„Schnittchen“ bringen neuen Schwung in die Anhausener Kirmes
Junge Frauen aus dem Dorf unterstützen die Kirmesgesellschaft
Jan-Erik Jannasch und Sarah Wagner waren das Kirmespaar
Anhausen. Im Kirchspiel war die Zeit für das Kirchweihfest gekommen. Der Tradition folgen am selben Wochenende die beiden Orte Anhausen und Meinborn. In beiden Gemeinden wurde drei Tage lang kräftig und nach Herzenslust gefeiert. In Anhausen sorgten die „Schnittchen“, ein loser Zusammenschluss von Mädchen und jungen Frauen aus Anhausen, und die Mitglieder der Kirmesgesellschaft mit ihren Mädchen für einen reibungslosen Ablauf und Stimmung bei den Besuchern. Offiziell begann die Anhausener Kirmes am Samstagabend mit der Party im Gemeinschaftshaus. Der inoffizielle Start war bereits am Freitag mit dem Kranzbinden für den Kirmesbaum und der Verlesung der Kirmespaare. Diese Paare werden jedes Jahr neu zusammengestellt und gewählt. Das in der ersten Reihe stehende Kirmespaar ist in diesem Jahr Jan-Erik Jannasch und Sarah Wagner. Insgesamt nahmen an der Kirmes elf Kirmespaare teil. Weil die Mädchen in der Überzahl waren, mussten vier Kirmesjungs zwei weibliche Begleiterinnen übernehmen. Worüber sich aber niemand beschwert hat.
Aufstellung des Kirmesbaumes
Traditionell kommen die Kirmesjungs am Samstagabend im feinen Anzug zum Tanzabend ins Gemeindehaus. Den Grund erklärt Jonas Frommann, der Vorsitzende der Kirmesgesellschaft: „Der Anzug kommt daher, weil wir samstagsabends zu unseren Kirmesmädchen zum Abendessen gehen. Das ist schon seit Ewigkeiten so.“ Zuvor hatten die Mitglieder der Kirmesgesellschaft den geschmückten Baum aufgestellt. Im Dorfgemeinschaftshaus spielte am Abend die Partyband „First Beat“. Tagsüber konnten sich die Kinder an den Kirmesbuden und auf dem Karussell vergnügen. Spannend wurde es am späten Samstagabend, als die Kirmesgesellschaft noch zwei Auftritte vor der Bühne hatte. Der erste war ein eingeübter Squaredance-Tanz in Cowboykleidung, den die Mädels und Jungs der KG sehr schön synchron und rhythmisch hinbekamen. Der entsprechende Jubel des zahlreichen Publikums war entsprechend groß. Der zweite Auftritt waren Sängerparodien von Michael Jackson, Heino, Helene Fischer und Adele. Das brachte die Stimmung im Saal dann endgültig zum Kochen.
Festumzug durch den Ort
Am Sonntag um 14 Uhr startete der Festumzug durchs Dorf. Der Spielmannszug Leutesdorf sorgte für die richtige Marschmusik und die Kinder von Anhausen hatten ihre Fahrräder bunt geschmückt. Anschließend zog man wieder in die Festhalle ein, wo ein Alleinunterhalter den Gästen Kurzweil verschaffte. Es gab selbst gebackene Kuchen und eine große Tombola. Der Hauptpreis war ein Fernseher, es gab aber auch eine elektrische Heckenschere oder zum Beispiel einen Staubsauger-Roboter zu gewinnen.
Am Montag gab es einen Frühschoppen Verköstigung. Die zuvor im Dorf gesammelten Eier wurden zum Metzger Braun in der Metzgerei Bamberger gebracht, der die Eier und den Speck backt. Mittags gab es Freibier, das von den Spenden finanziert wurde, die die Mitglieder der Kirmesgesellschaft in den Wochen zuvor bei den ansässigen Firmen gesammelt hatten. So eine Kirmes und die Vorbereitungen bedeuten immer auch einen großen finanziellen Aufwand. Dafür gibt es in Anhausen eine besonders schöne Lösung: Zwei Wochen vor der Kirmes gehen die Kirmesjungs in den Gemeindewald, wo ihnen ein kleiner Schlagraum zur Verfügung gestellt wird. Das dort geschlagene Holz, in diesem Jahr 25 Raummeter, verkauft die KG und finanziert damit ihre Kirmesausgaben.
Auch von anderer Seite erhält die Kirmesgesellschaft große Unterstützung, nämlich von dem Anhausener „Schnittchenclub“. Nach verschiedenen organisatorischen Konzepten, mal mit kompletter Eigenleistung der Kirmesgesellschaft, mal mit Vergabe der Ausrichtung an externe Veranstalter, haben Kräfte aus der Ortsgemeinde das Fest in diesem Jahr wieder komplett selbst in die Hand genommen. Die Organisation und Bewirtung übernahmen die Mädchen und jungen Frauen des Schnittchen-Clubs.
Die Kirmesorganisation übernimmt der Schnittchen-Club
Die Vorsitzende des Anhausener Schnittchen-Clubs ist Sarah Kutscher. Sie beschreibt die Situation am Samstagabend so: „Ich und alle anderen Frauen im Schnittchen-Club, wir haben jahrelang schon die Kirmes mitgemacht. Wir sind 15 Mädels, das ist unsere alte Clique, einige wohnen auch schon nicht mehr in Anhausen. Vor sechs Jahren haben wir verabredet, uns jeden letzten Freitag im Monat zu treffen, mal in Anhausen, mal in Frankfurt, mal in Engers. Einige von uns kriegen auch schon Kinder. Wir haben gesehen, wie in den letzten Jahren die Tradition etwas darunter gelitten hat, dass die Kirmes von externen Veranstaltern durchgeführt wurde. Es kamen immer weniger Besucher. Deshalb haben wir gesagt, wir nehmen das jetzt mal in die Hand. Entweder klappt es, oder es klappt nicht. Dieses Jahr ist die Premiere. Wir sind momentan Tag und Nacht mit der Kirmes beschäftigt. Die letzte Nacht hatten wir alle nur drei Stunden Schlaf. Aber es macht uns Spaß. Wir sehen, die Gäste haben Spaß, die sagen, so eine Kirmes hatten wir seit Jahren nicht mehr. Wir kommen mit dem Zapfen fast nicht mehr nach. Es boomt richtig!“ Zu der Zeit waren bereits knapp 200 Gäste im Gemeindehaus. Die wurden von rund 40 Schnittchenclub-Frauen und ihren Helfern bewirtet. Sehr lobt Sarah Kutscher die ehemaligen Burschen und die Ortsgemeinde. Ohne deren Unterstützung wäre das Experiment der Schnittchen vermutlich misslungen, glaubt Sarah Kutscher. Aufgrund der guten Erfahrungen mit der „neuen“ Anhausener Kirmes ist sie überzeugt, dass sie und die Schnittchen auch nächstes Jahr wieder die Kirmes ausrichten.
