Allgemeine Berichte | 19.05.2023, 09:09 Uhr

Zehnthaus Kolumne (47) Schule im Zehnthaus (2)

Kinder besuchen das Zehnthaus

Erinnerung an die Bauruine Stand 1971. Foto: Klaus Peter Scholz
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Odendorf/Essig. Nach der Errichtung des Zehnthauses 1726, damals hatte Odendorf rund 300 Einwohner, gab es eine sehr vielfältige Nutzung. Zunächst als Lagerort für den Zehnten. Als Folge der Politik Napoleons zur Klosterenteignung und zur Auflösung der Zwangsabgabe des Zehnten wurde das Haus 1810 an einen Einwohner in Essig verkauft, später als Poststelle genutzt und bis 1971 als Mietshaus bewohnt. Der Zehnthofplatz wurde von der Gemeinde als dörfliches Zentrum ausgebaut, das Zehnthaus jedoch – inzwischen als Baudenkmal eingestuft – war dem Verfall preisgegeben. Hier schließt sich der Kreis zur Gründung des Vereins Zehnthaus im Jahre 1974, der sich die Rettung des Baudenkmals auf die Fahne geschrieben hatte. Ziel ist die Restaurierung und die Nutzung des Hauses durch die Bevölkerung. Und siehe da: die Kinderschar ist gut informiert. Tauf-, Kommunions- und Konfirmationsfeiern, Hochzeiten und Familienfeste aller Art finden im Zehnthaus statt. Ein in der Region wohlbekanntes und geschätztes Mietobjekt!

Natürlich wird auch die Odendorfer Fahne vorgestellt, die der Bundesrepublik und die der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Wir haben bereits gelernt: Das Zehnthaus ist ein Baudenkmal. Das wird dokumentiert durch die an der Nordseite angebrachte Plakette und ist verbunden mit der Pflicht, das Haus in seinem ursprünglichen Zustand zu belassen. Veränderungen bautechnischer oder architektonischer Art sind nicht erlaubt. Außerdem muss der Erhalt des Hauses sichergestellt sein. Das bedeutet für den Verein eine große Verantwortung, auch finanzieller Art. Das verstehen Kinder sehr wohl.

Lernpädagogischer Schwerpunkt ist die Erinnerung an die Zahl 1726, das Jahr der Erbauung des Zehnthauses. Diese Zahl wird im Sprechgesang mehrfach wiederholt, um sie sich einzuprägen. Damit verbunden ist die Aufforderung, am Abend die Eltern nach diesem Datum zu fragen. Motto: Wir wissen mehr als unsere Eltern.

Es folgt die Begehung des Speichers. Die Treppe dorthin ist noch enger und steiler als die zum Kartäuser-Saal. Der Speicher bietet viel Platz, man kann uralte Balken bewundern, die scheinbar vom Holzwurm befallen sind, tatsächlich aber sind sie gut restauriert.

Insgesamt vermittelt uns der Speicher eine etwas abenteuerlich eingefärbt Stimmung. Ein verlassenes Wespennest, ein präparierter Uhu und der diskrete Hinweis auf mögliche Fledermäuse erzeugen eine Mischung aus Interesse und leichten Bedenken. Man kann nie wissen – also Vorsicht. Im Vorstandszimmer (Archiv) gibt es dann zur Belohnung eine Auswahl an verschiedenen Präsenten, wobei Deutschland- Caps, Wasserpistolen und Sonnenbrillen der Renner sind.

Wir sind wieder im Erdgeschoss im Maria-Stern-Saal. Von hier beginnt der Abstieg in das „Verließ“ im Kellergewölbe. Vorsicht ist geboten, Köpfe einziehen und hinein in die Dunkelheit. Kerzenlicht erhellt den Raum, schwere Eisenringe lassen die Fantasie über die Nutzung spielen. Nein, es waren keine Gefangenen, die hier eingeschlossen waren, vermutlich wurde hier eher Wein gelagert. Um aufkommende Angstzustände zu überwinden, singt die Klasse mit Inbrunst das Schullied der Schule am Zehnthof. Das macht wieder Mut. Als wir wieder das Tageslicht sehen, kann man in einigen Gesichtern durchaus Erleichterung erkennen. Zum Abschied steht ein Klassenfoto vor dem Zehnthaus auf dem Programm. Der sprudelnde Brunnen auf dem Zehnthofplatz ist eine Versuchung. Im Nu sieht sich die Klassenlehrerin durch ihre Schüler einer Wasserpistolenattacke ausgesetzt. Sie nimmt es gelassen. Abmarsch wieder in Doppelreihe – bis zum nächsten Jahr!

Klaus Peter Scholz

www.verein-zehnthaus.de

Wo ist die Fledermaus? Foto: Konrad Biewald 2011

Wo ist die Fledermaus? Foto: Konrad Biewald 2011

Das Wespennest auf dem Speicher. Foto: Sammlung Zehnthaus

Das Wespennest auf dem Speicher. Foto: Sammlung Zehnthaus

Erinnerung an die Bauruine Stand 1971. Foto: Klaus Peter Scholz

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