Scheuren feierte mit dem Bürger- und Junggesellenverein Kirmes
Im Mittelpunkt stand König Niclas Richarz mit Königin Verena Braun
Unkel. Mit der Party „Scheuren goes Mallorca“ startete am Freitagabend im nördlichen Unkeler Stadtteils „jenseits“ der Bundesstraße die traditionelle Scheurener Kirmes, die gemeinsam vom Sankt Joseph-Bürgerverein sowie dem Junggesellen- und Jungmädchenverein organisiert wird. Dabei hatte DJ Andy die Gäste im Festzelt auf dem Festplatz vor dem Kindergarten auf die liebste Urlaubsinsel der Deutschen entführt, auf der die Junggesellen offensichtlich zu lange und zu intensiv die Malle-Ferienstimmung genossen. Wie anders wäre es zu erklären, dass ausgerechnet im Jahr des 160. Stiftungsfestes die Kicker des Bürgervereins am Samstagvormittag nach dem traditionellen Fußballturnier auf dem Bolzplatz mit hocherhobenem Haupt und stolz geschwellter Brust von dannen zog. Erstmals seit neun Jahren hatten sie die Junggesellen geschlagen und das mit 2:1.
Als wenige Stunden später der Vorsitzende Kilian Rechmann die Gastvereine begrüßte, neben Junggesellen aus der VG Unkel auch Delegationen aus Hargarten und Ariendorf, hatten seine Mannen diese Schmach bereits überwunden. Außerdem stand mit dem Preisfähndelschwenken auch ein ganz anders gearteter Wettkampf auf dem Programm, bei dem es neben dem Amtspokal auch um den vom „Freitstaat Scheuren“ ging. Da sich den Juroren Klaus Dömlang, Sebastian Koch, Marcel Landau und Karsten Walbröhl aber nur der frisch gebackenen Siebengebirgsmeister Basti Lindlohr aus Bruchhausen, der neue Rheinlandmeister Dominik Schwager und sein Erpeler Vereinskamerad Kevin Weber sowie der amtierende Bundesmeister aller Klassen, der Unkeler Jan-Philipp Wallek, stellten, war klar, das beide Pokale an ein und denselben Fähnrich gehen würden. Da sowohl Kevin Weber als auch der Fähnrich aus dem Marien-Wallfahrtsort nicht ihren stärksten Tag erwischt hatten und Dominik Schwager gut eine Minute vor Ende des Rheinischen Schwenkmarsches die Fahne fallen ließ, hatten die Juroren keine Schwierigkeiten, dem Unkeler Fähnrich den ersten Platz zuzuerkennen.
Während fleißige Hände nach dem Schwenken begannen, den
Königstisch zu dekorieren, reiste auch schon die Band „Barbados“ an, die wie im Vorjahr zur frühen Abendstunden zum Königsball aufspielen sollte. Wer am Wochenende zwei Wochen zuvor beim Königsschießen auf dem Dorfplatz am Scheurer Dom nicht mitbekommen hatte, wer bei den Junggesellen nach über 400 Schüssen den Widerstand des Königsadlers gebrochen hatte, wunderte sich, dass Erik Strunk, eigentlich der Kirchenfähnrich des Vereins, Hauptmann Kilian Rechmann beim Aufstellen des Königszuges als Leutnant zur Seite stand und nicht Niclas Richarz. „Wir haben leider erstmalig seit den fünfziger Jahren keinen Kandidaten für das Ehrenamt des Bürgerkönigs gefunden, sodass Reinard Wolf noch eine Amtszeit durchhalten muss“, bedauerte Schriftführer Alfons Mußhoff, der zusammen mit seinem Stellvertreter Volker Thomalla die Bonkasse verwaltete, bis der Vorsitzende Uli Koch mit seinem Stellvertreter zum Aufbruch mahnte. Diese beiden Brüche langjähriger Traditionen wie das Fehlen eines neuen Bürgerkönigs und der Gewinn des Fußballturniers seien ein gutes Omen für das Fußballspiel um den Einzug ins EM-Halbfinale gegen Italien, versuchten die beiden dem bedauerlichen Ausfall einer Majestät noch etwas Gutes im Hinblick auf das abendliche Spiel abzugewinnen.
Einen solchen hatte im Vorjahr der Junggesellen- und Jungmädchenverein zu verkraften. So hatte seine Königin 2014 gerade erst zwei Amtsperioden hinter sich gebracht, als sie ihr ehemaliger Prinzgemahl Niclas als König erneut in dem Mittelpunkt auch der aktuellen Kirmes stellte. Zusammen mit ihren Ehrenpaaren, Lara Odenthal und Nils Regel sowie Lea Keller und Jasper Adenauer, warteten die jungen Majestäten hoch oben in der Josefstraße auf das Nahen des Königszuges, in den sich neben Stadtbürgermeister Gerhard Hausen Delegation der beiden andern Unkeler Bürgervereine um die Sankt-Pantaleon-Vorsitzende Käthemarie Hommerich und den Sankt Sebastianus-Vorsitzenden Helmut Bürger, dieser sogar mit dem Königspaar Hans-Willi und Gudrun Korf, eingereiht hatten sowie die Scheurener „Old Stars“.
Angeführt vom Tambourcorps „Rheinklänge“ Unkel machte sich der Königszug auf seinen Marsch durch den Ort, um dann vom Dorfplatz am Pütz vorbei das Königshaus anzustreben. Dort hatten sich schon viele Schaulustige versammelt, die ebenso fürstlich bewirtet wurden, wie die Vorsitzenden, Offiziere und Fahnenträger. Fest davon überzeugt, dass der Wettergott ein Freund der „Scurener“ Kirmes ist, übersah man die dunklen Wolken, die sich über dem Rheintal zusammenbrauten. So begann es zunächst leicht zu nieseln, als Niclas Richarz und Verena Braun zum Präsentiermarsch der KG-Bläser hinter ihren Ehrenpaaren das Spalier der Offiziere und Fähnriche durchschritt und von der Menschenmenge jubelnd begrüßt wurde.
Angesichts des zunehmenden Regens ging es dann zügig zum Dorfplatz, wo Niclas Richarz mit einem „Beziehungs-internen“ Kettentausch inthronisiert wurde. Nach einem dreimaligen Hochleben lassen der jungen Majestäten setzte sich der Königszug wieder in Bewegung und legte die kurze Strecke bis zum Festzug zurück, wo Niclas Richarz und Verena Braun mit dem Königswalzer den Kirmesball eröffneten. Der stand nach gut einer Stunde natürlich im Schatten des EM-Viertelfinalspiels, wobei der glückliche Ausgang des Elfmeter-Krimis frenetisch bejubelt wurde.
Da fiel es einigen schon etwas schwer, am frühen Sonntagmorgen, traditionell unter der fachmännischen Regie von Manfred Mönch das Altarbild zu legen. Aber auch der Letzte war nach dem gemeinsamen Frühstück im Scheurener Hof wieder so zu Kräften gekommen, dass die Prozession, die sich an das Kirchweih-Hochamt anschloss, keinen überforderte.
Beim anschließenden Kirmes-Frühschoppen im Festzelt spielten dann nicht nur die „Lau-Sitzer“ auf. Auch die Mitglieder der Sängergemeinschaft Unkel/Kasbach-Ohlenberg trugen am Sonntagmittag zur musikalischen Unterhaltung bei, bevor der Festtag am Nachmittag mit Kaffee und Kuchen ganz langsam ausklang, während die kleinen Kirmesgäste sich auf dem Mini-Kettenkarussell oder auf dem Rücken von Ponys amüsierten. Offizielles Emde der Scheurener Kirmes war jedoch wie in nahezu allen Orten im Rheinland die Beerdigung des Kirmesmanns, der nach einem letzten Zur-Schau-Stellen auf einer Tour durch den Ort und einem „Bier Unser“-Gebet gnadenlos verbrannt wurde, während Jungmädchen und Junggesellen beim Leichenschmaus noch einmal die Highlights der Kirmes Revue passieren ließen.
DL
