Allgemeine Berichte | 11.11.2025

Als Sharvan nach Deutschland kam, sprach er kein Wort Deutsch - nun ist er Inhaber zweier Handwerksbetriebe!

Koblenz: Sharvan Hamiko ist ein perfektes Beispiel für gelungene Integration

Sharvan Hamiko in einem seiner Friseurbetriebe. Foto: Dagmar Schickert

Koblenz. Sharvan Hamiko war 16 Jahre alt, als er aus Syrien nach Deutschland floh. Er sprach kein Deutsch, brachte aber aus seiner Heimat Grundkenntnisse im Friseurhandwerk mit – und war im neuen Umfeld zunächst orientierungslos. Heute, elf Jahre später, ist seine Geschichte ein Beispiel für gelungene Integration durch geduldige und gezielte Unterstützung. Sharvan Hamiko erzählt seine Geschichte in seinem eigenen Friseursalon Shero – genauer gesagt: in einem seiner beiden Salons, die er mittlerweile in Koblenz betreibt. Aus einem Jugendlichen ohne Perspektive wurde ein Friseurmeister, Unternehmer und Familienvater.

„Für mich war es damals erst schwierig, in eine Schule zu gehen, weil ich kein Deutsch konnte. Ich habe einen Sprachkurs gemacht und dann bei der Handwerkskammer (HwK) Koblenz eine Friseurlehre gemacht“, erinnert sich der junge Friseurmeister. Auf diese Weise erwarb er automatisch seinen Hauptschulabschluss. „Die Lehrer bei der HwK haben mich toll gefördert, mit mir Deutsch gelernt, sind alle Inhalte immer geduldig mit mir durchgegangen“, sagt er dankbar.

13 Auszubildende waren damals in der BAE-Maßnahme, einer Berufsausbildung, die in außerbetrieblichen Einrichtungen stattfindet und zu der mehrere Praktika gehörten. Nach und nach fielen ihm die Inhalte leichter. Eine wichtige Stütze war Mustafa Karim. Sharvan lernte den HwK-Berater zufällig im Aufzug kennen – beide sprachen Arabisch. Von diesem Moment an wurde Mustafa Karim für ihn nicht nur ein hilfreicher Begleiter, sondern bis heute auch ein guter Freund.

„Im ersten Lehrjahr hatte ich eine Phase, in der ich ans Aufhören gedacht habe. Die Fachwörter waren so kompliziert – aber ich wurde in dem Programm einfach immer unterstützt und motiviert, durchzuziehen.“ Bald ergaben sich echte Perspektiven: Während der Maßnahme absolvierte Sharvan Praktika in mehreren Friseursalons. Einer dieser Betriebe bot ihm an, samstags dort zu arbeiten. Nach drei Jahren hatte Sharvan Hamiko seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen – und erhielt in diesem Salon eine Festanstellung. „Dann kam Corona und mein Chef gab den Laden auf. Ich bekam die Gelegenheit, ihn zu übernehmen, musste dafür aber meinen Meister machen.“ Hochmotiviert absolvierte er den Meisterkurs in der Abendschule, übernahm den Friseursalon dank eines kleinen Kredits und renovierte ihn von Grund auf. Gleichzeitig hörte er von einem weiteren Friseursalon im Globus, der insolvent war. „Da meine Cousine Friseurmeisterin ist, habe ich auch diesen Laden übernommen, sie dort eingestellt und habe nun zwei gut gehende Friseursalons mit zwölf Mitarbeitern, davon zwei Auszubildende“, berichtet er stolz.

Die Meisterprüfung hat er erfolgreich abgelegt – und ist dankbar für die Unterstützung der Handwerkskammer: „Ohne die HwK und ihre motivierten Ausbilder hätte ich das niemals geschafft – sie waren wie Eltern immer für mich da. Ohne diese Unterstützung hätte ich mit Sicherheit meine Ausbildung abgebrochen!“ Heute ist Sharvan Hamiko verheiratet und lebt mit seiner Frau und der eineinhalbjährigen Tochter in Moselweiß. Seine weiteren Pläne? „Menschen im Handwerk ausbilden und meiner Familie ein schönes Zuhause schaffen.“

Sharvan Hamiko in einem seiner Friseurbetriebe. Foto: Dagmar Schickert

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