Zum Treffen an Vatertag strömten die Fahrer und Freunde historischer Schlepper in Scharen nach Isenburg
Isenburg, ein Mekka für Liebhaber alter Traktoren
Isenburg. Waren es die hochsommerlichen Temperaturen mit Schönwettergarantie, oder der gute Ruf der Gemeinde als Veranstalter des Treffens: Zum Traktortreffen an Christi Himmelfahrt im idyllischen Sayntal kamen mehr Freunde robuster landwirtschaftlicher Nutzfahrzeuge als jemals zuvor. Es war mit über 80 teilnehmenden Traktoren eine Rekordbeteiligung. Ortsbürgermeister Deltef Mohr freute sich, äußerte im selben Atemzug aber die Befürchtung: „Wenn noch mehr kommen, kriegen wir das platzmäßig nicht mehr bewältigt! Es ist grenzwertig dieses Jahr, noch mehr Besucher kriegen wir nicht gestemmt.“
Beim Treckerkorso durch den Ort sind 46 Besitzer mit ihren wertvollen und größtenteils aufwändig restaurierten Schätzchen mitgefahren. Die Strecke führte über die Hauptstraße, von dort in ein Nebental zur Teichanlage Meißel, ins Tiefenthal und wieder zurück zum Dorfgemeinschaftshaus. Aber nicht nur die Fahrer waren es, die in Scharen die Veranstaltung aufsuchten. Detlef Mohr: „Es sind auch unglaublich viele Wanderer, die ihre Route so legen, dass sie bei uns in Isenburg Zwischenstation machen und sich stärken können.“ Auch viele Motorradfahrer auf ihrer Vatertagstour durchs Sayntal machten Station auf dem Treckertreffen. In dichten, langen Reihen standen die Maschinen der Biker am Straßenrand und boten einen zusätzlichen Blickfang zu den ausgestellten Traktoren. An fast jedem Fahrzeug entwickelten sich Fachgespräche zwischen Besitzern und Besuchern über Baujahr, Fahrleistungen und Restaurationsarbeiten der Landwirtschaftsmaschinen.
Aufgrund der aus der Gulaschkanone verkauften Wurst und der auf dem Grill gegarten Bratwürstchen ziehen Ortsbürgermeister Mohr und Franz-Josef Schmidt vom Vereinsring Rückschlüsse auf die Zahl der Besucher: „Es müssen über 1.000 Besucher hier gewesen sein!“
Trotz des Ansturms und der vielen damit verbundenen Arbeit betonen Franz-Josef Schmidt und Detlef Mohr den Spaß, der ihnen und den vielen ehrenamtlichen Helfer die Ausrichtung einer solchen Veranstaltung bereitet. Schmidt: „Es ist schön, wenn man die Menschen aus den Nachbarorten hier sieht und die vielen jungen Leute, die mit ihren Treckern hier hinkommen. Und die Fahrzeuge sind absolut sehenswert. Wir haben hier zum Beispiel einen Allgaier dabei, Baujahr 1950. Von dem gibt es noch genau drei Exemplare in Deutschland. Der kommt aus Großmaischeid und wurde in den fünfziger und sechziger Jahren im Lohnbetrieb für die Holzwirtschaft eingesetzt. Der stand lange Zeit unerkannt in einer Scheune und ist jetzt wieder aufgetaucht. Ich kenne den aus meiner Jugendzeit. Dieser Trecker wird, in dem guten Zustand, jetzt gehandelt mit 15.000 Euro!“
Viele Gruppen besuchten das Fest
Viele Fahrer kamen gleich in Gruppen nach Isenburg, so ein Team aus Wienau, eins aus Weitersburg, eins aus Ahrweiler. Aus Marienhausen, Marienrachdorf, Thalhausen, Anhausen und - sehr stark vertreten - Kleinmaischeid waren die Schlepper nach Isenburg gelenkt worden. Sogar sehr weite Anfahrten wie aus Neustadt/Wied nahmen die Fans in Kauf. Ein Teilnehmer des Treffens saß vorher zweieinhalb Stunden auf seinem Trecker, bis er Isenburg erreichte. Michael Weber kam aus Wesseling-Urfeld ins Sayntal. Für die 70 Kilometer lange Strecke hat er zweieinhalb Stunden Fahrzeit gebraucht, bei 25 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Von dem Treffen hat er aus seiner Oldtimer-Zeitung erfahren. Beizeiten wollte er sich wieder auf die Rückfahrt begeben, weil er am nächsten Morgen wieder früh aufstehen und zur Arbeit gehen musste. Aus Alsbach bei Höhr-Grenzhausen kam ein anderer Fahrer mit einem Lanz 2806 Baujahr 1954 zum Treffen. Der Traktor mit Mitteldruck-Motor, liegender Einzylinder, gehört ihm schon seit 30 Jahren. In Weitersburg, von wo ebenfalls eine Gruppe Trecker-Freunde angereist war, gibt es den Club „Freunde historischer Schlepper“ mit 22 Mitgliedern. Gründer war Hans-Günther Jösch, der in einer großen zweistöckigen Halle „ziemlich viele“ Traktoren, hauptsächlich Vorkriegsmodelle von Lanz und Hanomag, hegt und pflegt. Nach Isenburg ist er allerdings mit einem knatsch-gelben amerikanischen Ford Pickup Baujahr 1935 gekommen. Unter der Motorhaube arbeitet ein V8-Motor mit 300 PS. Für das Geld, das der Oldtimer kostet, könne man sich auch einen anständigen Mercedes kaufen, sagt Hans-Günther Jösch.
Fest wurde von Jahr zu Jahr größer
2009 haben die Isenburger das erste Treckertreffen organisiert. Der Grund war die finanzielle Unterstützung des örtlichen Gesangvereins Harmonie. Weil es ohnehin schon so viele Traktorbesitzer in Isenburg gab, lag die Idee nah, ein solches Treffen zu organisieren. Von da an wurde das Fest von Jahr zu Jahr größer. Später stieß der Heimat- und Verschönerungsverein als Veranstalter dazu. Letztlich unterstützen aber Mitglieder aller Vereine des Ortes das Event. Franz-Josef Schmidt: „Wir machen grundsätzlich viele Dinge hier im Ort gemeinsam. Wir sind stolz auf den Vereinsring. Viele Projekte, die der Ort alleine nicht stemmen kann, machen wir mit dem Verein zusammen.“ Ortsbürgermeister Mohr ergänzt: „Das stimmt.
Das bezieht sich auf alle Bereiche, sei es, wenn Manpower gefragt ist, oder Organisation oder Spenden. Wir haben vieles auch über Spenden finanziert. Wir haben einen Spielplatz für 20.000 Euro aus Spendenmitteln aufgebaut. Für einen Ort von 630 Einwohner ist das viel Geld.“
