Allgemeine Berichte | 10.11.2022

Gymnasium im Kannenbäckerland Höhr-Grenzhausen

Klassenfahrt der 7a nach Bad Kreuznach

Die 7a während ihrer Klassenfahrt. Quelle: Gymnasium im Kannenbäckerland

Höhr-Grenzhausen. Außerplanmäßig gingen die siebten Klassen in diesem Schuljahr auf Klassenfahrt, da wegen der Corona-Pandemie die Veranstaltung in der fünften Klasse nicht hatte durchgeführt werden können. Für einige war es tatsächlich die allererste Klassenfahrt in ihrer Schulzeit überhaupt.

Die Klasse 7a besuchte mit ihren Klassenleiterinnen Frau von Varga und Frau Kucher die Jugendherberge in Bad Kreuznach. Der Weg dahin führte über Oberwesel, wo die Klasse 7b auf der Hinfahrt abgesetzt und auf der Rückfahrt wieder eingesammelt wurde. So konnte man sich die Busfahrt gemeinsam verkürzen.

Kaum in Bad Kreuznach angekommen, wurden die Taschen in der Jugendherberge abgestellt und es wurde direkt das einladende Außengelände gründlich in Augenschein genommen. Neben einem Bolzplatz und den üblichen Tischtennisplatten gab es auch einen kleinen Spielplatz und vor allem viel Platz zum Toben, Entspannen oder Kastaniensammeln. Eine ebenfalls anwesende jüngere Gymnasialklasse aus dem Nachbarort konnte spontan für ein Fußballspiel gewonnen werden, so verging die Zeit bis zum Mittagessen schnell.

Nach dem Mittagsmahl ging es zu Fuß bergab in die Innenstadt von Bad Kreuznach, wo schon eine sehr nette Stadtführerin mit französischem Akzent auf die Klasse wartete. Das passte gut, denn als erstes lernten sie, dass Bad Kreuznach einmal in französischer Hand gewesen war – ganze 18 Jahre lang.

Auf dem Spaziergang durch die Altstadt und den Kurpark bekam die 7a dann allerhand Interessantes zur Stadtgeschichte und zu berühmten Persönlichkeiten der Stadt zu hören, aber auch die besondere Schönheit so mancher Ecke wurde ihnen gezeigt. So wanderte man über „Klein Venedig“ zur teuersten Fischtreppe Europas, einem Ort, der nach wilder Natur aussieht, aber tatsächlich von Menschenhand geschaffen wurde. Auch die Geschichte der Salinen und die gute Seeluft, die von diesen ausgeht, durften sie bei sonnigem und mildem Wetter kennenlernen.

In Erinnerung bleiben wird vermutlich vor allem die Begegnung mit einem sehr alten, freundlichen Herrn, der als Kurgast in der Stadt war und mitbekam, als die Stadtführerin an einem Gedenkstein etwas erzählte. Tatsächlich war der alte Herr ein Zeitzeuge, der im Grundschulalter hatte mit ansehen müssen, wie an jener Stelle jüdische Familien mit Waffengewalt zusammengetrieben und zu ihrer Ermordung abtransportiert worden waren. Sein Kindheits-Trauma, von dem er der Klasse erzählte und das ihm die Stimme versagen ließ, brachte der 7a das Unfassbare beklemmend nahe. Nach einem kurzen Abstecher in die Innenstadt ging es mit dem Stadtbus zurück zur Jugendherberge, wo schon das Essen auf uns wartete.

Am nächsten Tag fuhren alle nach dem Frühstück mit dem Stadtbus zum Hauptbahnhof in Bad Kreuznach und stiegen dort in eine Regionalbahn, die sie in knapp zwanzig Minuten nach Bad Sobernheim brachte. Für viele war es die erste Zugfahrt überhaupt, und das auf einer landschaftlich sehr schönen Strecke. Vom Bahnhof Bad Sobernheim wanderten sie zum Freilichtmuseum, wo sich die Klasse nach einer kurzen Frühstückspause in zwei Gruppen aufteilte, um zwei getrennte Themenführungen durch das weitläufige Gelände zu erleben: „Kindheit früher“ und „Wasser“. Die Experten waren zwei ehrenamtlich tätige, lebenserfahrene Senioren, die viel auch aus eigener Erinnerung zu erzählen hatten.

Bei „Kindheit früher“ lernte man etwa, dass es einstmals zwar nicht viele Spielsachen für die Kinder gegeben hatte, dass aber immer andere Kinder zum Spielen da waren, wenn nachmittags die Arbeit getan war. Und alle Kinder wurden in der Familie gebraucht und hatten ihre Aufgabe, auch die Kleinsten wurden schon in die Gruppe der Kinder integriert, man passte einfach gegenseitig aufeinander auf. So war das Leben der Kinder zwar von viel Arbeit und einer sehr strengen Erziehung geprägt, doch auch von Freiheiten ohne elterliche Aufsicht, die man heute so gar nicht mehr kennt.

Die Herbstferien hießen übrigens „Kartoffelferien“ in vielen Regionen, da die Kinder dann nicht zur Schule gehen mussten, um beim Ernten der Kartoffeln helfen zu können. In Weinanbauregionen war es eher das „Herbsten“, nämlich die Weinlese, wofür die Zeit und Arbeitskraft der Kinder benötigt wurde.

Die 7a während ihrer Klassenfahrt. Quelle: Gymnasium im Kannenbäckerland

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