Hochwasserpartnerschaft Ahr: zehnjähriges Bestehen mit Aus- und Rückblicken
„Hohe Strahlkraft auf andere Hochwasserpartnerschaften“
Jubiläumsveranstaltung war zugleich die 20. Sitzung des überregionalen Konstrukts
Bad Neuenahr-Ahrweiler/Heimersheim. Hochwasser und Starkregenereignisse, vor allem im Zusammenhang mit der Ahr und ihren Nebengewässern – diese Problematik war auch schon vor der verheerenden Flutkatastrophe 2021 ein Thema. So gründete sich vor zehn Jahren die seither stetig gewachsene „Hochwasserpartnerschaft Ahr“, der heute Vertreter der Städte, Verbandsgemeinden und Ortsgemeinden im Einzugsbereich der Ahr, also die Landkreise Ahrweiler, Euskirchen, Vulkaneifel sowie die rheinland-pfälzische Struktur- und Genehmigungsbehörde Nord angehören - als eines von insgesamt 24 Konstrukten dieser Art in Rheinland-Pfalz. Neben den Themen der Gewässerwiederherstellung, des überörtlichen Maßnahmenplans, der örtlichen Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte sowie der privaten Vorsorge der Bürger ist die Hochwasserpartnerschaft einer der Mosaiksteine des Hochwasserrisikomanagements für das Ahrtal. Unter anderem werden Fachvorträge gehört, Informationen über die Wissenschaft eingeholt und Umsetzungsvorschläge für den Hochwasserschutz erarbeitet.
Entwicklungeiner Sturzflutgefahrenkarte
Zur Starkregenvorsorge entwickelte man eine Sturzflutgefahrenkarte, in der drei Starkregenszenarien basierend auf dem Starkregenindex dargestellt werden. Die Arbeitsgruppen der Hochwasserpartnerschaft widmen sich auch dem flächendeckenden Aufbau eines aufeinander angestimmten Hochwassermeldesystems durch Pegel im gesamten Kreis sowie dem Wasserrückhalt in der Fläche. Diese Maßnahmen brachten Erfahrungswerte, auf deren Basis die Internetseiten des Landes zur Verhaltensvorsorge überarbeitet werden konnten. Bei Gefahrenlagen informiert die Kreisverwaltung die Bevölkerung fortlaufend. Derzeit wird eine crossmediale Kommunikationsstrategie für die Kreisverwaltung Ahrweiler entwickelt. Anlässlich des Jubiläums kam man kürzlich in der Landskroner Festhalle zur 20. Sitzung zusammen, diesmal jedoch nicht auf reiner Arbeitsebene, sondern auch, um anlässlich des Jubiläums zurück- und vorauszublicken. Im Rahmen einer interaktiven Präsentation zeigten Barbara Manthe-Romberg, Birgit Heinz-Fischer, Martina Ludwig, Corinna Becker und Sophie Ertel die Fortschritte und Ergebnisse der bisherigen Arbeit.
Hochwasserschutz alsGemeinschaftswerk von Kommunen, Staat und Betroffenen
Landrätin Cornelia Weigand betonte die hohe Frequenz der Hochwasserpartnerschaft-Workshops, insbesondere nach der Flutkatastrophe. „Der Hochwasserschutz ist eine gemeinsame Sache von Kommunen, Betroffenen und des Staates. Zugleich ist uns allen bewusst geworden, dass es gerade für die Umsetzung technischer Hochwasserschutzmaßnahmen eines verbindlicheren Rahmens bedarf. Die Grundsatzbeschlüsse zur Errichtung eines entsprechenden Gewässerzweckverbandes zusammen mit dem Land haben alle Kommunen bereits getroffen“, so Weigand. Die rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Katrin Eder unterstrich die Strahlkraft, die die Ahr-Partnerschaft mittlerweile auf andere Hochwasserpartnerschaften im Land ausübe. Die Ministerin zog Bilanz: „Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen 25 Jahren insgesamt fast 1,2 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert. Dazu zählen große Investitionen in technische Hochwasserschutzmaßnahmen wie Deiche, Polder, Hochwasserschutzmauern und Rückhaltebecken – insbesondere am Oberrhein. Daneben liegt der Fokus aber auch auf naturnahem Hochwasserschutz: Seit 1995 wurden bereits rund 1.600 Kilometer Fließgewässer in 1.800 Projekten renaturiert.“
Digitaler Hydro-Zwilling modelliert und visualisiert Hochwasserszenarien
Katrin Eder blickte aber auch nach vorne: „In wenigen Tagen stellen wir im Ministerium unseren Zukunftsplan Wasser vor, der unsere Richtschnur für die nächsten Jahre und Jahrzehnte sein soll. Zugleich entwickeln wir den 7-Punkte-Plan zur Hochwasservorsorge weiter und auch den digitalen Hydro-Zwilling des Landes, der gerade in die Pilotphase mit Ingenieurbüros gestartet ist. Mit dessen Hilfe sollen unter anderem regional differenzierte Starkregen- und Hochwasserszenarien modelliert und visualisiert, Maßnahmen zur Vorsorge und Schutz entwickelt und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.“
Die rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Katrin Eder zog Bilanz und blickte voraus.
