Ab 2020 zeichnet die „Villa Musica“ verantwortlich für Konzerte im Arp Museum
Kooperation mit Johannes- Wasmuth-Gesellschaft beendet
Johannes-Wasmuth-Gesellschaft übte scharfe Kritik wegen nicht verlängertem Kooperationsvertrag
Rolandseck. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck hat jüngst angekündigt, die Kooperation mit der rheinland-pfälzischen Landesstiftung „Villa Musica“ ab 2020 auszuweiten. Die „Villa Musica“ soll ab diesem Zeitpunkt exklusiver Partner für die Gestaltung der Konzerte im Museum sein. Hingegen läuft der Kooperationsvertrag des Museums mit der Johannes-Wasmuth-Gesellschaft Ende 2019 aus, was indes in der Mitteilung des Arp Museums an die Medien explizit nicht formuliert wurde.
Reaktion der Johannes- Wasmuth-Gesellschaft
Mit scharfer Kritik reagiert die Johannes-Wasmuth-Gesellschaft (JWG) auf die Entscheidung, dass der mit ihr abgeschlossene bis zum 31. Dezember 2019 laufende Kooperationsvertrag nicht verlängert wird: „Die Entscheidung der Landesstiftung ist ein herber Schlag gegen das immense bürgerschaftliche Engagement“. Weiter heißt es: „Nur durch dieses wurde gewährleitstet, dass fünf Jahre lang mit der Hälfte des ursprünglichen Budgets und mit unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit ein exzellentes Musikprogramm von sieben Abonnementskonzerten und einem Festival mit fünf bis sieben Konzerten sowie zahlreichen Sonderkonzerten angeboten wurde.“ Ermöglicht hätten dies viele Mitglieder, die gewissermaßen fulltime für die Wasmuth-Gesellschaft arbeiteten, von der Pressearbeit über die Buchhaltung bis hin zur Verpflegung der Musikerinnen und Musiker, „was im Festival bedeutete, dass über zehn Tage täglich für circa 30 Personen gekocht wird“. Das Museums hält dagegen: „Selbstverständlich erkennen wir das hohe bürgerliche Engagement der Mitglieder der JWG an und sind dankbar für die bisher geleistete freiwillige Arbeit jedes Einzelnen. Dies wurde im Gespräch mit der Wasmuth-Gesellschaft auch deutlich gemacht. Leider sind aber die Möglichkeiten einer ehrenamtlichen Institution gegenüber einer professionellen Einrichtung, wie der „Villa Musica“, schlichtweg nicht vergleichbar und stimmen nicht mit unserer Vorstellungen und Forderungen überein.“ Indes äußert die JWG enttäuscht: „Die Johannes-Wasmuth-Gesellschaft wurde als immer loyaler Kooperationspartner nicht in den Entscheidungsprozess für das Modell ab 2020 miteingebunden, noch wurde dem Vorstand Zeit gegeben, sich zu dieser ‚Entscheidung‘ zu äußern.“ Ebenso kritisiert die JWG, dass in der Presseinformation der Museumsleitung „die Wasmuth Gesellschaft und ihr fünfjähriger selbstloser und erfolgreicher Einsatz keinerlei Erwähnung findet“. Der Gesellschaft sei es gelungen, „im Geiste des Gründers des Bahnhof Rolandseck Johannes Wasmuth das Programmprofil zu schärfen“. Man habe alte und neue Freunde wie Martha Argerich, Mischa Maisky, Radu Lupu, wieder an den Rhein geholt, junge Musiker gefördert und Musikveranstaltungen „im Geiste der Völkerverständigung“ konzipiert, auch wiederholt rheinland-pfälzische Kulturinstitutionen wie Rheinvokal, ZIRP, die St. Goar Music and Festival Academy und das Landesmusikgymnasium Montabaur eingeladen. Die Gesellschaft bedauert: „Durch die Kooperation mit der „Villa Musica“ wird die von der JWG geschärfte programmatische Prägung nicht weitergeführt.“
Andere Ausrichtung gewünscht
Offenbar möchte sich das Arp Museum ganz bewusst von dieser Prägung verabschieden. So teilt das Museum mit, die Landesregierung begrüße die Zusammenarbeit zweier Landes-Stiftungen und erhoffe Synergieeffekte. Indes sei die Entscheidung für die „Villa Musica“ keine politische, sondern eine inhaltliche: „Inhaltliche Differenzen mit der JWG ergaben sich besonders in Bezug auf die Gestaltung des Musikprogramms. Dem Wunsch nach einer stärkeren inhaltlichen Einbindung in das Ausstellungsprogramm, wurde nur begrenzt nachgegangen.“ Gewünscht war vom Museum eine „stärkere Vernetzung von Musik und Kunst, die auch mit dem bevorstehenden Beethovenjahr 2020 zusammenhängt“. Blick aktuell fragte nach, warum man sich inhaltlich nicht einigen konnte. Anstelle von Museumsdirektor Dr. Oliver Kornhoff, der vor Redaktionsschluss nicht erreichbar war, antwortete Claudia Seiffert, Leiterin der Kommunikation: „Die vom Museum angestrebte stärkere programmatische Einbindung der Ausstellungen in das Konzertprogramm möchten wir mit einem neuen Partner und dessen frischem Blick angehen. Mit der „Villa Musica“ konnte beispielsweise für die 2020 kommende Dalí-Ausstellung eine Konzertfolge erarbeitet werden, die die künstlerische Wertschätzung Dalís für Beethoven musikalisch erfahrbar macht.“
Rolandseck- Festival wird nicht weitergeführt
An den zukünftigen Inhalten ändert sich darüber hinaus etwa, dass das Rolandseck-Festival, eine eingeführte anerkannte Größe, in der bisherigen Form nicht weitergeführt wird. Stattdessen soll es ein neues musikalisches Format geben, das von der Villa Musica noch erarbeitet wird. Blick aktuell hakte nach, weshalb das angesehene Rolandseck-Festival aufgegeben wird. Dazu Claudia Seiffert: „Das Museum wünschte sich ein innovativeres Programmformat als ein klassisches Kammermusik-Festival. Derzeit entwickeln wir dafür erste Ideen, die aber noch weiter ausgearbeitet werden müssen.“ HG
