Allgemeine Berichte | 28.09.2016

Obere Burg Rheinbreitbach

„Ich glaub, jetzt hackt’s!“

Kabarettist Robert Gries war nach 5 Jahren wieder zu Besuch - Politiker und Steuerhinterzieher konnten sich den bissigen Pointen des Kölner nicht entziehen

Fast so perfekt wie „Queen Annie“ beherrschte Robert Griess die Raute. DL

Rheinbreitbach. Mit seinem Programm „Revolte“ war Robert Griess, laut Kölner Stadt-Anzeiger die frechste Klappe der Domstadt, 2011 das letzte Mal in der Oberen Burg von Rheinbreitbach. Am Sonntagabend konnte das Vorstandsmitglied des Förderkreises, Renate Mahnke, erneut den Kabarettisten ansagen, der dieses Mal glaubt: „Es hackt!“ und damit die zweimonatige Sommerpause beim Förderkreis Obere Burg beendete. „Er ist künstlerischer Leiter des Kölner Streithähne-Festivals für politisches Kabarett und hat schon für Thomas Freitag, Dieter Hallervorden und Käpt’n Blaubär Sketche geschrieben. Auf jeden Fall legt Robert Griess den Finger auf den wunden Punkt, wenn es um mangelnde Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft geht!“ kündigte Renate Mahnke den Kölner an.

„Ich bin direkt von einer Banken-Vernissage in Mainz zu Ihnen gekommen. Sie verstehen mich, aber da haben Künstler über Geld und Banker über Kultur geredet. Also jeder über das, was er nicht hat!“, witzelte der „kölsche Josef Hader“, Originalton Bayrischer Rundfunk. Und schon ging es weiter über den Privatisierungswahn bei der Bahn zu den Betriebswirtschaftlern, die schleichend die Weltherrschaft übernehmen und von der Riesen-Umverteilung der Vermögen auf die Banken ablenken. „Früher haben Gangster den Banken Geld geklaut, heute raubt die Bank ihre Kunden aus, weshalb man auch schon von ‚Bankstern‘ redet“, erfuhren die Rheinbreitbacher. Außerdem würden Aktien und Geld wie Lebewesen behandelt. Der Dax könne klettern, der Dow habe einen Nachnamen und es gebe sogar notleidende Kredite, so Robert Griess, um sich dann der Politik zuzuwenden.

Die Politiker bekommen ihr Fett weg

Etwa Ursula von der Leyen, dem Kreißsaalwunder aus Niedersachsen, das alles eisern wie ihre Stahlhelmfrisur weg lächele, selbst dass die 8,6 Milliarden teuren Marine-Hubschrauber wegen eklatanter Konstruktionsfehler nicht über offenen Gewässern fliegen können und dass das G 36 ausschließlich ein Sturmgewehr für den kalten Krieg sei. Schuld sei die Kanzlerin, die ihre Minister immer gegen deren Begabung berufe, bestes Beispiel: „Lothar die Misere und Sigmar Gabriel, die Hüpfburg der Sozialdemokratie“, erklärte der Kabarettist. Wie sollte ein Lehrer als Wirtschaftsminister die Probleme des Marktes lösen können. „Ausgerechnet Wolfgang Schäuble, der sich als seriöser Politiker bis heute nicht erinnern kann, wo die dubiose 100.000 Euro-Spende von Waffenhändler Karlheinz Schreiber geblieben ist, dem vertraut sie die Staatsfinanzen an“, monierte Robert Griess. Der griechische Ex-Finanzminister, Yanis Varoufakis, habe hinsichtlich der deutschen Werte zu recht gesagt, dass sein Land mit der Software von VW keine Schulden hätten. Natürlich bekamen auch Alexander Dobrinth, der „Maut-Spezi aus dem Taliban-Schweinshaxn-Kalifat“ und Andrea Nahles, „die zarte Sozialistenseele, gefangen im Körper einer russischen Kugelstoßerin“ ihr Fett weg, bevor Robert Griess Angela Merkel aufs Korn nahm.

Queen Angie

Je größer die Krise um so fester säße Queen Angie sie im Sattel. „Merkel ist, in sich ruhend wie ein Hydrant, die Rosamunde Pilcher der deutschen Politik: Viele Wörter, aber nichts sagen. Dabei ist selbst die CDU gespalten, ob sie die Enkelin Helmut Kohls ist, oder die späte Rache Honeckers an der BRD“, witzelte der Kabarettist, um sich dann denk-würdigen Politikeraussagen zu widmen wie der von Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich: „Wir müssen verhindern, dass aus Selbstmordattentätern Wiederholungstäter werden!“ Oder Ex-Landwirtschaftsministerin: Pferd in Rind ist eine Riesensauerei!“ Auch Ursula von der Leyen kam zu Wort mit ihrer Forderung, Eltern sollten nicht vor ihren Kindern betrunken sein, ebenso wie Reinhold Robbe, der ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestages. Der habe erklärt, in den 70er Jahren den Kriegsdienst verweigert zu haben, weil er nicht auf Verwandte aus Karl-Marx-Stadt haben schießen wollen. Dann der Zusatz: „Seit 1990 hat sich die Situation geändert!“ Und schon war der Kabarettist bei den 17 Millionen Wirtschaftsflüchtlingen der früheren DDR, heute Ost-Zone, angekommen, sie nach Definition der AfD - „Heil Höcke und Petry Heil“ - keine Berechtigung gehabt hätten hierherzukommen. Da lebe nur ein Viertel der Bevölkerung Deutschlands, aber es würden 60 Prozent der rechtsradikalen Straftaten begangen. „Rechter Terror läuft da unter Brauchtumspflege!“, vermutete Robert Griess, um sich dann zu erkundigen: „Was machen eigentlich die Grünen?“

Der grüne Theo nimmt Claudia Roth ins Gebet

Und schon verwandelte er sich dank Strick-Fluselmütze und Häkelschal in Theo, den frustrierten Oppositions-Grünen, der Claudia Roth ins Gebet nimmt. Etwa wegen des Burka-Verbots, wobei die „emanzipatorische Selbstverstümmelung“ für manche FKK-Urlauber an der Ostsee so was als Schutz schätzen würden. Angesichts der Befürwortung von Kriegseinsätzen im Ausland fragte er sich, ob die Vorsitzende Katrin Göring Eckardt nicht doch etwa mit dem EX-Luftwaffen-Hermann verwandt sei. Zustimmen könne er solchen Aktionen als ehemaliger Anhänger von Multikuli und der Friedensbewegung nur, wenn Krieg ohne Umweltschäden geführt würde, also ohne Diesel-Panzer. „Und nach dem Einsatz sitzt man dann im Stuhlkreis zusammen und arbeitet alles mit einem Schwarzen Afghanen auf!“, so Theo. Zu solchen Kompromissen war Edel-Asi Stapper us Kölle nicht bereit. Seit zehn Jahren auf Hartz IV neigt dieser Vertreter der Unterschicht eher zur Revolte gegen die „Elitten“, die sich nur die Taschen vollmachen, siehe Panama Paper. Von Max Strauß bis Uli Hoeneß reichte die Palette der bayerischen Steuerhinterzieher. Wenn der Uli gewusst hätte, dass man sich freikaufen kann wie Formel-1-Bernie, der für 100 Million in München sein Bestechungsverfahren losgeworden ist, wär er noch früher wieder FC-Präsident geworden. Da stockte schon Einigen im Konzertsaal der Oberen Burg der Atem, als der Edel-Asi seinen Finger tief in die Komfortzone des Wohlfühlmilieus steckte, indem er die Ergebnisse seiner „Rescherschen beim Goggel“ verkündete: „Cosa nostra, dat heißt: Mir san mir!“

DL

Fast so perfekt wie „Queen Annie“ beherrschte Robert Griess die Raute. Foto: DL

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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