Rheinbreitbacher Timm Koch liest an der Oberen Burg
Irische Kurzgeschichten begeistern
Rheinbreitbach. Was macht ein junger Ire, dem die gesamte Apfelernte gestohlen wurde?
Wie meistert ein irischer Marathonschwimmer die Herausforderung, den Kanal zwischen zwei japanischen Inseln zu durchqueren?
Worüber denkt ein alter Fahrer eines alten Morris Minor 1000 laut nach, während der Tramper im Beifahrersitz immer wieder das Steuer festhalten muss, damit der Wagen nicht im Graben landet? Solche und weitere spannende Fragen sind Gegenstand der Kurzgeschichten von Timm Koch, die er in seinem im Januar 2016 erschienenen Buch „Zwei Tote in einem Sarg“ veröffentlicht und aus dem er nun in seinem Heimatort einige Kostproben präsentiert hat. Es war ausreichend Platz vorhanden für die rund 60 Gäste (plus zwei Hunde ), die sich am Gewölbekeller der Oberen Burg eingefunden hatten. Guinness, Cider und Whiskey standen bereit und vor allem schickte der Wettergott für die paar Stunden Sonne und angenehme Temperaturen nach Rheinbreitbach, sodass der umsonst und draußen Lesung, zu der die Rheinbreitbacher Bücherei in Zusammenarbeit mit dem Erie Verlag eingeladen hatte, nichts mehr im Wege stand. Timm Koch, der viel und weit gereiste Spross einer Journalisten- und Autorenfamilie, der für Film und Fernsehen arbeitet, verbringt viel Zeit im Südwesten Irlands, wo die Familie ein Anwesen besitzt. So hat er reichlich Gelegenheit, Land und Leute zu beobachten und verarbeitet das Material in seinen Kurzgeschichten, so wie einst Heinrich Böll in seinem Irischen Tagebuch. Seine Geschichten sind jedoch moderner, distanzierter, teilweise dokumentarisch. Sie streifen hier und da das Zeitgeschehen und lassen die Beziehungen zwischen Irland und Deutschland mit einfließen. Die Protagonisten sind recht ungewöhnliche Menschen, Aussteiger, schräge Typen. Der junge Mann, der Cider Man, pflanzt übrigens ein neues Apfelbäumchen, nimmt bei eisigem Wind ein heißes Bad unter freiem Himmel und träumt von der Apfelblüte des nächsten Jahres. Der Marathonschwimmer, der Ire in Japan versucht es einmal, und nochmal, und.....
Und wenn man von der guten alten Zeit spricht, dann fallen schon mal Namen wie Jack the Ripper...
Die Zuhörer der Lesung wissen es genauer. Der Autor selbst hat es ihnen in einer ruhigen und angenehmen Art vorgetragen. Gelegentliches Schmunzeln, Lachen oder Nicken ließen auf die Anwesenheit einiger Irland-Fans schließen, die Stimmung war gut, auch die Unterbrechungen durch den Glockenschlag der nahe gelegenen Kirchturmuhr taten dem keinen Abbruch. Man hörte eben, wie die Zeit vergeht, und das Schöne ist, man hat sie hier bei dieser Lesung aufs Angenehmste verbracht.
