Hundewelpen besuchten Senioren des Johanneshauses Meckenheim -Anzeige-
Kleine Vierbeiner brachten Leben in die Bude und zauberten Lächeln in Gesichter
Meckenheim. Um 10.30 Uhr gab es für etliche Senioren im Johanneshaus Meckenheim eine besondere Abwechslung in ihrem sonst eher ruhigen Alltag. Hundebesitzer hatten sich mit ihren Welpen angekündigt und besuchten sie im Garten des Hauses. Zu Beginn war manches ratlose Gesicht in der Runde, die von Rollstühlen und Rollatoren geprägt war, zu sehen. Deutlich war zu erkennen, dass einige der Bewohner bereits vergessen hatten, warum sie jetzt und hier unter dem Sonnenschirm saßen. Als der erste Welpe tapsig das vorbereitete Areal in der Mitte der Runde erforschte und dank seines Entdeckerdrangs nach Jungtierart manch lustigen Unfug veranstaltete, huschte bereits das eine oder andere Lächeln über die Gesichter.
Richtig los ging es, als die weiteren vier Welpen dazukamen. Zuerst beschäftigten sich die Jungtiere mit sich selbst, um sich kennenzulernen. Sie balgten und tobten zur Freude der Senioren so sehenswert niedlich, dass das Eis bei den meisten endgültig brach. Kaum ein Gesicht gab es mehr, in dem die Freude nicht zu erkennen war. Besonders bei jenen, die selbst früher Hunde besaßen, war die Begeisterung groß. Sogar Menschen, die sich wegen ihrer körperlichen Beeinträchtigung oder Demenz sonst kaum zum Aufstehen motivieren können, nahmen aktiv teil.
Schon war in der Hand einer Rollstuhlfahrerin ein mitgebrachtes Hundespielzeug zu sehen, mit dem sie eines der Tiere lockte und voller Begeisterung mit ihm spielte. Andere riefen die Hunde zu sich und freuten sich, dass sie die tapsigen Vierbeiner auch auf den Arm nehmen und streicheln konnten. In den Mienen war das Glück abzulesen, das dieser Moment geschenkter Lebensfreude für sie bedeutete. „Für die Patienten hier und für die Hunde ist ein Tag wie heute eine Win-win-Situation“, erklärte Annette Panz. „Für die Senioren bedeutet es Abwechslung und Freude, für die Hunde ist es ein Lernprozess.“
Was die Tiere in den ersten 16 Lebenswochen, in der sogenannten Sozialisationsphase, erleben und erfahren, nehmen sie für ihr weiteres Leben als normal an, so Annette Panz. Also wird für diese Tiere der Umgang mit beeinträchtigten Menschen und mit Hilfsmitteln wie Rollstühlen und Rollatoren kein Grund zur Aufregung, Angst oder Angriff sein.
Die Physiotherapeutin und Hundeschultrainerin Annette Panz von dogtime in Rheinbach war auf die Idee eines Besuchs gekommen, nachdem sie schon lange festgestellt hatte, dass ihr mitgebrachter Hund den Bewohnern des Hauses guttut. So erkennt beispielsweise eine Patientin wegen ihrer Demenz kaum mehr jemanden. Ob Panz aber mit oder ohne Hund erscheint, nimmt die Seniorin sehr wohl wahr. Sie reagiere offen, glücklich und motiviert, wenn der Hund zu ihr kommt und sie mit ihm kuschelt, berichtete die erfahrene Therapeutin.
Zusammen mit den Mitarbeitern des Hauses setzte sie deshalb den Plan an diesem Mittwoch um. Gemeinsam mit einem weiteren Hundebesitzer und einer Züchterin brachten sie an diesem Tag knapp 30 überwiegend gebrechliche Senioren mit insgesamt fünf Welpen zusammen, davon vier Australian Shepherd und ein Münsterländer Welpe von der Züchterin Janine Michler aus Lüftelberg. Der unübersehbare Erfolg gibt Panz und ihren Kollegen recht: Alle Seiten profitierten sichtlich von dem Besuch.
