Amateurfilmabend im Bad Breisiger Jugend- und Kulturbahnhof
Kino-Atmosphäre mit Wein statt Popcorn und filmischen Leckereien
Bad Breisig. Kinogefühle ja, Kino nein. Die Veranstaltung des Film- und Fotoclubs Ahrweiler e. V. unterscheidet sich vom „echten“ Kino in einem ganz wesentlichen Punkt. Hier treffen wir nicht auf die Welt der kommerziellen Filmindustrie und deren Produkte, sondern auf mit Herz und Seele gedrehte Amateurfilme. Spaß an der Freude ist die Antriebsfeder, nicht der eingespielte Kassenerfolg. „Eintritt frei“ verspricht dann auch der Flyer-Spenden in das bereitgestellte Porzellan-Sparschwein sind aber nicht unerwünscht. Denn selbst diese Art, ein kleines Publikum mit „Selbstgedrehten“ zu unterhalten, kostet Geld. Das erklärt der Flyer sehr nett, der eine Seite der Erstellung (neudeutsch: Making of) des Films „Lieber Edmund“ widmet. Doch mehr dazu später, wenn die neun Filme des Abendprogramms vorgestellt werden.
Neun Filme werden präsentiert
Ja, es sind tatsächlich neun Filme (plus Zugaben) auf dem Programm, die sich von der Länge her meist im 4 bis 5 Minuten-Bereich bewegen. Und damit erfreut der Film- und Fotoclub Ahrweiler wieder einmal mit filmischen Appetithäppchen. Schon beim Streifen „Tim und Tom“, der einen mehr als unprofessionellen Überfall auf eine Tankstelle zeigt, amüsieren sich die Zuschauer köstlich. Der Überfall misslingt immer wieder aus einfachen Gründen. So haben die Täter einen großen Berg Geldscheine auf der Kassentheke vor sich liegen, können ihn aber nicht mitnehmen, weil sie vergessen haben, Tüten mit zu bringen. Der nächste Film berichtet über eine Geschäftseröffnung in China aus Sicht eines Europäers, ebenfalls sehr unterhaltsam gedreht. Der Jugendfilm „Zerreißprobe“ handelt von einem Mädchen mit Verbrennungsnarben am Rücken, das beim Flirt im Schulbus erst Erfolg hat, nachdem sie diese nicht mehr versteckt, sondern sich zu ihnen bekennt.
Ein weiteres Bonbon verbirgt sich hinter dem Filmtitel „Pure Süße“ - nächtliche Geheimnisse in einer Bäckerei. Ein junger Bäcker zeigt den ständigen Diebstahl seiner Muffins bei einer Polizistin an. Zu dumm nur, dass diese hübsche Beamtin die Täterin ist. Sie kann einfach dem köstlichen Geruch des Gebäcks der nahegelegenen Backstube nicht widerstehen, der immer wieder durch ihr geöffnetes Fenster dringt. Überflüssig zu erwähnen, dass die beiden schließlich ein Liebespaar werden - und das alles in sieben Minuten und 30 Sekunden wirklich süß dargestellt. Vor der Pause dann der Naturfilm „Masuren“ über Landschaft und Tierwelt dieser Region. Leider - und das ist der einzige Kritikpunkt - nach den kurzen und amüsanten Filmhäppchen mit über 20 Minuten einfach etwas zu lang und nicht so ganz in das sonst so lockere Programm passend.
Nach der Pause mit Weinen vom den Verein unterstützenden Weingut Peter Lingen aus Ahrweiler geht es mit der Film- und Bildcollage „Rennwagen“ auf der Rennstrecke des MCC Rhein Ahr in Bad Breisig weiter. Modellrennwagen flitzen über die Strecke und schaffen mit dem Beitrag einen Bezug zu Bad Breisig. „Weg einer 70-er“ heißt der nächste Film, der nicht etwa eine betagte Dame begleitet, sondern eine 70 Cent Briefmarke, angefangen vom Ausgangspunkt Postschalter. Hinter dem Titel „Kommunikation 2.0 - Moderne Kommunikationsmittel im Einsatz für die Gesundheit“ scheint sich eine nüchterne Gesundheitsdokumentation zu verbergen. Nein, ganz im Gegenteil. Uli Keiper, der an diesem Abend in Bad Breisig die Technik steuert, sehen wir nun als Akteur. Er hört auf Alexas Computerstimme. Er isst ein paar Frikadellen und wirft den größten Teil der leckeren Fleischbällchen in den Ofen - weil er mehr Kalorien verbrennen, als essen soll.
Höhepunkt ist der Film „Lieber Edmund“
Absoluter Höhepunkt ist Programmteil neun mit dem Titel „Lieber Edmund“. Wie bereits zu Beginn angekündigt, berichtet der Vereinsvorsitzende des Film- und Fotoclubs und Moderator des Abends, Rainer Gille, anhand dieses zum 60-jährigen Vereinsjubiläums entstandenen Spielfilms, wieviel Zeit und Aufwand ein solcher 30-minütiger Streifen erfordert. Die Dreharbeiten zogen sich über neun Monate hin. 17 Personen waren beteiligt. Eine Apotheke, eine Arztpraxis, eine Gaststätte sowie ein Supermarkt mussten gefunden, Drehgenehmigungen eingeholt werden. Edmund - um auf den Inhalt zu kommen, ist kein lieber, sondern ein übel gelaunter Zeitgenosse, der seine Frau Christel ständig schikaniert. Seiner Gicht zum Trotz ernährt er sich von Eisbein und reichlich Bier und wird immer unausstehlicher. Schließlich bringt ihn seine Frau mit einer Blume aus eigenem Anbau um, einer Herbstzeitlosen. Geschickt täuscht sie einen Tabletten-Selbstmord ihres Edmund vor, auf den auch die Kripo reinfällt. Das war’s mit dem üblen Edmund, Christel ist davongekommen und atmet auf, das mit fiebernde rund fünfzigköpfige Publikum auch. KMI
Rainer Gille, 1. Vorsitzender des Film- und Fotoclubs Ahrweiler (links) und Vorstand Harald Trinkaus.
