Allgemeine Berichte | 18.06.2019

20 Jahre TheaterTotal in Waldorf

Jubiläum in Waldorf bei der Deutschlandtournee des Ensembles

Das Ensemble von TheaterTotal geleitete die Gäste zum „Midsommerlichen Zuckertanz“.Fotos:

Waldorf. Am vergangenen Wochenende feierte man in Waldorf einen runden Geburtstag. Das Ensemble von TheaterTotal gastierte in diesem Jahr zum 20. Mal in der Vinxtbachtalgemeinde. In diesem 20 Jahren waren über 500 junge Schauspielerinnen und Schauspieler in Waldorf zu Gast, die heute auch schon einen Namen haben und an namhaften Schauspielhäusern angestellt sind.

TheaterTotal wurde 1995 als Modellversuch von der Schauspielerin und Regisseurin Barbara Wollrath-Kramer initiiert. Sie war zuvor in ihren Schauspielkursen mit perspektivlosen und resignierten Jugendlichen konfrontiert, und sie entwarf daher ein Konzept, das Jugendlichen helfen sollte, Zukunftsängste zu erkennen und Eigeninitiative zu ergreifen. Das Konzept wurde in Form einer Ausbildungsstätte umgesetzt, die auf das berufliche, gesellschaftliche und private Leben vorbereitet, und war das erste TheaterTotal-Projekt. Sitz ist seit 1996 im Bochumer Stadtteil Wiemelhausen in den ehemaligen Verwaltungsräumen der Firma Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei, wo auch weitere Räume für Proben und Aufführungen genutzt werden konnten. Später fanden Vorstellungen in gemieteten Zelten und dem Theatersaal einer Schule statt, bis die Stadt Bochum dem Projekt das ehemalige Stadtarchiv zur Verfügung stellte. Mittlerweile konnte TheaterTotal die ehemalige St. Albertus-Magnus-Kirche als feste Spielstätte gewinnen.

TheaterTotal ist ein Ort, an dem junge Menschen und erfahrene Künstler sich begegnen. Unter der künstlerischen Leitung von Barbara Wollrath-Kramer gibt TheaterTotal jährlich 30 jungen und interessierten Erwachsenen die Möglichkeit, sich auf einer ganzen Band-breite kreativer Berufe auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Bei der Zusammenarbeit mit international bekannten, professionellen Künstlern werden die Teilnehmer in Schauspiel, Tanz, Gesang, Kostümschneiderei, Bühnenbild, Ton und Technik, Regieassistenz, Management, Fundraising, Grafik, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ausgebildet. Und nicht nur das: Sie planen, kochen, waschen, putzen, machen grundsätzlich alles selber, oder lernen, es zu tun. All ihre Kraft und Zeit widmen sie dem einen gemeinsamen Ziel – mit TheaterTotal zu begeistern. Der Name ist Programm, denn das Theater wird total, in all seinen Facetten hautnah erfahren. Aus gemeinsamem Engagement entsteht ein selbst erarbeitetes Theaterstück, das mit einer selbst organisierten Tournee in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgeführt wird. TheaterTotal möchte jungen Menschen Orientierung geben und damit Perspektiven schaffen für Leben und Beruf. TheaterTotal heißt: Lernen durch Erfahrung. TheaterTotal ist Träger des Robert-Jungk-Preises und wurde durch mehrmalige Einladungen zu den Jugendtheatertreffen der Berliner Festspiele ausgezeichnet. Aus einer jährlichen Bewerberzahl von 100 bis 150 Jugendlichen werden in einem Workshop 30 Jugendliche im Alter von 18 bis 25 Jahren für das Projekt ausgewählt. U. a. waren auch bereits Jugendliche aus der hiesigen Region im Ensemble von TheaterTotal wie auch Moritz Mundorf aus Waldorf. Während elf Monaten wird zusammen mit Tänzern und Choreographen des Tanztheaters Pina Bausch und Lehrern der Folkwang Hochschule im Ruhrgebiet in Essen eine Performance entwickelt und ein frei gewählter Klassiker inszeniert. Die erarbeitete Performance wird sechzehn Mal aufgeführt, das erarbeitete Theaterstück vierzig bis fünfzig Mal auf insgesamt rund dreißig Theaterbühnen aller Art. Die Teilnehmer vermarkten diese Produktion selbst und organisieren eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Jahrgang arbeitet in allen Bereichen einer professionellen Theaterproduktion von der Inszenierung über die Bühnentechnik und den Verkauf bis hin zur Durchführung der Aufführungen zusammen. Begleitend erhalten die Teilnehmer täglichen Unterricht in Schauspiel, Tanz und Körperarbeit. Daneben werden einzelne Workshops und Seminare in Malerei, Gesang, Fundraising, Bühnentechnik und Ernährungslehre abgehalten.

Die Initiatorin Barbara Wollrath-Kramer benannte als Ziel des Projektes die Bildung des Menschen durch Kunst zu eigenverantwortlichen und verantwortungsvollen Persönlichkeiten. Das Projekt lasse sich wie eine Zukunftswerkstatt im Sinne von Robert Jungk verstehen. Es sei der Versuch, neue Bildungsformen im Bereich der Kunst zu suchen und die Idee „Jugend lernt von Jugend“ umzusetzen. Deshalb gäben die Teilnehmer auf der Tournee Workshops an Schulen, um Erlerntes weiterzuvermitteln und könnten auf diesem Weg gleichzeitig praktische Erfahrungen im Anleiten von Gruppen sammeln.

Doch wie kommt TheaterTotal in die rund 900 Seelen-Gemeinde Waldorf? Im Jahre 1999 feierte Johannes Lübbertsmeier als Neubürger von Waldorf seinen 60. Geburtstag. Seine Kinder hatten das Jugendprojekt TheaterTotal aus diesem Anlass und aufgrund dessen, dass die eigene Tochter selbst im Projekt mitwirkte, nach Waldorf geholt. TheaterTotal fand quasi als Familienvorführung statt.

Dank des unermüdlichen Einsatzes von Gerburg und Johannes Lübbertsmeier in der Folgezeit gelang es, im Jahr 2000 TheaterTotal zum ersten Mal offiziell zu öffentlichen Aufführungen in der Vinxtbachhalle zu engagieren. Die Plakate kündigten das Stück „Der Meister und Margarita“ von Michaiil Afanassjewitsch Bulgakow an. Als Aufführungsort war im Plakat zu lesen die „Pfingstbachhalle“ in Waldorf. Diejenigen, die die Veranstaltung damals noch etwas skeptisch betrachteten, wurden eines besseren belehrt. Man sah anspruchsvolles Theater von Jugendlichen, die engagiert und begeistert die einzelnen Rollen lebten.

„In den folgenden Jahren entwickelte sich TheaterTotal in Waldorf und wurde nicht nur zu einem Markenzeichen im Vinxtbachtal. Auch im Breisiger Ländchen und darüber hinaus im Ahrtal, Brohltal und Rheintal ist das Jugendtheater bekannt geworden., Selbst Besucher aus Köln, Bonn und Koblenz scheuen nicht die Entfernung nach Waldorf“, stellte Ortsbürgermeister Hans Dieter Felten bei der Matinee-Veranstaltung für die Gasteltern, Förderer und Unterstützer am Samstag, 15. Juni 2019, erfreut fest. Nach anfänglichen Berührungsängsten stehe die Mehrzahl der Waldorfer hinter der Idee von TheaterTotal und sei in Waldorf kaum noch wegzudenken.

Aber auch die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler hätten Waldorf jedes Jahr aufs Neue in ihr Herz geschlossen. Dem Tourneestandort Waldorf eile bei den jeweiligen neuen Jahrgängen bereits ein Kultstatus voraus. Sie seien von der Herzlichkeit, von der sie von den jeweiligen Gasteltern empfangen würden, stets beeindruckt. Während des Aufenthaltes in Waldorf seien sie Bestandteile der Gastfamilien. Gerne erinnerten sich die Schauspielerinnen und Schauspieler an Waldorf zurück. Fand in den ersten Jahren jeweils nur eine Aufführung statt, stellte man aufgrund der steigenden Nachfragen schnell fest, dass man die Vinxtbachhalle auch in zwei oder drei Aufführungen füllten konnte. Hinzu kommen in den letzten Jahren auch jeweils zwei Schüleraufführungen, die regen Zuspruch bei den Schulen aus dem näheren Einzugsgebiet fanden. „Heute können wir mit Stolz sagen: „TheaterTotal hat unsere kleine Vinxtbachtalgemeinde Waldorf weit über die Grenzen des Kreises Ahrweiler hinaus bekannt gemacht“, bemerkte Ortsbürgermeister Felten in seiner Laudatio.

Auch Kreisbeigeordneter Horst Gies (MdL) sprach in seinem Grußwort von „großem Kino“ in Waldorf. „Für Außenstehende ist es sicher erstaunlich, dass hier Sommer für Sommer in der stets ausverkauften Vinxtbachhalle Bühnenstücke der Weltliteratur dargeboten werden, und dies in einer Qualität, die den Vergleich mit den Großstadtbühnen nicht zu scheuen braucht“, stellte Gies belobigend fest. Schon allein die Tatsache, dass sich Waldorf in bester Nachbarschaft mit großen Städten wie Berlin, Hamburg, Leipzig oder Würzburg auf dem jährlichen Tourneeplan von TheaterTotal befindet, käme einer Auszeichnung gleich.

Auch Bürgermeister Bernd Weidenbach dankte im Namen den Verbandsgemeinde Bad Breisig. TheaterTotal in Waldorf sei aber auch eine Bereicherung für die Schauspielerinnen und Schauspieler. „Durch die gelebte Gastfreundschaft bleibt Waldorf bei Ihnen in bester Erinnerung, weil sie Menschen vorfinden, die auf sie warten“, stellte Weidenbach unter großem Beifall fest. Barbara Wollrath-Kramer dankte ihrerseits im Namen von TheaterTotal für die in Waldorf erlebte Willkommenskultur in all den Jahren und leitete über zu dem „Midsommerlichen Zuckertanz“, den das Ensemble auch unter Einbeziehung der Gäste sodann in der Vinxtbachhalle aufführte. Hier kam dann etwas Wehmut auf, als man Gerburg Lübbertsmeier nach nunmehr 20 Jahren für die Zukunft in die Gastrolle verabschiedete. Mit großem Beifall verabschiedeten die Gäste und auch der diesjährige Ensemble-Jahrgang Gerburg Lübbertsmeier. Alle sprachen die Hoffnung aus, dass TheaterTotal auch künftig vom Vorbereitungskreis in Waldorf bestens betreut werde.

Für den Vorbereitungskreis hatte Elke Mercer zu Beginn der Veranstaltung bereits Grußworte an die Gäste und das Ensemble gerichtet, in dem auch allen Unterstützern ihren Dank aussprach und den Wunsch äußerte, auch in Zukunft auf die Unterstützung zählen zu können.

WK

Gerburg Lübbertsmeier nahm die Gratulation von Kreisbeigeordneten Horst Gies (MdL) und Ortsbürgermeister Hans Dieter Felten (von links) entgegen.

Gerburg Lübbertsmeier nahm die Gratulation von Kreisbeigeordneten Horst Gies (MdL) und Ortsbürgermeister Hans Dieter Felten (von links) entgegen.

Das Ensemble von TheaterTotal geleitete die Gäste zum „Midsommerlichen Zuckertanz“.Fotos:

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
Dauerauftrag 2025
Image Anzeige
Anlagenmechaniker
Praxis an neuem Standort
Titelanzeige
Maifest in Gönnersdorf
Minijob
Innovatives rund um Andernach
Servicemitarbeiterin
Empfohlene Artikel
Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung.Foto: Stadtverwaltung Andernach / Regina Unruh
17

Andernach. Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung. Gleichzeitig verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz in der Grünflächenpflege.

Weiterlesen

Die Kreisverwaltung in Koblenz. Foto: ROB
40

Kreis MYK. Im Mai 2026 findet im Kreis Mayen-Koblenz die Bundeswehrübung „Gelber Merkur 2026“ unter der Leitung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum statt. Der Zeitraum dieser Übung erstreckt sich vom 8. bis 22. Mai, und die Aktivitäten sind nicht nur auf Standort- oder Truppenübungsplätze beschränkt. Die beteiligten Kräfte bewegen sich auch im öffentlichen Raum, was dazu führen kann, dass Schussgeräusche durch den Einsatz von Platzpatronen wahrnehmbar sind.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nadine Kreuser.  Foto: privat
3

In Ahrweiler gehört es fest dazu: das Maibaumstellen. Gemeinsam werden die großen geschmückten Bäume aufgerichtet – mit viel Vorbereitung, Muskelkraft und Gemeinschaftssinn. Gleichzeitig sieht man in diesen Tagen vor vielen Häusern kleinere Maibäume stehen. Sie werden meist ganz persönlich aufgestellt: als Zeichen der Zuneigung, der Verbundenheit oder einfach, um einem Menschen zu zeigen: Ich denke an dich.

Weiterlesen

Symbolbild.
19

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Dr. med. Patrick Löhr, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie des Evang. Klinikums Westerwald (EKW), Leiter des zertifizierten Endoprothetikzentrums der Maximalversorgung (EPZ max.).  Foto: Anja Nassen
13

Hachenburg. Wenn konservative Therapien nicht mehr helfen, kann ein künstliches Gelenk die Lebensqualität deutlich verbessern. Doch viele Betroffene stellen sich die Frage, was vor einer Operation zu beachten ist und wie die Zeit danach optimal gestaltet werden kann.

Weiterlesen

Imageanzeige
Heizölanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Maibaumstellen Heimersheim
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Maifest in Gönnersdorf
Maifest Gönnersdorf
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Stellenanzeige Kaufmännische/r Angestellte/r
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Handwerker im Außendienst
Gesundheit im Blick
Erzieher
Gesundheit im Blick
Biker Segnung
Innovatives rund um Andernach