem aus Köln stammenden Duo littleBOSSA in der ehemaligen Synagoge in Niederzissen statt.

Einlass ab 18.30 Uhr. Weitere Infos unter: www.littlebossa.de.

Musik vom Hof der Mauren-Juden-Christen, Cantigas de Santa Maria und sefardische Lieder aus AL-Andalus, Musik der spanischen Renaissance, so lautet der Titel des Konzertes am Sonntag, 5. Juni um 18.30 Uhr in der ehemaligen Synagoge Niederzissen mit der Mezzosopranistin Sabine Loredo Silva und der Harfenistin Giedre Šiaulyte. Einlass ab 18 Uhr. Karten- und Platzreservierung für die Veranstaltungen beim Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V., Tel. (0 26 36) 64 82 oder unter E-Mail: info@khv-niederzissen.de.

Hans Georgi in der Rolle des von Erich Kästner erdachten Professor Bumke. Foto: privat

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