Karnevalsausklang mit altem Brauch
Pomster. Am Veilchendienstag wurde am Nachmittag der Strohbär durch den Ort Pomster geführt. Der Brauch wird seit Jahrzehnten gepflegt, gilt immer als eine besondere Attraktion im dortigen Karneval. In dieser Form besteht der Brauch nur noch an wenigen Orten in der Region. Es heißt, dass er möglicherweise eher aus der schwäbisch-alemannischen Fasnacht stammt, er hat aber vereinzelt Einzug im rheinischen Raum gefunden. Rund ein Dutzend Männer begleiteten den „Strohbären“. Man zieht mit ihm von Haus zu Haus, wird bereits erwartet, und gegen einen kleinen Umtrunk ist die Gruppe auch nicht abgeneigt. Für den Strohbären ist der Umzug durchaus recht strapaziös, nicht nur etliche Kilo Stroh sind eine Last, auch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit fordert ihren Tribut.
Nur Männer betreiben den Brauch: Man argumentiert, dass die Frauen sich ja schon an Weiberdonnerstag gut amüsieren durften. Die zum Strohbären ausgewählte Person wird ganz in langfaseriges Stroh eingebunden, nur der Kopf schaut hervor. in Einzelfällen gibt es andernorts Ähnliches als „Reisigbären“ oder „Erbsbären“, hier werden dann Birkenreiser oder das Stroh der Futtererbse zum Einkleiden des Strohbären verwendet. Vorwiegend in landwirtschaftlich geprägtem Umfeld ist der Brauch zu finden. Der Name des jeweiligen Strohbären wird übrigens grundsätzlich nicht genannt. In manchen Orten wird nicht nur ein Strohbär, sondern eine kleine Gruppe von ihnen durch die so genannten Bärenführer begleitet. Der Zug mit dem Strohbären durch den Ort symbolisiert den Auszug des Winters und soll eine Begrüßung des nahenden Frühjahrs darstellen, so eine mögliche Erklärung, die allerdings nicht unumstritten ist. Mit dem Umzug ist seit dem Mittelalter jeweils auch eine Heische („Kötten“) verbunden, man sammelt Lebensmittel, die man am Abend gemeinsam verzehrt. Gelegentlich heißt es, dass der Brauch mit dem so genannten „Wilden Mann“ des Mittelalters zu tun hat, der das Unheil und Unglück verkörperte, das jetzt gebannt werden soll. Der Wilde Mann wurde meist als wild behaarter Waldmensch dargestellt, hier spielt auch der Aberglaube mit. Eine weitere Deutung führt das Umherführen des Strohbären auf die früher durch Spielleute über die Orte geführten Tanzbären zurück.
„Wir pflegen den Brauch auch weiterhin, er gehört einfach zum Ort“, so die Männer beim Zug durch Pomster. Im Ort wird seit jeher auch der Weiberdonnerstag gut gefeiert, die Möhnen ziehen dann mit einem Handwagen durch den Ort, haben Gebäck und „flüssige Muntermacher“ an Bord des geschmückten Wägelchens und machen Einkehr, wo sie willkommen sind.WD
