Allgemeine Berichte | 18.02.2021

Zwischen Traum und Job: BLICK aktuell stellt berufliche Erfahrungen (außer)gewöhnlicher Menschen vor

„Ich kann das in meinem Beruf ausleben, was ich am liebsten mache: Musik!“

Interview mit Jürgen Winter, Musiker und Musiklehrer: „Nicht jeder, der ein Instrument spielt, ist ein guter Lehrer.“

Jürgen Winter ist Vollblut-Musiker. Besonders stolz ist er auf seine Platte, die auch den Song„Nordrach“ enthält, der Gegenstand eines Rechtsstreits mit Gary Moore war. Fotos: Privat

Sinzig-Westum. In der Reihe „Zwischen Traum und Job: Mein Beruf“ stellt BLICK aktuell die ganz persönlichen beruflichen Erfahrungen einzelner Menschen vor. Diese Woche beantwortet Jürgen „Judy“ Winter den Fragebogen zu seinem Beruf. Die große Frage: Eher Traum oder eher Job?

BLICK aktuell: Welchen Beruf üben Sie aus?

Jürgen Winter: Ich bin freischaffender Musiker, Komponist und Musiklehrer.

BLICK aktuell: Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Jürgen Winter: Musik steht seit meiner frühesten Jugend bei mir an erster Stelle, daher war es für mich klar, einen Beruf zu ergreifen, der mit Musik zu tun haben würde.

BLICK aktuell: Was überrascht die Menschen an Ihrem Beruf, wenn Sie davon erzählen?

Jürgen Winter: Die Vielseitigkeit. Als Musiker habe ich viele tolle Menschen und Musiker kennengelernt, mit denen ich unter anderem auch auf der Bühne stand: Alexis Korner, Golden Earring, Pete York / Spencer Davis Group, Joe Cocker und viele mehr. Als Komponist habe ich einen Plagiat-Prozess gewonnen, der zehn Jahre dauerte und den das Gericht in München dann zu meinen Gunsten entschieden hat. Als Musiker tourte ich durch ganz Europa und kann aus dieser Zeit viele Anekdoten erzählen. Als Musiklehrer ist die gewaltige Spanne sehr spannend: Mein jüngster Schüler ist 6 Jahre und mein „ältester“ Schüler ist 70 Jahre.

BLICK aktuell: Gibt es bestimmte Momente, in denen Sie immer wieder aufs Neue davon überzeugt werden, dass genau dies der richtige Beruf für Sie ist?

Jürgen Winter: Der Beifall nach einem gelungenen Konzert („Das Brot des Künstlers“), die Bestätigung im Unterricht. Gerade jetzt in dieser Zeit der Pandemie spüre ich, wie sehr mir zum Beispiel der Unterricht und meine Schüler fehlen. Welchen Spaß ich habe und welch eine Befriedung es mir gibt, meinen Schülern mein Wissen, mein Können und meine Erfahrung weiter zu geben, die ich mir in über 40 Jahren in der Musikbranche erarbeitet habe.

Ich hatte das Glück, sehr viele talentierte Musiker ausbilden zu können. Egal ob Gitarre, Schlagzeug, Bass, Keyboard oder Gesang: Wenn die Schüler am Ende ihres Unterrichts bei mir sagen: „Jürgen, es war toll bei dir!“ – das ist eine tolle Bestätigung. Mit vielen „Ehemaligen“ stehe ich heute, auch nach Jahren, noch in Kontakt und sie haben auch heute noch die ein oder andere Frage, die ich ihnen gerne beantworte. Aber auch wenn die ganz Kleinen mir was Selbstgebasteltes mitbringen und stolz sind, wenn es in der Musikschule einen Platz findet, weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe.

BLICK aktuell: Gibt es etwas an Ihrem Beruf, das Sie überrascht hat? Wurde Ihre Vorstellung, wie es sein würde, diesen Beruf auszuüben, bestätigt, oder sieht der Alltag doch teilweise anders aus, als Sie es erwartet hatten?

Jürgen Winter: Ich habe das Glück, Beruf und Alltag befriedigend zu verknüpfen. Überrascht hat mich, wie schwer es ist, in Deutschland als Musiker seinen Lebensunterhalt zu verdienen und akzeptiert zu werden.

BLICK aktuell: Was würden Sie gerne ändern: Womit verbringen Sie im Beruf mehr Zeit, als Sie es sich wünschen, und wofür haben Sie zu wenig Zeit?

Jürgen Winter: Musik ist mein Leben und ich kann das in meinem Beruf ausleben, was ich am liebsten mache: Musik!

BLICK aktuell: Hat sich Ihr Beruf im Laufe der Jahre stark verändert?

Jürgen Winter: Ja, es ist viel schwieriger geworden. Die Kids sind heute zum Teil mit vielem „Übersättigt“. Sie zum Üben und zum Fleiß zu motivieren ist um einiges schwieriger geworden. Pädagogisch muss man da heute natürlich ganz anders arbeiten als vor 40 Jahren.

BLICK aktuell: Würden Sie heute einem Berufseinsteiger, der Sie um Rat bittet, dazu raten, eine Karriere in diesem Bereich anzustreben?

Jürgen Winter: Anzustreben – Ja. Wenn er folgende Kriterien erfüllen kann: Man braucht Talent, Einfühlungsvermögen, Geduld, pädagogisches Wissen. Und dazu noch eine gehörige Portion „Liebe und Leidenschaft“ für diesen Job. Nicht jeder, der ein Instrument spielt, ist gleichzeitig ein guter Lehrer.

BLICK aktuell: Welchen Rat geben Sie diesem jungen Menschen mit auf den Weg?

Jürgen Winter: Du brauchst viel Durchhaltevermögen, ein bisschen Verrücktheit; Du musst in jeder Situation cool sein; Man muss immer an sich arbeiten. Musik bleibt nicht stehen, sondern entwickelt sich immer weiter. Musik ist ein „Full-Time Job“.

BLICK aktuell: Und zum Abschluss die ganz persönliche Stimmungsfrage: Ist Ihr Beruf momentan eher Traum oder eher Job?

Jürgen Winter: Musik ist mein „Lebentraumjob“. Ich würde es genauso wieder machen.

-MX-

? Weitere Beiträge der Reihe „Zwischen Traum und Job: Mein Beruf“

Der kleine Luke am Schlagzeugerfreut Judy Winters Musikerherz.

Der kleine Luke am Schlagzeug
erfreut Judy Winters Musikerherz.

Jürgen Winter ist Vollblut-Musiker. Besonders stolz ist er auf seine Platte, die auch den Song „Nordrach“ enthält, der Gegenstand eines Rechtsstreits mit Gary Moore war. Fotos: Privat

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