Allgemeine Berichte | 12.01.2023, 14:41 Uhr

Kolumne (38) Anna-Casalter-Straße (1)

Odendorfer Bahnhofsgebäude mit Gaststätte auf einer Postkarte um 1919. Quelle: Sammlung Matanovic, Archiv der Gemeinde Swisttal
78

Odendorf/Essig. Straßennamen dienen nicht nur der Orientierung. Sie erzählen auch Geschichten, erinnern an besondere Ereignisse und ehren wichtige Persönlichkeiten. Sie geben also auch Zeugnis über die Geschichte einer Ortschaft. Meistens gehen wir achtlos an den Straßenschildern vorbei. Aber es lohnt sich genauer hinzusehen und nachzuforschen.

Der häufigste Straßenname in Deutschland ist „Hauptstraße“. Schiller- und Goethestraße finden wir auf Platz 12 und 14, Mozart und Beethoven landen auf Platz 35 und 44. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass weibliche Persönlichkeiten bei der Benennung von Straßen deutlich unterrepräsentiert sind. Im Durchschnitt sind nur etwa zwei bis fünf Prozent der Straßen nach Frauen benannt, bei Männern hingegen liegt der Anteil bei ca. 80 Prozent.

In Odendorf gibt es 46 Straßenbezeichnungen, eine davon erinnert an eine Frau. Gegenüber vom Odendorfer Traditionscafé von Sturm zweigt von der Essiger Straße eine unscheinbare Straße ab, die rechts am Edeka-Markt Hüffel vorbeiführt und dahinter nach links abknickt, die Anna-Casalter-Straße. Wer war die Frau, nach der diese Straße 1994 benannt wurde?

Anna Maria Theresia Casalter wurde als Tochter des Gastwirts Johann Peter Barthel Casalter und Gertrud Casalter, geb. Heider am 16. September 1871 in Köln-Müngersdorf geboren. Ihr Vater stammte aus Bonn und ist bereits 1886 mit nur 48 Jahren in Odendorf verstorben. Ihre Mutter, Gertrud Casalter, die am 19. Februar 1910 im Alter von 72 Jahren in Odendorf verstorben ist, stammte aus Odendorf. Ihre Eltern waren der Schmied Johann Heider und Anna Margareta Heider, geb. Klein.

Über Anna Casalters Leben weiß man nicht allzu viel. 1910 übernahm sie die Führung der Odendorfer Bahnhofsgaststätte von ihrer Mutter. Sie soll eine großzügige Person gewesen sein, unterstützte gerne andere Menschen und die Odendorfer Vereine. Trotz einer langjährigen Verlobung blieb sie ledig und wohnte bis ins hohe Alter in der Odinstraße 7 in Odendorf. Am 28. November 1955 zog sie in das von der katholischen Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen betriebene Altersheim in der damaligen Burgstraße 26 um, in dem sie am 16. April 1957 im Alter von 85 Jahren starb. Das Gebäude am Zehnthofplatz ist heute als „das Alte Kloster“ bekannt und beherbergt die Kindertagesstätte „Villa Kunterbunt“.

Wie kam es dazu, dass im Jahre 1994 Anna Casalter eine Straße in Odendorf gewidmet wurde? Was hat den Gemeinderat zu dieser Namensgebung bewogen. Um dieser Frage nachzugehen, muss man in die 1940er-Jahre und auf das Ende des Zweiten Weltkrieges in Odendorf zurückblicken. Dazu erfahren wir mehr in der zweiten Folge dieser Kolumne.

Die Informationen wurden zusammengestellt vom Verein Zehnthaus mit freundlicher Unterstützung des Archivs der Gemeinde Swisttal.

Sammlung Zehnthaus

www.verein-zehnthaus.de

Foto: Klaus Peter Scholz

Foto: Klaus Peter Scholz

Odendorfer Bahnhofsgebäude mit Gaststätte auf einer Postkarte um 1919. Quelle: Sammlung Matanovic, Archiv der Gemeinde Swisttal

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Die neue Brücke in der Beckenkampstraße, die über die darunterliegende Bahnstrecke führt, ist seit wenigen Tagen für den Fuß- und Radverkehr freigegeben.
6

Die Fuß- und Radwegebrücke in der Beckenkampstraße im Koblenzer Stadtteil Horchheim wurde kürzlich nach einem umfangreichen Neubauprojekt wiedereröffnet. Die ursprüngliche Bogenbrücke aus dem Jahr 1914 war im Herbst 2022 abgerissen worden, um Platz für den modernen Ersatzbau zu schaffen. Während der Bauphase mussten technische Anpassungen vorgenommen werden, die den Zeitplan beeinflussten und die Nutzung der Bahnsperrpausen veränderten.

Weiterlesen

Die Versteigerung brachte die beeindruckende Summe von 1.674,50 Euro ein.
5

Raimund Wittlich engagiert sich seit über zwei Jahrzehnten für krebskranke und hilfsbedürftige Kinder bei der VOR-TOUR der Hoffnung. In dieser Zeit hat er sich als engagierter Spendensammler und „Kümmerer“ einen Namen gemacht und durch kreative Ideen immer wieder überrascht. Sein Talent, Potenziale für den guten Zweck zu erkennen, zeigte sich auch in der Geschichte des Unimog-Modells von Jörg Sombrutzki aus Roßbach.

Weiterlesen

Eine interessante Podumsdiskussion zu Kommunalarchiven, an der (von links) Prof. Dr. Wolfgang Dobras, Dr. Katharina Thielen, Dr. Max Plassmann und Dr. Sabine Schneider teilnahmen, rundete die Eröffnung des neuen Stadtarchivs im Forum Confluentes in Koblenz ab.
7

Das Stadtarchiv von Koblenz hat nun eine neue Adresse: Es ist in das Forum Confluentes am Zentralplatz umgezogen. Mit der jüngst erfolgten großen Eröffnung wurde der lang geplante Umzug vom alten Standort an der Alten Burg nahezu vollständig abgeschlossen. Oberbürgermeister David Langner dankte den Mitarbeitenden und beteiligten Firmen, die den Umzug ermöglichten, und betonte die Bedeutung der Bewahrung der Stadtgeschichte für kommende Generationen.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Martinsmarkt Adendorf
Stellenausschreibung Kennziffer 108/2026
Herbstaktion KW 45
Tag der offenen Tür 2026
Weitere Artikel
Links: Straßenschild Rheinstraße, Mitte: Nostalgisches Bild der Rheinstraße/Vater Rhein (vom Stadtmuseum Andernach), Rechts: Frau Grafen heute
582

Andernach. Wenn Christina Grafen von ihrer Zeit in der Andernacher Rheinstraße erzählt, klingt es fast so, als würde man für einen Moment die Musik von damals wieder hören. Tanzflächen voller Menschen, mehrere Theken, an denen die Getränke ausgeschenkt wurden, ausgelassene Stimmung und mittendrin sie – meistens hinter dem Tresen, wo es selten ruhig zuging.

Von Dilara Köksal aus Andernach

Weiterlesen

v.l.n.r.: Daniel Phiesel, Christel Engeland, Stefan Raetz, Marcel Richter, Martin Warkentin
188

Rheinbach. Die Bürgerstiftung „Wir für Rheinbach“ hat auch für 2027 wieder einen Rheinbach-Kalender herausgebracht. Die Vorstände Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel und Marcel Richter: „Der Bildkalender erfreut sich auch in der 13. Auflage großer Beliebtheit und zeigt wieder interessante Rheinbacher Motive.“ Mit Martin Warkentin hat die Bürgerstiftung erneut einen jungen Fotografen aus Rheinbach gefunden, der mit einem eigenen Blick auf die Rheinbacher Motive schaut.

Von Stefan Raetz aus Rheinbach

Weiterlesen