Allgemeine Berichte | 28.07.2016

Die scheue Wildkatze kehrt ins Forstrevier Vallendar zurück

Kleiner Tiger, der nicht kuscheln will

In freier Wildbahn.Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Konrad Funk

Vallendar. Die gute Nachricht zum Weltkatzentag am 8. August vorweg: Die vielerorts extrem selten gewordene Wildkatze, auch der „kleine Tiger Deutschlands“ genannt, kehrt zurück. Im Forstrevier Vallendar wurde nachgewiesen, dass die Wildkatze wieder vermehrt durch unsere heimischen Wälder steift.

Nur mit viel Glück gelingt es, die scheue, nachtaktive Einzelgängerin in freier Natur zu beobachten. Darum wurde zu einem ganz besonderen Trick gegriffen. Um festzustellen, ob die Wildkatze tatsächlich zurückgekehrt ist, werden sogenannte Lockstöcke aufgestellt. Das sind angeraute Holzlatten die am oberen Ende mit einem Baldrianextrakt eingesprüht werden. Wildkatzen werden in der Paarungszeit von dem Baldrianduft nahezu magnetisch angezogen und reiben sich an den Stöcken. Haare, die am rauen Holz hängen bleiben, können eingesammelt, im Labor untersucht und genetisch analysiert werden. Mit Fotofallen an ausgesuchten Plätzen konnten zusätzlich Tiere nachgewiesen werden.

„Ich freue mich sehr über die Rückkehr der Wildkatze in unseren Wäldern – nicht zuletzt weil dies ein Beleg für die, die Erfolge unserer naturnahen Forstwirtschaft ist. Wildkatzen brauchen einen vielfältigen Wald mit viel Unterholz und auch umgestürzten und toten Bäumen. So finden sie Versteckmöglichkeiten und sichere Höhlen, in denen die Wildkatzenkinder zur Welt kommen. Abwechslungsreiche Waldränder, Lichtungen, und Waldwiesen erleichtern die Mäusejagd“, erklärte Förster Achim Kern. „Von diesen natürlichen Lebensbedingungen profitieren aber nicht nur die Wildkatzen. Denn wo die Wildkatze weitläufig umherstreifen und gesunden Nachwuchs aufziehen kann, dort fühlen sich auch viele andere Waldbewohner, wie der Dachs und der Siebenschläfer wohl.“

Unsere Hauskatzen stammen übrigens nicht von den Wildkatzen ab. Genauso wenig sind Wildkatzen verwilderte Hauskatzen, sondern bilden eine völlig eigenständige Art. Die Wildkatze lebte schon in den germanischen Wäldern, lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen mit über die Alpen brachten.

Die Wildkatze unterscheidet sich von der Hauskatze: Sie ist etwas größer und kräftiger als diese. Ein Eindruck, der durch das längere Fell verstärkt wird. Die grau-braune Fellfärbung ist verwaschen. Hauptmerkmal ist der buschige Schwanz mit dunklen Ringen an einem stumpfen Schwanzende. Die Kopfform wirkt wuchtiger als bei einer Hauskatze und die Schnauze ist breiter und hat ausgeprägte weiße Schnurrhaare.

Wildkatzen sind dem Menschen gegenüber vorsichtig und nicht zähmbar. Anders als Fuchs oder Steinmarder macht die Wildkatze einen großen Bogen um den Lebensraum der Menschen.

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris)

In Deutschland leben noch etwa 5.000 bis 7.000 Wildkatzen. Anders als zum Beispiel in der Schweiz oder Österreich galten sie hierzulande auch nie als ganz ausgestorben. Eifel, Hunsrück, Taunus und Pfälzerwald beherbergen die größte deutsche Wildkatzenpopulation.

Wildkatzen sind wie alle Katzen Raubtiere und brauchen täglich frisch erbeutetes Fleisch. Dabei stehen vor allem Mäuse auf ihrem Speiseplan. Zu einem bedeutend geringeren Anteil werden auch große Insekten, Vögel und Eidechsen gefressen. Nach der nächtlichen Jagd suchen Wildkatzen morgens ihre Schlafplätze auf.

Die Tiere benötigen ein ausreichendes Angebot an natürlichen Versteckmöglichkeiten als Schlafplätze und zur Aufzucht der Jungen, etwa dichtes Gestrüpp, bodennahe Baumhöhlen, Wurzelteller, trockene Felsquartiere, verlassene Fuchs- oder Dachsbaue. Im April kommen die Jungtiere zur Welt. Diese verlassen nach spätestens sechs Monaten ihre Mutter.

Wildkatzen sind Einzelgänger mit eigenen Streifgebieten. In diesen Streifgebieten befinden sich eine Reihe von Ruhezonen und beliebte Jagdflächen. Die Streifgebiete der Kater sind mit 20 bis 30 Quadratkilometer mehr als doppelt so groß wie die weiblichen Katzen.

In der Paarungszeit (Ranz) im Januar und Februar erkunden Wildkatzenkater auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen neue Gebiete. Nach erfolgreicher Paarung bringt das Weibchen im Frühjahr meist zwei bis vier Jungen zur Welt, um die sie sich alleine kümmert. Die ersten Wochen der Jungenaufzucht verbringt die Mutterkatze mit ihrem Wurf auf einem kleinen Teil ihres Streifgebietes. Dabei suchen die Mutterkatzen immer wieder Totholzstrukturen am Boden auf. Denn hier können sie ihren Nachwuchs sicher verwahren. Im Juni und Juli begleiten die jungen Kätzchen ihre Mutter immer häufiger über weitere Strecken. Bereits im August sind die Jungen schon häufig allein unterwegs. Im Spätsommer lernen sie dann, selbstständig zu jagen.

Das Projekt „Wildkatzensprung“

Die Lebensräume der Europäischen Wildkatze sind im 20. Jahrhundert durch Siedlungen, Straßen und Ackerflächen immer stärker dezimiert und durchschnitten worden. Ihre Wälder sind voneinander isoliert oder können nur mit großen Gefahren von den Tieren erreicht werden. Der Tod an der Straße und das Aussterben kleiner Populationen drohen. Erst kürzlich gab es einen Totfund an einer Landstraße im Raum Simmern/WW.

Das Projekt „Wildkatzensprung“ hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, Wildkatzenwälder wieder miteinander zu vernetzen. Mit Hilfe zahlreicher auch ehrenamtlicher Helfer entstanden „grüne Korridore“ als Verbindungswege zwischen Wildkatzenwäldern. http://www.bund.net/wildkatzensprung

Die Wildkatze ist zurück.

Die Wildkatze ist zurück. Foto: Bei Verwendung, Nennung von Nati

In freier Wildbahn.Fotos: Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Konrad Funk Foto: Bei Verwendung, Nennung von Nati

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