Allgemeine Berichte | 18.08.2020

Radentscheid Koblenz fordert sofortige Sanierung der Radwege

Innerhalb von zwei Jahren sollen alle maroden Wege repariert sein

In sieben Jahren soll ein durchgängiges, sicheres Rad- und Fußwegenetz gebaut sein – Das 1. Rad-Bürgerbegehren in Rheinland-Pfalz startet am 3. September

Besichtigung des „beschämendsten Radweges von Koblenz“ durch Radaktive: Die Horchheimer Brücke. Selbst die Zufahrt ist voller Löcher, Schotter, Asphaltschäden und zugewachsen. Die Rheinquerung ist viel zu schmal und gefährlich. Foto: privat

Koblenz. Nach intensiver Diskussion der inzwischen 85 Aktiven des neuen „Radentscheids Koblenz“ war man sich am Ende durchweg einig: Der Text der Unterschriftenliste für das erste rheinland-pfälzische Rad-Bürgerbegehren ist ausformuliert und einstimmig beschlossen. Die sieben Hauptziele reichen von konkret umzusetzenden Sofortmaßnahmen für die nächsten beiden Jahren über die Trennung von Rad- und Fußwegen und die Schaffung von Fahrradstraßen bis hin zu einer Beschleunigung der Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplanes und einer besseren Bürger*innenbeteiligung. Am 3. und 4. September wird zusammen mit Straßenaktionen auf dem Zentralplatz und in der Mainzer Straße mit der Unterschriftensammlung begonnen.

Besonders wichtig ist der Gruppe, dass sofort etwas passiert. „Alle haben gemerkt, dass Radfahren gesund ist und zugleich der Schlüssel für eine klimagerechte Verkehrswende in unserer Stadt. 30 Prozent mehr fahren seit Corona mit dem Rad, trotz der fehlenden Wege und trotz der Schlaglöcher und Autodominanz“, so Torsten Garate, der sich auch bei „Health For Future“ für Klimaschutz und Gesundheit engagiert. Eine Radlergruppe suchte vor der jüngsten Sitzung eine der „beschämendsten“ Wege in Koblenz auf, die Horchheimer Brücke. Waltraud Daum, die täglich das Rad nutzt, ist verärgert: „Wie hier die Stadt seit nunmehr rund 15 Jahren mit uns Radlern umgeht, ist ein Skandal. Die Rheinquerung ist viel zu schmal, und die Zufahrten bestehen aus Schotter und kaputten Asphaltresten. Schon OB Schulte-Wissermann hatte im Wahlkampf Abhilfe versprochen, passiert ist nichts. Die Bevölkerung der rechten Rheinseite ist regelrecht abgehängt.“ Solche Beispiele gibt es in Koblenz viele, auch in der Beatusstraße oder am Moselufer Moselweiß und Metternich. Die Abhilfe der Bauverwaltung und die Haushaltsansätze werden dem nicht gerecht.

Zielekatalog

Darum fordert das Bürgerbegehren in ihrem Zielekatalog u.a.: „Sofortmaßnahmen ergreifen - Bis Ende 2022: Alle schadhaften Rad- und Fußwege werden in einem Sofortprogramm saniert. Sie werden repariert, befestigt, verbreitert, ggf. abgesenkt, markiert, vernetzt und neu ausgeschildert. (Bsp. Beatusstraße, Horchheimer Brücke). Mindestens 10 Einbahnstraßen werden für Radverkehr in beide Richtungen geöffnet. In der gesamten Innenstadt gilt Tempo 30, wo dies rechtlich zulässig ist (Vorbild Mainz). An notwendigen Überführungen werden die Geländer radsicher erhöht (Bsp: Überführung Moselring). In beiden Jahren werden je fünf „Pop-up“-Radstraßen auf wichtigen Verbindungsstraßen eingerichtet und möglichst beibehalten (Bsp: Mosel¬weißer und Mainzer Straße). Fußgängerzonen und Fahrradspuren werden, wo sie nebeneinander verlaufen, sichtbar und getrennt markiert (Bsp. Rheinanlagen).“

Bei den übrigen sechs Zielen, die die Bevölkerung mit ihrer Unterschrift einfordern kann, steht die Schaffung eines alltags-tauglichen durchgängigen Netzes im Mittelpunkt. Schneller als im Verkehrsentwicklungsplan vorgesehen soll dies verwirklicht sein. Ziel 1 lautet darum: „Sicheres, durchgängiges Radnetz schaffen - Koblenz erhält in den nächsten 7 Jahren ein sicheres, durchgängiges Netz an Fahrradstraßen und Radwegen. Innerhalb von zwei Jahren werden mind. je zwei Ost/West- und Nord/Süd-Verbindungen geschaffen, die auch an Knotenpunkten unterbrechungsfrei geführt sind. Alle Schulen und Krankenhäuser sind angebunden sowie alle Stadtteile und größeren Betriebe. Die Maßnahmen des Verkehrsentwicklungsplanes zur Radinfrastruktur werden beschleunigt und bis 2027 abgeschlossen.“

Norbert Meyers ist die Trennung von Rad- und Fußwegen ein besonderes Anliegen: „Schließlich sind wir ja alle mal zu Fuß oder per Rad unterwegs. Wir sind die schwächsten und gefährdetsten Verkehrsteilnehmer. Die Konflikte müssen darum durch eine separate und gute Wegeführung abgebaut werden. Das hilft beiden Gruppen.“ Auch die „hilflosen“ Antworten der Verwaltung auf seine Eingaben machen ihn oft sprachlos. Dies nimmt auch Ziel 7 des Bürgerbegehrens ernst: „Maßnahmen unverzüglich und transparent umsetzen - Ein schriftlicher Bericht über den Umsetzungsstand der Ziele und städtischen Akquise von Rad-Verkehrsfördermitteln wird jährlich veröffentlicht und in Bürgerforen und Gremien diskutiert. Die Stadt Koblenz fördert das Radfahren im Alltag und in der Freizeit durch eine intensive Bürger*innenbeteiligung bei neuen Maßnahmen, durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit sowie das eigene Nutzer-Beispiel. Es wird eine Online-Meldeseite eingerichtet, in der man in eine Karte Radwege-Probleme eintragen kann. Von Verwaltungsseite wird dazu eine Stellungnahme eingetragen mit Zeitpunkt der geplanten oder bereits erfolgten Abhilfe.“

Aktiventreff am 25. August

Der Radentscheid Koblenz bereitet nun den Internetauftritt und die Auftaktveranstaltungen am 3./4.9. vor. Interessierte und Unterstützer*innen können zu diesen Veranstaltungen kommen oder zum nächsten Aktiventreff am 25. August um 18 Uhr im Gartengelände Moselweiß am Unterbreitweg. Der Weg ist vom Bhf. Moselweiß aus ausgeschildert. Weitere Infos auch bei: Egbert Bialk, Tel. (02 61) 94 24 96 38, Mail: e.bialk@t-online.de.

Besichtigung des „beschämendsten Radweges von Koblenz“ durch Radaktive: Die Horchheimer Brücke. Selbst die Zufahrt ist voller Löcher, Schotter, Asphaltschäden und zugewachsen. Die Rheinquerung ist viel zu schmal und gefährlich. Foto: privat

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